Parodontitis: Symptome, Behandlung, Vorbeugung

Stand: 24.10.2022 12:22 Uhr

Parodontitis ("Parodontose") ist nicht nur eine Gefahr für die Zähne. Die chronische Zahnbettentzündung ist auch ein Risikofaktor z.B. für Herzerkrankungen und Diabetes. So lässt sich Parodontitis behandeln.

Fast jeder zweite Mensch in Deutschland leidet im Laufe seines Lebens unter einer mehr oder weniger ausgeprägten Zahnbettentzündung. Der Fachbegriff ist Parodontitis, umgangssprachlich wird die Erkrankung auch Parodontose genannt. Typische Symptome einer Parodontitis sind rötlich bis bläulich verfärbtes Zahnfleisch und Zahnfleischbluten.

Da eine Parodontitis im Frühstadium aber nicht weh tut, bleibt sie ohne den jährlichen Check beim Zahnarzt leicht unentdeckt.

 

VIDEO: Parodontose: Wie wird die Diagnose gestellt und wie wird behandelt? (4 Min)

So entsteht Parodontitis

Siedeln sich Bakterien aus der Mundhöhle auf rauen Zahnbelägen aus Nahrungsresten und Speichelbestandteilen an, scheiden sie Säuren und Giftstoffe aus. Diese können eine fortschreitende Zahnfleischentzündung auslösen bis hin zur Entzündung des gesamten Zahnbettes mit einem im Röntgenbild sichtbaren Knochenabbau um den Zahn. Bei einer Parodontitis bilden sich tiefe Taschen am Zahnfleischrand, in denen Nahrungsreste hängen bleiben. Bakterien können sich in den Taschen optimal vermehren.

Inzwischen ist bekannt, dass es auch eine genetische Vorbelastung, also eine erbliche Veranlagung für Parodontitis gibt, die bis zu 50 Prozent des Risikos ausmacht. Insbesondere bei jüngeren Betroffenen ist davon auszugehen, dass die erbliche Veranlagung bei ihnen eine Rolle spielt.

Bakterien verteilen sich im Körper

Eine Parodontitis gefährdet nicht nur Zahnfleisch und Zähne. Sie gilt auch als Risikofaktor für Herzerkrankungen, Schlaganfall, Gefäßverschlüsse, Alzheimer, Parkinson, Rheuma und Diabetes:

  • Eine Parodontitis beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit und führt zu erhöhten Entzündungswerten im Blut.
  • Durch die chronische Entzündung schwindet der Knochen und das Zahnfleisch zieht sich zurück, sodass die empfindlichen Zahnhälse freiliegen und Zähne wackeln.
  • Bakterien können in die Blutbahn gelangen, Entzündungsstoffe im Körper verteilen und dadurch Schäden an Organen und Geweben verursachen. Sie können auch den Übertritt von Zuckermolekülen aus der Blutbahn in die Zellen behindern und so den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen.
  • Auch der Blutdruck kann infolge einer Parodontitis ansteigen.

Risikofaktoren für Parodontitis

Zu den Risikofaktoren für Parodontitis zählen:

  • schlechte Zahnpflege
  • Zahnstein
  • falsche Ernährung
  • Rauchen
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes

Diagnose der Parodontitis

Die Zahnärztin oder der Zahnarzt kann ohne großen Aufwand bei der Routineuntersuchung den Grad einer möglichen Zahnbettentzündung ermitteln. Mit einer Spezialsonde lassen sich vorsichtig die Tiefe der einzelnen Zahnfleischtaschen ausmessen und die Blutungsneigung bestimmen. Die Ergebnisse werden in einem Index zusammengefasst, dem PSI (Parodontaler Screening-Index).

Es gibt vier Stufen. Bei PSI 1 und 2 liegt die Taschentiefe unter 3,5 Millimeter, bei PSI kommen aber Zahnstein oder Beläge dazu, die gefährlich werden können. Bei einem PSI 3 besteht der Verdacht auf eine leichte bis mittelschwere Parodontitis, die Taschentiefen liegen zwischen 3,5 und 5,5 Millimeter. PSI 4 bedeutet eine mittelschwere bis schwere Parodontitis mit Taschentiefen über 5,5 Millimeter.

Ernährungsumstellung auf antientzündliche, zuckerarme Kost

Zur Ursachenbekämpfung bei Parodontitis gehört neben besserer Mundhygiene auch die Umstellung auf eine ausgewogene, antientzündliche Ernährung. Besteht bereits ein Diabetes, dann ist auf eine gute Einstellung des Blutzuckers zu achten. Hier hilft die Orientierung am Logi-Prinzip: Kohlenhydrate sind deutlich zu reduzieren, insbesondere Zucker - auch versteckter Zucker in industriell hergestellten Lebensmitteln - und helles Mehl.

