Stand: 12.11.2018 10:25 Uhr  | Archiv

Rohmilch: Erhöhtes Risiko für Infektionen

Ein Stück Camenbert © Fotolia.com Foto: A_Bruno
Auch Käse aus Rohmilch kann Krankheitserreger enthalten.

Als Rohmilch wird Milch von Kühen, Schafen und Ziegen bezeichnet, die ohne Homogenisierung und Wärmebehandlung (Pasteurisieren) mit ihrem natürlichen Fettgehalt abgegeben wird. Manche Verbraucher schwören auf den unverfälschten Geschmack und verweisen auf den hohen Vitamingehalt. Doch im Zusammenhang mit dem Verzehr kommt es immer wieder zu schweren Infektionen. Denn Rohmilch kann gefährliche Keime enthalten, zum Beispiel:

  • EHEC
  • Listerien
  • Salmonellen
  • Mycobakterien
  • Typhus- und Diphterie-Erreger
  • Mastitis-Erreger (bei Euterentzündung)

Das Infektionsrisiko ist laut Studien beim Verzehr von Rohmilich 840-mal größer als bei herkömmlicher Milch. Die Gefahr einer schweren Infektion, die im Krankenhaus behandelt werden muss, ist um den Faktor 45 erhöht.

Rohmilch und Vorzugsmilch - die Unterschiede

Die Gefahr einer Infektion ist bei Vorzugsmilch niedriger als bei Rohmilch:

  • Als Vorzugsmilch wird Rohmilch bezeichent, die abgepackt im Handel und in Hofläden erhältlich ist. Sie muss strenge Vorschriften erfüllen, etwa mikrobiologische Kontrollen. Dafür dürfen die Hersteller auf den Hinweis "Abkochen vor dem Verzehr" verzichten. Vorzugsmilch höchstens bei acht Grad lagern und innerhalb von 96 Stunden verbrauchen.

  • Bei Rohmilch aus dem Kühlautomaten ("Milchtankstelle") muss der Erzeuger einen Warnhinweis anbringen: "Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen" - außer wenn es sich im Kühlautomaten um Vorzugsmilch aus speziell kontrollierten Betrieben handelt.

Abkochen bietet Schutz vor Infektionen

Das Abkochen der Milch ist die einzige Möglichkeit, sich zuverlässig vor Infektionen zu schützen. Auch vor der Verarbeitung der Milch zu anderen, vor dem Verzehr nicht mehr erhitzten Speisen wie Joghurt, muss die Milch einmal ausreichend erhitzt werden: 30 Sekunden lang auf 75 Grad.

Beim Erhitzen gehen die in der Rohmilch enthaltenen hitzeempfindlichen Vitamine B12, C und Folsäure verloren. Den übrigen Vitaminen und Mineralstoffen macht das Abkochen aber nichts aus.

Wer auf Rohmilch-Produkte verzichten sollte

Auf den Verzehr nicht abgekochter Rohmilch oder Vorzugsmilch verzichten sollten Kinder, Schwangere, Ältere und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Doch auch gesunde Erwachsene laufen Gefahr, an einer schweren Lebensmittelinfektion zu erkranken, zum Beispiel Nierenversagen durch EHEC-Erreger oder Tuberkulose durch Mycobakterien.

Rohmilch: Vorsicht bei Weichkäse

Aus Rohmilch hergestellt wird Käse wie Appenzeller, Camembert, Emmentaler, Limburger und Parmesan. Auf die Verwendung von Rohmilch müssen die Produzenten auf der Verpackung hinweisen. Immer wieder werden einzelne Chargen zurückgerufen, weil sie mit Krankheitskeimen belastet sind. Problematisch ist vor allem Weichkäse, weil er Mikroorganismen bessere Lebensbedingungen bietet als Hartkäse.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Bernward Bisping, Mikrobiologe
Lebensmittelmikrobiologie und Biotechnologie
Institut für Pflanzenwissenschaften und Mikrobiologie
Fachbereich Chemie der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften
Universität Hamburg
Ohnhorststraße 18, 22609 Hamburg
www.biologie.uni-hamburg.de

Jan-Hendrik Langeloh, Milchbauer
Milchhof Reitbrook GbR
Vorderdeich 275, 21037 Hamburg
www.milchhof-reitbrook.de

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Visite | 13.11.2018 | 20:15 Uhr

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