Stand: 04.03.2019 18:22 Uhr

Wenn Knochenbrüche schlecht heilen

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Wenn Knochenbrüche nicht heilen, liegt eine Pseudoarthrose vor.

Einmal ausgerutscht, gestolpert und unglücklich gefallen - schnell können bei einem Sturz Knochen brechen. Das ist zwar äußerst schmerzhaft und unangenehm, doch Knochen haben sehr gute Regenerationseigenschaften und stellen für die moderne Medizin in der Regel kein Problem dar.

Anders sieht es aus, wenn der Knochen einfach nicht heilen will. Ärzte sprechen hier von einer sogenannten Pseudoarthrose, die sich beim Heilungsprozess nach etwa drei Monaten zeigt. Hat sich bis dahin nicht genug neues Knochengewebe zwischen Rissen oder Bruchstellen gebildet, sind weitere Maßnahmen erforderlich.

Eine Digitale aufnahme von einem gebrochenen Knochen.

Wenn Knochenbrüche schlecht heilen

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Bei etwa jedem fünften Patienten heilen Knochenbrüche nur sehr langsam oder gar nicht. Was steckt hinter der sogenannten Pseudoarthrose und wie wird behandelt?

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Mangel an Vitamin D und Kalzium kann Heilung beeinträchtigen

Eine der einfachsten Behandlungsmöglichkeiten wird leider häufig übersehen: Liegt nämlich ein Mangel an Vitamin D und Kalzium vor, lässt sich dieser durch eine einfache Aufbautherapie ausgleichen, und der Knochen kann zum Heilen gebracht werden. Auch eine spezielle Physiotherapie, die mehr Druck auf den Knochen ausübt, kann den gewünschten Erfolg erzielen. Dabei werden Knochenzellen durch den zusätzlichen Druck zum Wachstum angeregt, sodass sich die erwünschte Knochensubstanz bildet.

Im Gespräch
04:23
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Was hilft bei Pseudoarthrose?

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Was steckt hinter der sogenannten Pseudoarthrose und wie wird behandelt? Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Ralf Oheim informiert. Video (04:23 min)

Hilft auch das nicht, bleibt meist nur eine Operation, bei der - je nach vorheriger Behandlung - verschiedene Techniken zum Einsatz kommen können. Wurden in einer vorhergehenden Operation bereits Fixierungsschrauben eingesetzt, kann es reichen, an diesen zu drehen, um den Knochen zu stimulieren. Bei der sogenannten Spongiosa-Plastik hingegen wird eigenes Knochengewebe aus dem Beckenkamm in die betroffenen Stellen implantiert. Auch körpereigene Wachstumsstoffe aus dem Blutplasma können helfen.

Bluttest könnte bald Pseudoarthrose vorhersehen

In Zukunft könnten Betroffenen diese Eingriffe vielleicht sogar erspart bleiben: Wissenschaftler der Berliner Charité haben einen Bluttest entwickelt, der das Potenzial hat, künftig die Entstehung von Pseudoarthrosen vorauszusagen. Gelingt dies, kann man bei Risiko-Patienten nach einem Knochenbruch schon während der ersten OP entsprechende Maßnahmen ergreifen und so die Zeit der Heilung um Monate verkürzen.

Experten zum Thema

PD Dr. Ralf Oheim
Orthopäde und Unfallchirurg
Zentrum für Experimentelle Medizin am Institut für Osteologie und Biomechanik
Universitätsklinikum Hamburg
Martinistraße 52
20246 Hamburg
(040) 741 05 71 52
www.uke.de
und
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Campuszentrum Lübeck
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Sektion für Unfallchirurgie
Ratzeburger Allee 160, Haus 40
23538 Lübeck
(0451) 500 26 42
www.uksh.de

Prof. Andreas Paech
Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Leiter der Sektion für Unfallchirurgie
Campuszentrum Lübeck
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Sektion für Unfallchirurgie
Ratzeburger Allee 160, Haus 40
23538 Lübeck
(0451) 500 26 42
www.uksh.de

Prof. Michael Amling
Osteologe
Institut für Osteologie und Biomechanik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Lottestraße 59
22529 Hamburg
(040) 741 05 63 73
www.iobm.de

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