Stand: 12.12.2017 10:12 Uhr  | Archiv

Restless Legs: Hilfe gegen unruhige Beine

Die Beine zucken, zappeln oder brennen und das vor allem abends und nachts, wenn der Körper zur Ruhe kommt: Das Restless Legs Syndrom (RLS) bedeutet übersetzt Erkrankung der unruhigen, ruhe- oder rastlosen Beine. RLS-Patienten können kaum ruhig sitzen, geschweige denn ruhig schlafen. Immer wenn sie Ruhe und Entspannung suchen - sei es beim Lesen oder Fernsehen, im Kino aber im Theater - stellen sich die Beschwerden ein.

Symptome gehen bei Bewegung zurück

Die Betroffenen beschreiben ihre Symptome und Missempfindungen meist recht unterschiedlich. Sie können einseitig, beidseitig oder auch abwechselnd auf der einen oder anderen Seite auftreten. Neben den Beinen können auch die Arme oder selten die Brustwand betroffen sein. Typisch ist, dass die Beschwerden durch Bewegung zurückgehen. Aufgrund ihrer vermehrten Beinbewegungen schlafen die Patienten nachts sehr schlecht und sind deswegen tagsüber sehr erschöpft, müde und konzentrationsschwach. Oft kommt es auch zu Problemen in der Partnerschaft, Depressionen und sozialer Isolation.

Ursache für Restless Legs Syndrom gibt Rätsel auf

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RLS-Patienten können kaum ruhig sitzen, geschweige denn schlafen.

Obwohl das Restless Legs Syndrom nach der Migräne die zweithäufigste neurologische Erkrankung ist, ist es bis heute weitgehend unbekannt und rätselhaft. Denn woher die unheimlichen Beinbewegungen letztlich kommen, kann noch niemand schlüssig beantworten. Nach wie vor ist unklar, ob das RLS eine Systemerkrankung ist, bei der das Gehirn mit dem Rückenmark und den Beinen zusammenwirkt, oder ob die Ursache allein im Gehirn liegt. Klar ist nur, dass es sich um eine Störung des Botenstoffwechsels handelt. Entweder wird der Botenstoff Dopamin im Gehirn nicht ausreichend produziert oder vom Nervensystem nicht richtig verwertet. Ist der Dopaminstoffwechsel gestört, werden Bewegungsimpulse nicht normal an die Muskeln weitergeleitet. Das RLS kann in Schüben verlaufen, bei denen sich die Beschwerden verschlimmern, manchmal sogar die Arme zucken lassen. Es gibt auch einige andere Krankheiten, die sich durch zappelnde Beine bemerkbar machen können, zum Beispiel eine Polyneuropathie, eine Nierenschwäche oder ein gestörter Eisenspiegel im Blut.

RLS-Diagnose ist schwierig

Oft wird ein RLS lange übersehen und erst spät erkannt, denn es ist nicht zu sehen oder zu messen. Auch gibt es keine Laborwerte oder Röntgenbefunde, die darauf hinweisen. Dass einige Patienten auch über Schmerzen klagen, führt die Ärzte oft auf die falsche Spur. Sie denken dann nicht an ein RLS, sondern an eine Durchblutungsstörung in den Beinen oder einen Bandscheibenvorfall.

Fünf Kriterien weisen auf ein RLS hin:

  • Bewegungsdrang
  • Missempfindungen
  • Verschlechterung in Ruheposition
  • Besserung durch Bewegung
  • Zirkadianer Rhythmus (Symptome sind abends stärker ausgeprägt als tagsüber)

L-Dopa-Test kann Erkrankung nachweisen

Mit dem sogenannten L-Dopa-Test kann der Arzt feststellen, ob tatsächlich ein RLS vorliegt: Führt eine L-Dopa-Dosis von 100 Milligramm zu einer prompten Besserung der Beschwerden, ist die Erkrankung gesichert. Bei unklarer Vorgeschichte und erfolglosem L-Dopa-Test (häufig bei Kindern und Jugendlichen) ist eine Untersuchung im Schlaflabor sinnvoll. Hier lassen sich die zuckenden Beinbewegungen aufzeichnen.

Therapie mit Medikamenten

Bei den meisten RLS-Patienten lässt sich der Dopaminmangel für eine gewisse Zeit mit niedrig dosierten Parkinson-Medikamenten wie L-Dopa (Madopar®, Restex®) und Dopaminagonisten (zum Beispiel Requip®, Sifrol®) ausgleichen. Doch oft gewöhnt sich der Körper mit der Zeit an die Medikamente, das Zappeln wird wieder schlimmer. In einigen Fällen muss dann die Dosis immer weiter erhöht (Augmentation) und das Präparat hin und wieder gewechselt werden. Das gilt besonders für die L-Dopa-Präparate, weshalb Experten inzwischen eher zur Behandlung mit Dopaminagonisten raten. Diese Präparate haben allerdings ungewöhnliche Nebenwirkungen: Nicht selten verfallen die Patienten unter dieser Therapie in einen Kaufrausch oder eine Spielsucht, denen sie bewusst begegnen müssen.

Eisenmangel häufige Begleiterscheinung

Häufig tritt parallel zum RLS ein Eisenmangel auf, der die Augmentation fördert und daher überwacht und behandelt werden muss, ebenso wie eine eventuelle auftretende Nierenfunktionsstörung. Wer die Tabletten nicht verträgt oder nicht damit zurechtkommt, kann auch auf Dopaminpflaster ausweichen. Wirken diese Medikamente nicht mehr ausreichend, können auch Opiate oder Antiepileptika helfen.

Diese Medikamente werden bei der RLS-Therapie eingesetzt:

  • L-Dopa
  • Dopaminagonisten
  • Dopaminpflaster
  • Eisenpräparate
  • Antiepileptika
  • Opiate

Behandlung in der Kältekammer wird erprobt

Noch in der Versuchsphase ist die Behandlung in der Kältekammer: Dabei setzen sich die Patienten für drei Minuten einer extremen Temperatur von minus 60 Grad Celsius aus. Studiendaten zeigen, dass zehn Anwendungen noch zwei Wochen danach Linderung bringen. In vielen Fällen lässt das Zucken daraufhin nach und die Patienten haben einen ruhigeren Schlaf. Geeignete Kältekammern gibt es in vielen Rheumazentren.

Diese Maßnahmen können die Therapie unterstützen:

  • Kälte
  • Beinmassagen
  • Ablenkung
  • Beschäftigung mit den Händen
  • Sportliche Betätigung (aber nicht am Abend)
  • Kaffee, Alkohol und Süßigkeiten meiden

Dieses Thema im Programm:

Visite | 12.12.2017 | 20:15 Uhr

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