Stand: 11.06.2019 11:05 Uhr

Phagentherapie: Bakterien mit Viren bekämpfen

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Phagen sind spezielle Viren, die Bakterien zerstören können.

Immer mehr Bakterien werden resistent gegen Antibiotika, die jahrelang gut gewirkt haben. Im Kampf gegen solche multiresistenten Keime setzen Ärzte in den früheren Ostblockstaaten schon lange erfolgreich auf Viren, sogenannte Bakteriophagen. Auch in Deutschland gewinnt die Forschung an Bedeutung.

Phagen bringen Viren zum Platzen

Phagen zerstören Bakterien - es sind unterschiedliche Viren, die jeweils auf ein bestimmtes Bakterium spezialisiert sind. Trifft ein Phage auf "sein" Bakterium, heftet er sich an dessen Zellwand und injiziert seine DNS. Auf Befehl der Phagen-DNS produzieren die Bakterienzellen neue Phagen. Schließlich sind so viele dieser speziellen Viren im Bakterium, dass es platzt und die neuen Phagen freisetzt. Die wiederum greifen andere Bakterien an - bis schließlich alle Bakterien zerstört sind. Dann verschwinden auch die Viren, denn sie haben keinen Wirt mehr.

Um Phagen gegen eine Infektion einzusetzen, werden zunächst die beteiligten Bakterien identifiziert und vermehrt, um sie anschließend mit verschiedenen Phagen zu konfrontieren. Greift einer dieser Phagen die Bakterien im Labor an, wird er in das infizierte Gewebe injiziert.

Forscher filtern Phagen aus dem Wasser

Phagen tummeln sich überall, wo Bakterien sind: in der Umwelt, auf unserem Körper und vor allem in Abwässern. Um Phagen zu isolieren, wird das Wasser gefiltert. Anschließend werden sie vermehrt und ihre Wirksamkeit gegen Bakterien erprobt.

Um die Viren auch als Medikament zu nutzen, müssen sie in Studien getestet werden. Da es viele multiresistente Bakterien gibt und jeder Phage nur gegen ein bestimmtes Bakterium wirkt, sind viele teure und aufwendige Studien erforderlich.

Phagentherapie in Deutschland noch selten

Das Leibniz-Institut in Braunschweig hat die größte Phagensammlung in Deutschland zusammengetragen. Aktuell lagern dort bereits 673 Phagen zu Forschungszwecken. In Deutschland wird die Phagentherapie bisher nur in Ausnahmefällen eingesetzt - als individueller Heilversuch, wenn alle anderen Maßnahmen versagt haben. Erkrankte tragen dabei die Kosten und der Arzt das Risiko, nicht zugelassene Medikamente einzusetzen.

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Experten zum Thema

Dr. Evgenii Rubalskii, Gastarzt
Priv.-Doz. Dr. Christian Kühn, Oberarzt
Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie (HTTG)
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
www.mh-hannover.de

Dr. Christine Rohde, Mikrobiologin
Leibniz-Institut DSMZ - Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Inhoffenstraße 7b
38124 Braunschweig
www.dsmz.de

Weitere Informationen
Informationen zum Einsatz von Bakteriophagen
www.dsmz.de

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Visite | 11.06.2019 | 20:15 Uhr

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