Stand: 27.03.2018 11:12 Uhr  | Archiv

Rheuma: Wann ist ein neues Gelenk sinnvoll?

Röntgenbild © Colourbox
Moderne Medikamente, Bewegung und gesunde Ernährung können bei Rheuma in vielen Fällen eine Zerstörung der Gelenke verhindern.

Bei Gelenkrheuma führt eine Störung des körpereigenen Immunsystems dazu, dass fehlgeleitete Abwehrzellen gesundes Gewebe angreifen und in den Gelenken chronische Entzündungen auslösen, die das Gelenk schließlich zerstören. Noch vor rund zehn Jahren mussten sich mehr als die Hälfte aller Rheumapatienten früher oder später einer Operation unterziehen, bei der entzündete Gelenkhaut entfernt wurde. Sie galt als wirksamstes Mittel gegen die quälenden Schmerzen und Versteifungen, die eine rheumatische Gelenkerkrankung mit sich bringt. Das hat sich geändert.

Neue Medikamente machen Gelenkersatz bei Rheuma oft überflüssig

Moderne Medikamente wie die gentechnisch hergestellten Biologika, aber auch die Verbesserung bewährter Therapien, bewirken inzwischen, dass die Erkrankung häufig deutlich weniger aggressiv verläuft und eine Operation vermieden werden kann. Da sie die Infektneigung erhöhen, kommen Biologika allerdings erst zum Einsatz, wenn die klassische Basistherapie mit Methotrexat, Leflunomid oder Sulfasalazin plus Kortison nach drei bis sechs Monaten nicht ausreichend anschlägt oder nach einiger Zeit nicht mehr wirkt. Wichtig ist, dass die Patienten möglichst frühzeitig richtig therapiert werden. Allerdings gibt es auch Rheumaformen, bei denen diese Erfolge ausbleiben, die sogenannten sero-negativen Rheumaformen. Sie sind durch Medikamente nicht so gut zu beeinflussen wie sero-positive Formen und machen häufige Wechsel auf andere Präparate erforderlich.

Bewegung und Ernährung spielen eine wichtige Rolle

Neben Medikamenten ist Physiotherapie eine unverzichtbare Säule der Behandlung. Sie ist wichtig, um die Beweglichkeit zu erhalten und eine Einsteifung der Gelenke zu verhindern. Besonders geeignet sind alle Übungen und Sportarten, die das Ausmaß der Beweglichkeit erhalten, ohne das Gelenk zu sehr zu belasten, wie zum Beispiel Radfahren oder Schwimmen. Doch nicht nur mit regelmäßiger Bewegung, auch durch ihren Lebenswandel können Rheumapatienten den Verlauf ihrer Erkrankung beeinflussen. Sie sollten auf Zigaretten und weitestgehend auf Fleisch verzichten, sich möglichst vitaminreich mit viel Gemüse und Fisch ernähren und Übergewicht vermeiden.

Gelenkersatz als letzte Möglichkeit

Ist trotz aller Gegenmaßnahmen ein Gelenk völlig zerstört und sind die Beschwerden so stark, dass eine Funktion nicht mehr möglich ist, kann eine Gelenkprothese notwendig werden. Das ist vor allem bei sero-negativen Rheumaformen häufiger der Fall. Neben künstlichen Knie- und Hüftgelenken stehen auch Sprunggelenks-, Finger- und Schultergelenksprothesen zur Verfügung, um Rheumapatienten schmerzfreie Beweglichkeit und Lebensqualität zurückzugeben. Mit dem neuen Gelenk sollte dann auch wieder eine physiotherapeutische Behandlung möglich sein, um das weitere Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.

Weitere Informationen
Eine Frau fasst sich an den schmerzenden Ellenbogen. © Fotolia Foto: absolutimages

Chat-Protokoll: Rheumabehandlung

Gentechnisch hergestellte Medikamente helfen gut bei Rheuma. Was passiert, wenn sie nicht anschlagen? Internist Hans-Georg Pott hat Fragen zum Thema Rheumabehandlung beantwortet. mehr

Mann hält sich ein schmerzendes Knie, das schematisch rot eingefärbt ist. © Fotolia.com Foto: underdogstudio

Gelenkschmerzen behandeln: Vorsicht mit Kortison

Bei Gelenkschmerzen versuchen viele Ärzte, die Beschwerden mit einer Kortisonspritze zu lindern. Doch die Therapie hilft meist nur kurz - und kann Nebenwirkungen haben. mehr

Eine Frau fasst sich an den schmerzenden Ellenbogen. © Fotolia Foto: absolutimages

Rheuma: Frühe Behandlung entscheidend

Von der chronischen Krankheit Rheuma sind Millionen Menschen betroffen. Eine frühzeitige Behandlung kann die Entzündungen in vielen Fällen stoppen. mehr

Gemüse und Obst liegen in einer herzförmigen Holzschale. © Fotolia.com Foto: udra11
1 Min

Was essen bei Rheuma?

Wer Rheuma hat, leidet unter Gelenk- und Muskelschmerzen. Eine entzündungshemmende Ernährung kann die Beschwerden stoppen. Welche Lebensmittel sind geeignet? 1 Min

Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.03.2018 | 20:15 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Eine Hand in einem Handschuh hält eine Spritze vor einer Schulter. © fotolia.com Foto: miss_mafalda

Corona: Wie sicher und wirksam sind die Impfstoffe?

Die ersten Impfstoffe gegen das Coronavirus stehen vor der Zulassung. Wie sicher und wirksam ist die Impfung? mehr

Eine Frau hält sich den unteren Rücken. © colourbox

Rücken-OP: So lassen sich Komplikationen vermeiden

Eine Operation an der Wirbelsäule erfordert viel Erfahrung. Was ist bei der Auswahl des Chirurgen zu beachten? mehr

Zimtsterne und Vanillekipferl in weihnachtlicher Deko. © fotolia Foto: Hetizia

Gesund backen: Industrie-Zucker und Weizenmehl ersetzen

Weihnachtsgebäck enthält oft viel Butter, Zucker und Weißmehl. Tipps fürs Backen im Advent mit gesünderen Zutaten. mehr

Ein Frau hält sich vor Schmerzen das Handgelenk. © Colourbox Foto: Motortion

Wenn Muskeln zittern: Tremor-Ursachen erkennen

Beim essenziellen Tremor sind bestimmte Bereiche des Gehirns überaktiv. Wie lässt sich die Erkrankung behandeln? mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr