Stand: 26.06.2020 09:27 Uhr

Was tun, wenn Kindern im Auto übel wird?

von Thomas Samboll, NDR Info
Kind sitzt mit Teddy im Arm im Auto und hält sich die Hand vor den Mund. © Fotolia.com Foto:  Daniel Jędzura
Das Gehirn von Kindern kann die Sinneseindrücke im Auto häufig nicht richtig einordnen.

Viele Eltern kennen das: Kaum sitzt die Familie im Auto und freut sich auf den Urlaub, kommt Alarm von der Rückbank - dem Nachwuchs ist schlecht. Das ist nichts Ungewöhnliches, sagen Mediziner. Gerade jüngere Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren leiden häufig an der sogenannten Kinetose, der Reisekrankheit. Viele müssen sich dann auch übergeben.

Gehirn kann Sinneseindrücke nicht verarbeiten

Das Gehirn von Kindern kann die verschiedenen Sinneseindrücke noch nicht richtig verarbeiten. Die Augen melden etwas Stehendes, Unbewegliches, etwa den Innenraum eines Autos oder Flugzeugs. Ganz andere Infos sendet das Gleichgewichtsorgan im Innenohr: Es nimmt Schwankungen und Erschütterungen wahr, also Bewegung. Damit kommt der Körper nicht klar. Als Schutzreaktion aktiviert er das Brechzentrum im Gehirn. Die Folge: Dem Kind wird übel, so als ob es gerade etwas Schlechtes gegessen hätte. Meist verliert sich dieser Effekt, bei einigen Menschen hält er aber bis ins Erwachsenenalter an.

Kinetose: Kauen und Ablenkung helfen gegen Übelkeit

Um der Übelkeit bei Kinetose vorzubeugen, empfehlen Mediziner verschiedene Maßnahmen. Besonders bewährt haben sich Ablenkungsmanöver, die das Kind animieren, möglichst viel nach draußen zu schauen. Dann melden auch die Augen dem Gehirn Bewegung und der Brechreiz nimmt ab. Auch Kauen vermindert die Symptome, etwa Kaugummi oder Obst und Gemüse. Außerdem sollten die Kinder in Fahrtrichtung sitzen, nicht lesen und keine elektronischen Geräte benutzen. Frische Luft ohne unangenehme Gerüche tragen zum Wohlbefinden bei Reisekrankheit bei.

Reisekrankheit: Richtige Platzwahl und Akupressur

Wem schnell schlecht wird, der sollte im Auto oder Bus möglichst vorne sitzen. Das gilt auch für Kinder. Dort müssen sie fast zwangsläufig nach draußen gucken. Top-Plätze im Flugzeug sind auf Höhe der Tragflächen, weil es dort am wenigsten wackelt. Auch Akupressur kann helfen. Der Punkt, der in diesem Fall bearbeitet werden sollte, sitzt am Unterarm, etwa drei Finger breit über der Handgelenksfalte zwischen Elle und Speiche. Dort kann man mit dem Daumen drücken. Gegen Reisekrankheit gibt es auch spezielle Armbänder mit einer Plastik-Halbkugel.

Naturheilmittel oder konventionelle Medikamente?

Naturheilkundler empfehlen homöopathische Mittel wie beispielsweise "Cocculus"-Kügelchen. Die Wirkung solcher Präparate ist aber umstritten. Wer lieber auf pflanzliche Wirkstoffe gegen die Übelkeit setzt, kann Ingwer ausprobieren. Außerdem gibt es spezielle Tabletten, Zäpfchen, Kaugummis und Pflaster, die sogenannte Antihistaminika enthalten. Sie lindern den Brechreiz, können aber Nebenwirkungen wie Schwindelgefühl, Mundtrockenheit und erhöhten Herzschlag verursachen. Eltern sollten deshalb vor der Anwendung solcher Medikamente den Kinderarzt fragen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Radio-Visite | 27.06.2018 | 09:20 Uhr

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