Stand: 06.05.2019 13:01 Uhr

Rhododendron: Quelle für neue Antibiotika?

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Jede einzelne Wildart der Rhododendren produziert ihr eigenes Antibiotikum.

Es gibt rund 600 Wildarten und mehr als 3.000 Züchtungen des Rhododendrons. Während die dekorativen Büsche des Rosenbaums in deutschen Gärten eher als Zierpflanzen bekannt sind, werden Extrakte aus ihren Blättern und Blüten in Indien, der Türkei und Indonesien schon seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin eingesetzt - zur Behandlung von Infektionen und Zahnschmerzen, zur Fiebersenkung und zur Linderung von Unwohlsein.

Eine gründliche wissenschaftliche Analyse der Inhaltsstoffe und ihrer Wirkung gab es aber bisher nicht. Forscher der Jacobs University in Bremen sind nun den Substanzen auf der Spur, mit denen sich der Rhododendron selbst vor Keimen schützt - in der Hoffnung, daraus neue Antibiotika entwickeln zu können, die auch gegen multiresistente Bakterien wirken.

Rhododendron-Blüten.

Rhododendron: Quelle für neue Antibiotika?

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Der Rhododendron steht als Zierpflanze in vielen Gärten. In den Blüten und Blättern stecken Substanzen, die Bakterien abtöten. Eine Quelle für neue pflanzliche Antibiotika?

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Etwa 40 antibakterielle Substanzen in Blüten und Blättern

Die Forscher haben bereits rund 600 verschiedene Substanzen aus Blüten und Blättern extrahiert und mehr als 150 genauer analysiert. Bisher fanden sie dabei rund 40 Substanzen mit einer hohen antibakteriellen Aktivität. Das heißt, sie können gefährliche Erreger zerstören. Einige töteten im Labor zuverlässig auch Bakterienkulturen ab, denen herkömmliche Antibiotika nichts anhaben konnten.

Die Wissenschaftler prüften diese Substanzen nun an lebenden menschlichen Haut- und Darmzellen auf gefährliche Nebenwirkungen. Denn nur wenn die Wirkstoffe unschädlich für menschliche Zellen sind, sind sie als Grundlage für die Entwicklung neuer Antibiotika geeignet. Dabei erwiesen sich bisher vier der neuen Substanzen als völlig ungefährlich für menschliche Zellen.

Vermehrung von Krebszellen gehemmt

Bei der Auswertung der Zellkulturen entdeckten die Bremer Forscher eine völlig unerwartete Wirkung: Einige Substanzen aus dem Rhododendron griffen auch Krebszellen an und hemmten deren Vermehrung. Drei gegen Bakterien besonders wirksame Substanzen aus dem Rhododendron versuchen die Forscher nun im Labor nachzubauen - als Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente.

Antibiotikum gegen multiresistente Keime?

Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass jede einzelne Wildart der Rhododendren ihr eigenes Antibiotikum produziert. Eine neue Waffe im Kampf gegen resistente Bakterien könnte zum Beispiel der Rhododendron collettianum sein. Die Forscher haben in seinen Blättern und Blüten neue Substanzen gefunden, die gefährliche Keime abtöten. Aus zwei Kilogramm Blättern des Rhododendron collettianum isolierten die Forscher 20 Milligramm Antibiotikum, was der Wochendosis für einen Erkrankten entspricht. Damit stünde einer klinischen Studie eigentlich nichts mehr im Wege, aber es fehlt das Geld. Denn obwohl die Forscher bereits so weit gekommen sind und neue Wirkstoffe gegen bakterielle Infektionen dringend gebraucht würden, zeige die Pharmaindustrie aufgrund der geringen Gewinnspanne bisher kein Interesse an den pflanzlichen Antibiotika, bemängeln die Forscher.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Matthias Ullrich, Mikrobiologe
Prof. Dr. Nikolai Kuhnert, Chemiker
Dr. Klaudia Brix, Zellbiologin
School of Engineering & Science (SES)
Jacobs University Bremen
Campus Ring 6
28759 Bremen
www.jacobs-university.de

Prof. Dr. Dirk Albach
Leiter der AG Biodiversität und Evolution der Pflanzen
Direktor des Botanischen Gartens
Institut für Biologie und Umweltwissenschaften (IBU)
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Carl von Ossietzky-Straße 9 - 11
26111 Oldenburg
www.plant-evol.uni-oldenburg.de

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Visite | 07.05.2019 | 20:15 Uhr

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