Stand: 07.08.2020 18:09 Uhr

PSA-Test: Prostatakrebs frühzeitig erkennen

Blutprobe im Röhrchen. © Fotolia.com Foto: jarun011
Der PSA-Wert ist sinnvoll zur Früherkennung von Prostatakrebs.

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsart bei Männern und dritthäufigste Krebstodesursache in westlichen Industrieländern. Allein in Deutschland werden pro Jahr 66.000 Männer mit dieser Diagnose konfrontiert - und mehr als 14.000 sterben daran. Die beste Überlebenschance bietet die rechtzeitige Behandlung eines früh erkannten Prostatakrebses

Neben der klassischen Abtastung der Prostata über den Enddarm gehört die Bestimmung des sogenannten Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut zur Früherkennungsuntersuchung, die Männern ab dem 45. Lebensjahr empfohlen wird.

VIDEO: PSA-Test: Prostatakrebs frühzeitig erkennen (6 Min)

Erhöhter PSA-Wert kann auf Tumor hindeuten

PSA wird in der Prostata gebildet und in die Samenflüssigkeit abgegeben. Es sorgt dafür, dass die Spermien sich gut bewegen können. Ein Teil des PSA gelangt aber auch in die Blutbahn und lässt sich dort mit dem PSA-Test nachweisen. Da Prostatakrebszellen mehr PSA produzieren als gesunde Zellen, kann ein erhöhter PSA-Wert Zeichen einer Krebserkrankung sein.

Übersteigt der PSA-Wert längere Zeit eine altersabhängige Grenze, kann das auf einen Tumor hinweisen, aber auch andere Ursachen haben. Aus dem erhöhten Wert lässt sich nicht direkt eine bestimmte Krankheit diagnostizieren. Die Ärzte können daraus nur schließen, dass an der Prostata möglicherweise etwas nicht in Ordnung sein könnte.

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Anstrengung kann PSA-Wert erhöhen

Außer einem Tumor kann zum Beispiel eine Entzündung oder eine gutartige Prostatavergrößerung zu erhöhten PSA-Werten führen. Selbst Geschlechtsverkehr, hartnäckige Verstopfung oder eine Fahrradtour in den Tagen vor der Messung reizen die Prostata so stark, dass der PSA-Spiegel vorübergehend ansteigt - bis zu 48 Stunden kann es dauern, bis er wieder auf den Ausgangswert abgefallen ist.

Deshalb sollte bei einem auffälligen PSA-Wert nach einigen Tagen kontrolliert werden. Ist der Wert dann immer noch zu hoch, klärt eine Gewebeentnahme (Biopsie) aus der Prostata die Ursache.

Widersprüchliche Studien

In Verruf geriet der PSA-Test aufgrund einer US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2012, an der 70.000 Männer teilgenommen hatten. Die Hälfte der Teilnehmer ließ regelmäßig den PSA-Wert bestimmen, die andere Hälfte ließ angeblich keine Tests durchführen. Als sich dabei kein Überlebensvorteil durch den PSA-Test zeigte, schlossen die Forscher daraus, dass sein Einsatz sinnlos sei. Gleichzeitig ergab aber eine doppelt so große europäische Studie über 13 Jahre, dass die regelmäßige Überprüfung des PSA-Wertes zu weniger Metastasen führt und die Sterblichkeit durch Prostatakrebs um die Hälfte reduziert.

US-Studie zum PSA-Wert fehlerhaft

Eine genauere Analyse der US-Daten durch zwei Wissenschaftler erklärt die widersprüchlichen Ergebnisse: 90 Prozent der Männer aus der Kontrollgruppe hatten vor Beginn der Studie oder währenddessen einen PSA-Test durchführen lassen und damit die ganze Studie verfälscht. Die Folgen der grob fehlerhaften Studie waren dramatisch: Viele Männer verzichteten auf den Bluttest und damit auf die Früherkennung von Prostatakrebs. Dadurch stieg die Zahl zu spät erkannter Tumore in den USA.