Die richtige Ernährung beugt Parodontitis vor und ist Voraussetzung dafür, dass eine Zahnbettentzündung dauerhaft ausheilen kann. Ganz geheilt werden kann eine Parodontitis nur in sehr seltenen Fällen, aber durch geeignete Maßnahmen lässt sich ihr Wiederauftreten oft vermeiden.

Zahnreinigung und chirurgische Eingriffe gegen Parodontitis

Erst wenn die hartnäckigen Beläge beseitigt sind, hat das Zahnfleisch eine Chance abzuheilen. Um die Erkrankung zu bekämpfen, werden die Zahnbeläge (Plaques) im Wege einer professionellen Zahnreinigung (PZR) mechanisch entfernt.

Zahnfleischtaschen mit einer Tiefe von mehr als sieben Millimetern müssen chirurgisch gereinigt werden, weil die Zahnpflegeinstrumente nicht alle betroffenen Stellen erreichen. Dabei wird das Zahnfleisch unter örtlicher Betäubung heruntergeklappt, um die Plaques und Ablagerungen darunter zu entfernen. Danach wird das Zahlfleisch wieder genäht. Anschließend erhält der Patient für einige Tage hochdosierte Antibiotika, um die Entzündung zu bekämpfen. Nach der Behandlung zieht sich das nach Zahnfleisch zusammen und legt sich an die Zähne an. Seit Mitte 2021 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Behandlung und die Nachsorge einer diagnostizierten Parodontitis.

Kaltes Plasma gegen Parodontitis

In einigen Fällen kann eine Therapie mit kaltem Plasma eine Operation überflüssig machen. Kaltes Plasma ist Umgebungsluft, die mit Sauerstoff angereichert wird. Bei einer Plasmabehandlung wird zunächst der Zahnstein unter dem Zahnfleisch per Ultraschall entfernt. Im Anschluss setzt der Zahnarzt eine weiche Bissschiene ein, die über einen Schlauch mit dem Plasmagerät verbunden ist. Während der zehnminütigen Sitzung umflutet kaltes Plasma alle Zahnfleischflächen. Dabei zerstört es die Zellmembranen der Bakterien, deaktiviert Viren und reinigt die Wundflächen. Es soll auch die tiefen Zahnfleischtaschen erreichen. Pro Sitzung kostet eine Plasmatherapie etwa 45 Euro.

Parodontitis: Tipps zur Vorbeugung

  • Zahnzwischenräume reinigen: Machen Sie sich die tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume zur Gewohnheit - am besten entweder morgens oder abends. Verwenden Sie in jedem Zahnzwischenraum die passende Interdentalbürste. Vor allem bei größeren Zahnzwischenräumen, aber auch bei Brücken oder Zahnspangen sind Interdentalbürsten besser geeignet als Zahnseide. Bei der Auswahl der passenden Bürsten und bei Fragen zur richtigen Anwendung helfen Prophylaxe-Assistenten der Zahnärzte. Zwischen eng stehenden Zähnen ist Zahnseide eine gute Wahl.
  • Interdentalbürsten richtig anwenden: Interdentalbürsten immer vollständig durch den Zwischenraum schieben, aber nicht mit Gewalt. In jedem Zahnzwischenraum die Bürste fünfmal hin- und herbewegen und immer wieder unter fließendem Wasser reinigen. Zum Schluss noch einmal gründlich abwaschen und zum Trocknen aufstellen. Interdentalbürsten müssen regelmäßig gewechselt werden.
  • Ölziehen schwemmt Bakterien aus: Führen Sie täglich bis zu dreimal eine Mundspülung mit Schwarzkümmelöl durch. Dazu 1-2 TL Schwarzkümmelöl auf das Zahnfleisch geben und einreiben. Lassen Sie es einige Minuten einwirken und spucken den Rest anschließend aus. Sie können es auch mit entsprechenden Mundbewegungen durch die Zähne "ziehen": Das sogenannte Ölziehen ist ein bekanntes ayurvedisches Naturheilverfahren. Schwarzkümmel enthält leicht antibakteriell wirkende ätherische Öle.
  • Grünen Tee trinken: Wer regelmäßig grünen Tee trinkt, stärkt damit sein Zahnfleisch und kann laut einer japanischen Studie auch einer Parodontitis vorbeugen.
  • Rauchen aufgeben: Raucher haben neben vielen anderen Risiken auch ein sechsmal höheres Risiko, an Parodontitis zu erkranken.
  • Zahnärzte empfehlen, zweimal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen. Ihre Kosten werden zwar nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, sie befreit die Zähne aber gründlich von Belägen. Sinnvoll ist auch eine Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt alle sechs Monate.

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Visite | 25.10.2022 | 20:15 Uhr

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