Restless Legs: Hilfe gegen unruhige Beine

Stand: 11.02.2021 09:35 Uhr

Die Beine zucken, zappeln oder brennen - und das vor allem abends und nachts, wenn der Körper zur Ruhe kommt. Restless-Legs-Syndrom (RLS) bedeutet so viel wie Erkrankung der ruhe- oder rastlosen Beine.

RLS-Erkrankte können kaum ruhig sitzen, geschweige denn ruhig schlafen. Immer wenn sie Ruhe und Entspannung suchen, zum Beispiel beim Lesen oder Fernsehen, im Kino oder im Theater, treten die Beschwerden auf.

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Frauenbeine im Bett © Fotolia.de Foto: juniart

Test: Leiden Sie an Restless Legs Symptomen?

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Symptome gehen bei Bewegung zurück

Die Betroffenen beschreiben ihre Symptome und Missempfindungen meist recht unterschiedlich:

  • Sie können einseitig, beidseitig oder auch abwechselnd auf der einen oder anderen Seite auftreten.

  • Neben den Beinen können auch die Arme oder selten die Brustwand betroffen sein.

  • Typisch ist, dass die Beschwerden durch Bewegung zurückgehen.

  • Wegen ihrer vermehrten Beinbewegungen schlafen die Betroffenen nachts sehr schlecht und sind deswegen tagsüber sehr erschöpft, müde und konzentrationsschwach.

  • Oft kommt es auch zu Problemen in der Partnerschaft, depressiven Symptomen und sozialer Isolation. Nicht selten halten Ärzte die Beschwerden Schlafstörung, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung für Zeichen einer Depression und verordnen Antidepressiva. Doch die helfen den Betroffenen nicht, sondern verstärken das RLS sogar noch.

Ursache für Restless Legs Syndrom gibt Rätsel auf

Obwohl das Restless Legs Syndrom mit fast acht Millionen Betroffenen in Deutschland nach der Migräne die zweithäufigste neurologische Erkrankung ist, sind die genauen Ursachen bis heute unbekannt. Woher die Impulse in den Beinen letztlich kommen, kann noch niemand schlüssig beantworten.

Nach wie vor ist unklar, ob das RLS eine Systemerkrankung ist, bei der das Gehirn mit dem Rückenmark und den Beinen zusammenwirkt, oder ob die Ursache allein im Gehirn liegt.

Derzeit geht man davon aus, dass es sich um eine Störung des Botenstoffwechsels handelt. Entweder wird der Botenstoff Dopamin im Gehirn nicht ausreichend produziert oder vom Nervensystem nicht richtig verwertet. Ist der Dopamin-Stoffwechsel gestört, werden Bewegungsimpulse im Schlaf oder in Ruhe nicht mehr ausreichend unterdrückt und ungefiltert an die Muskeln weitergeleitet.

Der Eisenstoffwechsel spielt wahrscheinlich ebenfalls eine Rolle, denn viele Menschen mit RLS haben eine Eisenmangelanämie (Blutarmut) und Eisentabletten können die Symptome lindern.

Einer finnischen Studie zufolge ist das RLS in einer lokalen Durchblutungsstörung der Beine begründet.

Wer bereits an einer Nierenschwäche oder einer Polyneuropathie leidet, hat ein erhöhtes Risiko, gleichzeitig ein RLS zu entwickeln.

Das RLS kann in Schüben verlaufen, bei denen sich die Beschwerden verschlimmern, manchmal sogar die Arme zucken lassen.

RLS-Diagnose ist schwierig

Oft wird ein RLS lange übersehen und erst spät erkannt, denn es ist nicht zu sehen oder zu messen. Auch gibt es keine eindeutigen Laborwerte oder Röntgen-Befunde, die die Diagnose sichern. Wenn Betroffene über Missempfindungen und Schmerzen klagen, führt das die Ärzte oft auf die falsche Spur. Sie denken dann nicht an ein RLS, sondern an eine Durchblutungsstörung in den Beinen (Schaufensterkrankheit) oder einen Bandscheibenvorfall.