Risiko des PSA-Tests

Wer seinen PSA-Spiegel regelmäßig messen lässt, kann die Gefahr, an Prostatakrebs zu sterben, deutlich verringern. Andererseits fallen dabei auch viele eher harmlose Tumoren auf, die nicht behandelt werden müssten. Das führt nach Ansicht von Experten dazu, dass gerade in Deutschland viel zu häufig operiert wird und die Patienten dadurch unnötig dem Risiko für Komplikationen wie Inkontinenz oder Impotenz ausgesetzt werden. Zu häufig werde wegen eines einzelnen erhöhten Wertes biopsiert.

Gutachten: Prostata-Screening sinnvoll?

In einem aktuellen Gutachten kam das Deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zu dem Schluss, dass ein generelles Prostatakrebs-Screening, also dass alle Männer ab einem bestimmten Alter den Test machen, nicht sinnvoll wäre: Der Schaden würde den Nutzen überwiegen.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie als zuständige Fachgesellschaft sieht das IQWiG-Gutachten allerdings kritisch, weil es wesentliche Aspekte nicht ausreichend beachte. Statt eines ungezielten Screenings empfehlen die Experten ein sogenanntes opportunistisches, risikoadaptiertes Screening auf Basis des PSA-Wertes. Entscheidend müsse das individuelle Risikoprofil sein, das neben dem Alter des Untersuchten auch seine Vorgeschichte und die Familienanamnese umfasst.

PSA-Wert richtig interpretieren

Mit 45, spätestens mit 50 Jahren, sollte der PSA-Wert einmal bestimmt werden, um einen Ausgangswert für die weitere Zeit zu haben.

  • Liegt der PSA-Wert über 1,5 ng/ml, sollte der Test in sechs Monaten wiederholt werden.
  • Bei einem PSA-Wert unter 0,5 ng/ml ist das Prostatakrebsrisiko gering. In diesem Fall genügt es, den Test nach fünf bis zehn Jahren zu wiederholen.
  • Ist Prostatakrebs in der Familie aufgetreten, sollte der PSA-Wert engmaschig überwacht werden.
  • Eine Biopsie der Prostata ist dringend angeraten, wenn sich der PSA-Wert in kurzer Zeit verdoppelt oder verdreifacht, bei einem auffälligen Tastbefund oder typischen Symptomen wie Blut im Urin.

Bei der Beurteilung der Prostata ist das Gesamtbild entscheidend. Dabei sollten Ärzte nicht nur auf den PSA-Wert schauen, sondern auch auf das Alter, die Familiengeschichte, den PSA-Ausgangswert und die Größe der Prostata.

Damit der Wert nicht in die Irre führt, sollte man an den Tagen vor dem Test Reizungen der Prostata vermeiden, zum Beispiel durch Fahrradfahren, Sex und starkes Pressen beim Stuhlgang. Auch fiebrige Infektionen verfälschen den PSA-Wert.

Unnötige Operation der Prostata vermeiden

Zwar haben rund 70 Prozent der 70-Jährigen und 80 Prozent der 80-jährigen Männer Prostatakrebs, aber nur zwei Prozent davon versterben daran. Experten raten deshalb vielen Patienten unter bestimmten Voraussetzungen inzwischen nicht mehr zur sofortigen Operation, sondern zur aktiven Überwachung des Tumors. So vermeiden sie unnötige Operationen und dadurch verursachte Nebenwirkungen, können aber rechtzeitig eingreifen, wenn der Krebs wider Erwarten aggressiv wird.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Christian Wülfing, Chefarzt
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
(040) 18 18-81 16 61
www.asklepios.com

Prof. Dr. Markus Graefen, Ärztlicher Leiter
Martini-Klinik am UKE GmbH
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.martini-klinik.de

Dr. Klaus Weinzierl, Urologe
Heußweg 37
20255 Hamburg-Eimsbüttel
www.uro-eimsbuettel.de

Weitere Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V.
Uerdinger Straße 64
40474 Düsseldorf
www.urologenportal.de
Stellungnahme zum Abschlussbericht des IQWiG "PSA-Screening"

Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.
Thomas-Mann-Straße 40, 53111 Bonn
(0228) 338 89-500
Beratungshotline 0800-70 80 123
www.prostatakrebs-bps.de

Krebsinformationsdienst (KID)
Deutsches Krebsforschungszentrum
(0800) 420 30 40 (8-20 Uhr, kostenlos aus dem deutschen Festnetz)
www.krebsinformationsdienst.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 11.08.2020 | 20:15 Uhr

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