Stand: 15.10.2018 13:30 Uhr

Onkofreezing: Künstliche Befruchtung nach Krebs

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Beim Onkofreezing werden Eizellen für die Zeit nach einer Krebsbehandlung entnommen und konserviert.

Rund 16.000 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 39 Jahren erkranken jedes Jahr neu an Krebs. Zwar liegt die Heilungsrate bei rund 80 Prozent, doch bei vielen jungen Betroffenen führt die Therapie zur Unfruchtbarkeit. Nachdem sie den Krebs besiegt haben, sind junge Frauen oft postmenopausal. Das bedeutet, ihr Eierstock ist zerstört und sie haben keine intakten Eizellen mehr. Doch es gibt Mittel und Wege, Eizellen für die Zeit nach der Behandlung zu entnehmen und zu konservieren: das sogenannte Onkofreezing.

So funktioniert das Onkofreezing

Durch hormonelle Stimulation reifen Eizellen heran, die dann - befruchtet oder unbefruchtet - in flüssigem Stickstoff bei minus 180 Grad Celsius eingefroren werden. Um später eine realistische Chance auf ein Kind zu haben, werden möglichst 20 bis 25 Eizellen eingefroren. Nachdem die Krebserkrankung überstanden ist, können sie jederzeit wieder aufgetaut und mit den Spermien des Partners befruchtet werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus einer Eizelle ein Kind entwickelt, liegt dann bei fünf bis acht Prozent. Die befruchteten Eizellen reifen einige Tage in einer Nährlösung heran, bevor einige von ihnen per Katheter in die Gebärmutter übertragen werden. Die anderen werden als Reserve wieder eingefroren für den Fall, dass sich keiner der übertragenen Embryonen erfolgreich in der Gebärmutter einnistet und weiterentwickelt. Auch Spermien oder Keimgewebe lassen sich durch das auch als Kryokonservierung bezeichnete medizinische Verfahren retten.

Kosten werden von Krankenkassen nicht übernommen

Medizinische Methoden zur Konservierung von Spermien, Eizellen oder Keimgewebe sind gut etabliert und erfolgreich, aber die Kosten für fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Für die Entnahme und das Einfrieren ihrer Eizellen müssen die betroffenen Frauen rund 3.500 bis 4.300 Euro aufbringen, das Einfrieren von Spermien kostet rund 500 Euro. Hinzu kommen Kosten für die Einlagerung von rund 300 Euro pro Jahr.

Kommt eine Gesetzesänderung?

Häufig verfügen die jungen Betroffenen noch nicht selbst über die erforderlichen finanziellen Mittel und müssen - zusätzlich zur belastenden Krebsdiagnose - allein deshalb auf die Chance verzichten, eines Tages eigene Kinder zu bekommen. Im aktuellen Referentenentwurf zum Gesetz für schnellere Termine und bessere Versorgung hat das Bundesgesundheitsministerium aber eine Änderung des §27a SGB V aufgenommen, die eine Kostenübernahme dieser Maßnahmen durch die gesetzlichen Krankenkassen künftig regeln soll. Findet diese Änderung tatsächlich Eingang in das Gesetz, könnte sie die Aussichten vieler Betroffener in Zukunft deutlich verbessern.

Experten zum Thema

Prof. Dr. M.Sc. Georg Griesinger, Direktor der Sektion Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie
Universitäres Kinderwunschzentrum Lübeck / Manhagen
Ratzeburger Allee 111-125
23562 Lübeck
(0451) 50 57 78-10
www.kinderwunsch-luebeck-manhagen.de

Weitere Informationen
Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs
Alexanderplatz 1
10178 Berlin
(030) 28 09 30 56-0
www.junge-erwachsene-mit-krebs.de/

Dieses Thema im Programm:

Visite | 16.10.2018 | 20:15 Uhr

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