Stand: 18.10.2019 17:30 Uhr

Was tun, wenn Eltern zum Pflegefall werden?

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Reinhard Leopold kämpft für die Rechte pflegender Angehöriger.

Manche Pflegefälle treten von heute auf morgen ein. Andere sind im Vorwege absehbar. Die meisten Kinder sind jedoch auch nicht darauf vorbereitet, wenn ihre alten Eltern pflegebedürftig werden. Welche Vorbereitungen kann jeder von uns, für sich selbst und für Angehörige treffen? Wie lässt sich etwa für die alten Eltern ein gutes Heim finden? Was bedeutet es, selbst zu pflegen? Reinhard Leopold von der Angehörigen-Initiative "Heim-Mitwirkung" und Regionalbeauftragter der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen e.V. (BIVA) gibt nützliche und umfassende Tipps zum Thema.

Was tun, wenn klar ist, dass ein Angehöriger Pflege braucht?

Ein erster wichtiger Schritt ist die Informationsbeschaffung. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet mit dem Pflegetelefon schnelle Hilfe und Orientierung. Die Expertinnen und Experten des Pflegetelefons beraten unter anderem folgende Fragen:

  • Wie wird Pflege organisiert?
  • Welche Einrichtungen und Dienste gibt es?
  • Welche Kosten entstehen? Wie funktioniert die Familienpflegezeit?
  • Wer hilft mir, wenn ich nicht mehr kann?

Das Pflegetelefon ist von Montag bis Donnerstag zwischen 9 und 18 Uhr unter der Rufnummer (030) 201 791 31 und per E-Mail an info@wege-zur-pflege.de zu erreichen. Steht ein Internetzugang zur Verfügung, sollte man sich zunächst im Angebot des Gesundheitsministeriums sowie auf dem Informationsportal wege-zur-pflege.de des Familienministeriums zum Thema informieren. Auf einer Linkliste des Portals finden sich auch Adressen für diverse Beratungsstellen, die bei der Suche nach einem Heim helfen. Persönliche Beratung können gesetzlich Krankenversicherte bei den Pflegestützpunkten der einzelnen Bundesländerbekommen.

Wer berät privat Krankenversicherte?

Für privat Krankenversicherte bietet die "COMPASS Private Pflegeberatung" (Tochterunternehmen des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V.) eine bundesweit kostenfreie Telefonberatung unter der Telefonnummer (0800) 101 88 00 montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr. Das "Zentrum für Qualität in der Pflege" ermöglicht über eine Suchmaschine unter anderem Pflegestützpunkte und andere regionale Sozialberatungstellen zu finden. Ein nach eigenen Angaben unabhängiges und kostenloses Informationsportal ist der "Pflegelotse". Der Verband der Ersatzkassen vdek bietet dort die Suche nach einer geeigneten Pflegeeinrichtung im gesamten Bundesgebiet und Infos über Qualität, Lage und Kosten der Anbieter.

Die Wohn- und Betreuungsaufsicht der Städte und Gemeinden (ehemals "Heim-Aufsicht") hat Informationen über die verschiedenen Wohn- und Betreuungseinrichtungen vor Ort. Eine Info-Sammlung zur Heim-Suche bieten wir zudem bei unserer Angehörigen-Initiative "Heim-Mitwirkung".

Das richtige Pflegeheim finden: Worauf sollte man bei der Besichtigung von Wohneinrichtungen achten?

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Bei der Heimplatzsuche lässt sich die Besichtigung vor Ort durch nichts ersetzen.

Jeder Mensch sollte sich unbedingt sein eigenes Bild von mehreren Pflege-Einrichtungen machen, die eventuell infrage kommen. Erfolgen die Besuche zu Essenszeiten, kann man auch sehen, wie mit Bewohnern umgegangen wird, die beim Essen unterstützt werden müssen. Zudem gibt es eine ganze Reihe von "Checklisten", die detailliert auflisten, worauf man achten sollte. Die "Weisse Liste" der Bertelsmann-Stiftung bietet neben Informationen zur Heimplatz-Suche eine Checkliste mit wichtigen Fragen, die geklärt werden sollten. Das wichtigste Kriterium aber ist Menschenwürde in der Pflege - das gilt für Pflegebedürftige ebenso wie für die Pflegekräfte!

Links

"Bei den Kosten verschätzt man sich wahnsinnig"

NDR Autor Hauke Wendler im Interview bei DRadio Kultur zur Doku "Kostenfalle Pflege" (07.04.2014) extern

Zur Beurteilung sollten alle Sinne sensibilisiert und genutzt werden: 

  • Wie riecht es in der Einrichtung?
  • Welchen Eindruck machen die Bewohner? Wirken sie munter und aufmerksam oder eher lethargisch und vor sich hindämmernd?
  • Ist es überall sauber und macht es insgesamt einen "ordentlichen" Eindruck?
  • Werden viele verschiedene Aktivitäten (auch am Wochenende?) angeboten?
  • Hängt ein aktueller, gut lesbarer Essensplan aus?
  • Wirken die Pflegekräfte gehetzt, gestresst, missgelaunt, unmotiviert oder freundlich, nett, zuvorkommend und umsichtig?

Welche Fragen sollten Angehörige dem Pflegeheim-Personal und den Bewohnern stellen?

Fragen an das Personal:  

  • Arbeiten Sie schon lange und gerne hier - und warum?
  • Gibt es genügend Personal?
  • Wie viel Stammpersonal und wie viele Leihkräfte werden eingesetzt?
  • Gibt es eine hohe oder kaum Mitarbeiterfluktuation (insbesondere bei Führungskräften)?
  • Gibt es regelmäßigen Info-Austausch mit Angehörigen und Betreuern?
  • Gibt es ein gut funktionierendes Beschwerdesystem?
  • Wie viele Beschwerden gibt es aktuell - und wie sehen Lösungen aus (Beispiele)?

