Stand: 30.12.2014 06:00 Uhr  | Archiv

Renovieren schadet der Gesundheit von Babys

von Annegret Faber

Kinder sind unsere Zukunft. Wir wollen alle, dass sie in einem gesunden und schönen Umfeld aufwachsen. Die meisten Familien renovieren deshalb ihre Wohnungen für den neuen Erdenbürger. Leipziger Wissenschaftler sagen nun: Stopp. Tun Sie das bloß nicht! Sie schaden damit Ihrem Kind. Nicht erst, wenn es auf der Welt ist - schon während der Schwangerschaft.

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Kohlenwasserstoffe wie Styrol oder Benzol sind gesundheitsschädlich für Kleinkinder. (Archivbild)

Die kleine Molina ist zwölf Wochen alt. Ihre Eltern sind vor ihrer Geburt zusammengezogen und ließen die Wohnung renovieren. "Hier im Kinderzimmer wurde Laminat verlegt und auch im Schlafzimmer, ansonsten wurde nur gemalert und wir haben eine Küche eingebaut", sagt Molinas Mama Tilla Bäcker. Die Wohnung sollte kindgerecht und schön eingerichtet sein. Zwei Drittel der Eltern machen das so.

Studie warnt vor schädlichen Chemikalien

Doch eine neue Studie warnt vor Aktionismus beim Renovieren in Haushalten mit kleinen Kindern. Dr. Ulrich Frank vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig sagt sogar: "Lieber ein bisschen schmuddelig, aber keine Ausdünstungen von diesen flüchtigen und organischen Kohlenwasserstoffen." Diese Chemikalien wie Styrol oder Benzol sind gesundheitsschädlich. In Möbeln, Teppichböden und Wandfarben verbergen sie sich. Sie können dem Kind schon während der Schwangerschaft schaden, so die Studie. 2006 startete sie. Hauptakteure sind über 600 schwangere Mütter. "Wir konnten die Gesundheit der Mütter erfassen. Wir konnten aber auch erfassen, wie die Mütter zu Hause durch bestimmte Schadstoffe belastet waren, und wir hatten die Möglichkeit Nabelschnurblut zu sammeln, was natürlich interessant ist für viele medizinische Laboruntersuchungen", erklärt Frank.

Wohnungen wurden genau inspiziert

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Wissenschaftler raten davon ab, Wohnungen zu renovieren, wenn ein Baby unterwegs oder auf die Welt gekommen ist. (Archivbild)

Neben medizinischen Untersuchungen wurden auch die Wohnungen der Paare genau inspiziert. Neue Wandfarbe? Fabrikneue Möbel? Teppich verklebt oder nicht verklebt? Laminat oder neuer PVC-Belag? Die Forscher machten Messungen und sammelten Daten. Die Leiterin des Departments Umweltimmunologie am Helmholtz-Zentrum, Dr. Ingrid Lehmann, bekam nun alarmierende Ergebnisse. "Wir haben in unserer Studie gesehen, dass Fußböden offensichtlich immer ein besonderes Risiko vermitteln bei kleinen Kindern. Wir haben herausgefunden, dass sich das Immunsystem verändert bei den Neugeborenen. Atemwegserkrankungen - wie diese pfeifende Atmung - treten häufiger auf in den ersten Lebensjahren, wenn Fußböden großflächig verlegt und verklebt worden sind", erklärt Lehmann.

Das Risiko, im ersten Lebensjahr eine Atmenwegserkrankung zu bekommen, ist etwa fünf Mal höher als bei Kindern, in deren Wohnungen kein neuer Fußbodenbelag verlegt wurde, so die Studie. Und noch mehr: Das pfeifende Atmen ist bei einem Drittel der Kinder ein Vorstadium für Asthma - eine Krankheit, die ein Leben grundlegend verändert. Verblüffend für die Forscher war, dass Wandfarben kaum eine Rolle spielen. "Es hat uns erstaunt, weil wir in anderen Studien zeigen konnten, dass es einen besonderen Einfluss hat, wenn Wände gestrichen werden. Das konnten wir hier nicht zeigen", betont Frank.

Die Hersteller von Wandfarben verwenden weniger schädliche Stoffe als noch vor zehn Jahren, resümieren die Forscher. Bei neuen Möbeln sei es sehr unterschiedlich. Manche seien belastet, andere gar nicht. Nach wie vor gesundheitsschädlich hingegen sind Fußbodenbeläge wie PVC und Laminat. Lehmann: "Wir haben in unserer Studie gesehen, dass die neugeborenen Kinder, deren Eltern während der Schwangerschaft PVC-Böden verlegt oder verklebt haben, schon mit einem anderen Immunsystem auf die Welt kommen. Die zeigen schon eine Neigung einer allergischen Reaktionsfähigkeit."

Einfluss in der Schwangerschaft noch größer

Der Einfluss auf die Gesundheit des Babys sei während der Schwangerschaft sogar noch stärker als nach der Geburt. Umso älter die Kinder werden, umso stärker schaltet sich das Immunsystem ein und leistet Schadensbegrenzung. Nicht so bei Heranwachsenden im Bauch der Mutter. "Wir sehen deutliche und drastische Effekte durch das Fußbodenverlegen im Nabelschnurblut der gesunden neugeborenen Kinder und wir sehen gar nichts bei den Müttern, obwohl diese in der Wohnung wohnen und das dann eingeatmet haben", sagt Lehmann.

Vor der Geburt von Molina hatten ihre Eltern noch darüber nachgedacht, das Wohnzimmer mit Laminat auszulegen. Nun sind sie froh, dass sie es nicht getan haben. 

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NDR Info | 30.12.2014 | 06:00 Uhr

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