Fünf Kriterien weisen auf ein RLS hin:

  • Bewegungsdrang
  • Missempfindungen
  • Verschlechterung in Ruheposition
  • Besserung durch Bewegung
  • Zirkadianer Rhythmus (Symptome sind abends stärker ausgeprägt als tagsüber)

L-Dopa-Test kann Erkrankung nachweisen

Mit dem sogenannten L-Dopa-Test kann der Arzt feststellen, ob tatsächlich ein RLS vorliegt:

  • Führt eine L-Dopa-Dosis von 100 Milligramm zu einem Verschwinden der Beschwerden, ist die Erkrankung gesichert.

  • Kommt es lediglich zu einer Linderung, kann neben dem RLS noch eine zweite Erkrankung bestehen, zum Beispiel eine Polyneuropathie.

Diagnose im Schlaflabor sichern

Bei unklarer Vorgeschichte und erfolglosem L-Dopa-Test (häufig bei Kindern und Jugendlichen) ist eine Untersuchung im Schlaflabor sinnvoll. Hier lassen sich die zuckenden Beinbewegungen aufzeichnen. Dafür werden die Betroffenen komplett verkabelt: Ihre Hirnströme, jede Beinbewegung und auch die Atmung - alles wird im Schlaf aufgezeichnet und am nächsten Tag ausgewertet.

Typisch für ein RLS sind periodische Beinbewegungen, die in einem bestimmten Rhythmus auftreten und zu einem Ausschlag der Gehirnströme führen. Das zeigt, dass die spontanen Beinbewegungen das Gehirn aus dem Schlaf reißen und die wichtigen REM-Tiefschlafphasen verhindern. Obwohl die Betroffenen nicht bei jedem Zucken erwachen, ist der Schlaf nicht erholsam.

Therapie mit Medikamenten

Diese Medikamente werden bei der RLS-Therapie eingesetzt:

  • L-Dopa
  • Dopaminagonisten
  • Dopaminpflaster
  • Eisenpräparate
  • Antiepileptika
  • Opiate

Bei den meisten RLS-Patienten lässt sich der Dopaminmangel für eine gewisse Zeit mit niedrig dosierten Parkinson-Medikamenten wie L-Dopa und Dopaminagonisten ausgleichen. Doch oft gewöhnt sich der Körper mit der Zeit an die Medikamente, das Zappeln wird wieder schlimmer. In einigen Fällen muss dann die Dosis immer weiter erhöht (Augmentation) und das Präparat hin und wieder gewechselt werden. Das gilt besonders für die L-Dopa-Präparate, weshalb Experten inzwischen eher zur Behandlung mit Dopamin-Agonisten raten. Diese Präparate haben allerdings ungewöhnliche Nebenwirkungen: Nicht selten verfallen die Patienten unter dieser Therapie in einen Kaufrausch oder eine Spielsucht, denen sie bewusst begegnen müssen.

Eisenmangel häufige Begleiterscheinung

Häufig tritt parallel zum RLS ein Eisenmangel (Ferritinspiegel im Blut unter 75 Milligramm pro Liter) auf, der die Augmentation fördert und daher überwacht und behandelt werden muss, ebenso wie eine eventuell auftretende Nierenfunktionsstörung. Wer die Tabletten nicht verträgt oder nicht damit zurechtkommt, kann auch auf Dopaminpflaster ausweichen. Wirken diese Medikamente nicht mehr ausreichend, können auch Opiate oder Antiepileptika helfen.

Behandlung in der Kältekammer wird erprobt

Noch in der Versuchsphase ist die Behandlung in der Kältekammer: Dabei setzen sich die Patienten für drei Minuten einer extremen Temperatur von minus 60 Grad Celsius aus. Studiendaten zeigen, dass zehn Anwendungen noch zwei Wochen danach Linderung bringen. In vielen Fällen lässt das Zucken daraufhin nach und die Patienten haben einen ruhigeren Schlaf. Geeignete Kältekammern gibt es in vielen Rheuma-Zentren.

Diese Maßnahmen können die Therapie unterstützen:

  • Kälte
  • Beinmassagen
  • Bürstenmassage zur Verbesserung der Durchblutung (mit einer Trockenbürste unter dem Fuß beginnend über Unterschenkel, Oberschenkel immer zum Herzen hin bürsten. Das bringt Sauerstoff in die Muskeln und soll den Bewegungsdrang lindern)
  • Ablenkung
  • Beschäftigung mit den Händen
  • Sportliche Betätigung (aber nicht am Abend)
  • Kaffee, Alkohol und Süßigkeiten meiden

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 15.02.2021 | 21:00 Uhr

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