Fragen an Bewohner/Angehörige:

  • Sind Sie zufrieden oder unzufrieden?
  • Was gefällt Ihnen gut und was missfällt Ihnen?
  • Wie geht man mit Beschwerden um und werden sie schnell beseitigt?
  • Gibt es ein Angehörigen-/Betreuer-Gremium, das sich gegebenenfalls außerhalb der Pflegeeinrichtung auf "neutralem" Boden trifft?
  • Gibt es ausreichend zu trinken und schmackhaftes Essen (Menge, Auswahl, Begleitung)?
  • Gibt es eine funktionierende Interessensvertretung der Bewohner (etwa einen Bewohner- oder Angehörigen-Beirat)?

Pflege zu Hause: Worauf sollten sich Kinder einstellen, die die Pflege ihrer Eltern selbst übernehmen wollen?

Das ist pauschal schlecht zu beantworten. Pflegebedürftigkeit kann plötzlich oder langsam und schleichend entstehen. Die Versorgung kann krankheits- oder unfallbedingt sehr verschieden sein. Wichtig ist, sich möglichst frühzeitig zu informieren.

Welche Hilfen gibt es für pflegende Angehörige?

Das kann regional sehr verschieden sein. Das Bundesministerium informiert über die gesetzlichen Unterstützungsprogramme. Kommunen, Städte und Gemeinden informieren in den Ämtern und Behörden ratsuchende Angehörige.

Eine erste Anlaufstelle kann auch für Angehörige ein Pflegestützpunkt sein, wo viele Fragen beantwortet werden und Hilfe bei notwendigen Antragstellungen gegeben wird. Soziale Einrichtungen und Institutionen (etwa AWO, Caritas, Diakonie, DRK, der Paritätische) bieten auf zentralen Internetplatformen Informationen zum Thema Pflege, während Diakonie und der Paritätische dezentral regionale Infos im Web anbieten und Kirchengemeinden helfen mit Rat und Tat weiter.

Selbsthilfe-Netzwerke bieten außerdem regelmäßigen Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Eine zentrale Anlaufstelle ist die "NAKOS" - Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen. Dort findet man Adressen, Informationen auch speziell über Selbsthilfe und Pflege.

Welche Unterstützung gibt es beim altersgerechten Umbau der eigenen Immobilie?

UMFRAGE
Mögliche Antworten

Wo möchten Sie im Alter wohnen?

Es gibt staatliche Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Banken und Sparkassen informieren und beraten dazu entsprechend. Weitere Programme gibt es teilweise von den Kommunen und Ländern. Beispiele sind die soziale Wohnraumförderung in Rheinland-Pfalz oder das Bayerische Wohnungsbauprogramm für Menschen mit Behinderung. Wer pflegebedürftig ist, kann unter Umständen für den bedarfsgerechten Umbau Geld von seiner Pflegekasse erhalten. Manchmal geben auch Reha- und Sozialversicherungsträger Geld dazu.

Altersgerechtes Wohnen: Schon planen, wenn die Eltern noch rüstig sind?

Die Antwort ist einfach: Je früher man sich mit dem Thema einer eventuellen Pflegebedürftigkeit beschäftigt, desto gründlicher und entspannter kann man sich vorbereiten, in Ruhe alle notwendigen Entscheidungen treffen. Pflegebedürftig kann ein Mensch jederzeit werden, das hat nicht unbedingt etwas mit Alter zu tun.

Altersgerechte Wohnung: Kann es sinnvoll sein, frühzeitig aus der eigenen Wohnung auszuziehen?

Wenn zu vermuten oder gar absehbar ist, dass ich Hilfe und Unterstützung benötigen werde, kann es durchaus sinnvoll sein. Dann kann man sich vielleicht leichter an eine neue Umgebung und an andere Menschen gewöhnen.

Viele Menschen haben verständliche Hemmungen, über das Thema Pflege zu sprechen. Wie kann so ein Gespräch gelingen?

Am leichtesten ist das Thema Pflege anzusprechen, wenn es einen aktuellen Anlass oder Bezug gibt. Das kann ein Bericht in den Medien oder eine Begebenheit im Verwandten - oder Bekanntenkreis sein. Dann fällt es leichter die Frage nach den individuellen Wünschen zu stellen. Ein guter Ansatz ist auch, die eigenen Vorstellungen zu präsentieren und dann zu fragen, wie sich die andere Person die Situation für sich selbst vorstellt.

Wie wichtig ist es eine Vorsorgevollmacht aufzusetzen?

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Möglichst frühzeitig, also vor Eintritt einer Pflege-Situation, sollte jeder Mensch mit einer Patientenverfügung und auch einer General- oder Vorsorgevollmacht seinen eigenen Willen bekunden. Wie schon gesagt: Pflegebedürftig kann man zu jeder Zeit, in jedem Alter werden! Habe ich einen Angehörigen oder eine andere Vertrauensperson bevollmächtigt, kann sie für mich stellvertretend handeln.

In welchem Umfang das geschehen soll, kann ich den persönlichen Wünschen entsprechend festlegen. Da es viele verschiedene Musterformulare und andere Vorlagen gibt, ist es unter Umständen gut, sich beraten zu lassen. Hierbei helfen beispielsweise die Verbraucherzentralen und Betreuungsvereine.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Visite | 19.10.2019 | 20:15 Uhr

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