Stand: 21.08.2018 14:11 Uhr  | Archiv

Was bei Schizophrenie hilft

Schizophrenie © picture alliance / dpa Foto: Christian Charisius
Für Psychosen wie Schizophrenie gibt es derzeit keine eindeutigen wissenschaftlichen Erklärungen.

Psychische Störungen, bei denen die Realität verändert wahrgenommen wird, nennt man Psychosen. Die Schizophrenie ist die häufigste Form. Im Laufe seines Lebens erleidet jeder hundertste Mensch eine psychotische Attacke. Neben dem Realitätsverlust kann es zu Wahnvorstellungen und Denkstörungen kommen. Gleichzeitig ist das Gefühlsleben beeinträchtigt. Das Verhalten erscheint der Umgebung plötzlich unsinnig, wobei die Intelligenz unverändert ist.

Psychose: Was passiert bei Schizophrenie?

Eine psychotische Attacke ist für Betroffene eine große Belastung, weil ihnen plötzlich nichts mehr sicher erscheint. Sie denken, sie könnten sich nicht mehr auf ihre Wahrnehmung oder auf andere Menschen verlassen - alles wirkt verwirrend. Doch was genau bei der Schizophrenie im Gehirn passiert, ist weiterhin ein Rätsel.

Eine mögliche Erklärung ist die sogenannte Dopamin-Hypothese: Demnach kommt es im Gehirn zu einem Überschuss des Botenstoffs Dopamin und dadurch zu einer verfälschten Reizübertragung in den Synapsen der Nervenzellen. Die Folge ist eine Art Reizüberflutung: Plötzlich werden Stimmen gehört, wo keine sind, Gedanken und Bilder intensiver und absurder wahrgenommen.

Schizophrenie behandeln: Ansätze für Therapien

Antipsychotisch wirkende Medikamente schwächen die Intensität der Sinneswahrnehmungen. Sie müssen dauerhaft eingenommen werden, um weitere psychotische Attacken verhindern zu können. Neben den Medikamenten gehören Psycho- und Sozialtherapien zum Behandlungsprogramm. Ziel ist es, den Betroffenen ein normales Leben zu ermöglichen. Denn vor allem die soziale Integration ist für Menschen mit einer Schizophrenie entscheidend: Ein stabiles Umfeld hilft ihnen, auch innerlich stabil zu bleiben.

Herausforderung für das Umfeld des Betroffenen

Schizophrenie macht Betroffenen Angst: Viele ziehen sich zurück und bleiben in ihrer Wohnung. Dabei bräuchten sie Menschen, die zu ihnen kommen und sich um sie kümmern. Doch die soziale Integration gestaltet sich oft schwierig: Viele Menschen können mit psychisch Kranken nicht umgehen. Sie haben Angst, wenn sie Psychose oder Schizophrenie hören, und gehen auf Abstand. Studien zeigen, dass in den 1990er-Jahren jeder Fünfte den Kontakt zu Menschen mit Schizophrenie ablehnte. 20 Jahre später wollten sogar 31 Prozent mit Schizophrenen nichts zu tun haben. Anti-Stigma-Kampagnen sollen helfen, Vorurteile und Ängste abzubauen.

Weitere Informationen
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Experten zum Thema

Prof. Dr. Georg Schomerus, stellvertretender Direktor
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie
Universitätsmedizin Greifswald
Ellernholzstraße 1-2, 17475 Greifswald
www.medizin.uni-greifswald.de/psych

Weitere Informationen
Anti Stigma Kampagne M-V
Landesverband Sozialpsychiatrie M-V e.V.
Doberaner Straße 47, 18057 Rostock
www.antistigma-mv.de

Thomas Greve, Betroffener und Buchautor
blog.tgsoft-hro.de

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Visite | 21.08.2018 | 20:15 Uhr

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