Stand: 04.09.2020 13:18 Uhr

Rheuma und Corona: Was müssen Patienten beachten?

von Marion Feldkamp, NDR.de
Eine Person erläutert einer anderen Person etwas, das auf einem Tablet zu sehen ist. © Colourbox
Wer gesundheitliche Probleme hat, sollte einen Arztbesuch nicht aufschieben.

Patienten mit rheumatischen Erkrankungen haben derzeit immer noch Sorge zum Rheumatologen in die Praxis zu gehen oder sich im Krankenhaus behandeln zu lassen. Sie befürchten, dass sie sich dort mit dem Corona-Virus infizieren könnten. Strikte Eingangskontrollen und ausgefeilte Hygienekonzepte minimieren dieses Risiko aber, so die bisherigen Erfahrungen. "In Kliniken ist man sicherer als im Supermarkt", sagt etwa Professor Michael Hammer, Chefarzt der Klinik für Rheumatologie in Sendenhorst.

Rheumapatienten nicht stärker von Corona betroffen als andere

Nach den aktuell vorliegenden Daten haben sich Rheumapatienten bislang nicht häufiger mit dem Corona-Virus angesteckt als andere Menschen. Auch sind die Krankheitsverläufe bei COVID 19 für an Rheuma Erkrankte nicht unbedingt schwerer. Vor allem bei medikamentös gut eingestellten Patienten mit einer rheumatisch-entzündlichen Erkrankung ist eine Corona-Infektion genauso gut behandelbar wie bei nicht Betroffenen.

Kortison erhöht Infektanfälligkeit generell

Schwierig wird es nach Einschätzung von Experten, wenn die Patienten Kortison in einer Menge von mehr als zehn Milligramm pro Tag einnehmen. Dann entstehe generell eine höhere Infektanfälligkeit. Starke Kortison-Präparate, wie etwa Dexamethason, können aber bei sehr schweren Verläufen von COVID-19-Erkrankungen mit Beatmungspflicht einen positiven Effekt haben. Das hat eine Studie in England gezeigt.

Medikamente möglichst nicht absetzen

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie empfiehlt den Patienten, eine gut funktionierende medikamentöse Basistherapie fortzusetzen. Sollte es zu einer COVID-19-Erkrankung kommen, kann demnach gemeinsam mit dem behandelnden Rheumatologen beraten werden, ob die Therapie doch besser unterbrochen wird. Eine niedrige Kortison-Gabe als fünf Milligramm pro Tag wird empfohlen weiterzuführen.

Krankenhausbehandlung besser nicht aufschieben

Rheuma-Patienten müssten während der Pandemie nicht schlechter oder anders behandelt werden als zuvor, so die Expertenmeinung. Bei einem Rheuma-Schub sollten Patienten eine nötige Krankenhausbehandlung nicht aufschieben. Mittlerweile gibt es in den Kliniken wieder ausreichend Kapazitäten. Auch die niedergelassenen Rheumatologen können Patienten wieder weitgehend normal behandeln. Sind Operationen notwendig, dann sollten die Betroffenen auch diese zeitnah durchführen lassen. Schließlich können sich die Beschwerden bei einer Verzögerung weiter verschlechtern.

Patienten sollten Risiken vor OP abwägen

Betroffene können auch eine Liste mit dem Pro und Contra einer Operation und den möglichen Risiken erstellen und auf dieser Grundlage entscheiden, ob eine Operation sinnvoll, aufschiebbar oder unumgänglich ist. In den OP-Sälen sei die Sterilität und der Schutz vor Ansteckungen auch vor der Corona-Pandemie schon gegeben gewesen, sagen Rheumaorthopäden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Radio-Visite | 26.08.2020 | 09:20 Uhr

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