Der Oberarm eines Muskelmodells aus Kunsstoff © Colourbox Foto: -

Myositis: Wenn die Muskelkraft nachlässt

Stand: 08.09.2022 17:41 Uhr

Bei einer Myositis greift das Immunsystem irrtümlich die Muskulatur an. Symptome sind Kraftverlust an Armen und Beinen und bei chronischem Verlauf sichtbarer Muskelschwund.

Die Einschlusskörpermyositis (engl. Inclusion Body Myositis, IBM) ist eine entzündliche Muskelerkrankung, die sich als langsam fortschreitende Muskelschwäche zeigt. Sie tritt meist jenseits des 50. Lebensjahres auf und betrifft mehr Männer als Frauen.

Symptome der Myositis

Die Symptome der Einschlusskörpermyositis entwickeln sich langsam, oft über Monate oder Jahre. Die Muskelschwächen treten oft asymmetrisch angeordnet auf, die Muskulatur wird immer schmächtiger. Typischerweise sind Unterarm- und Oberschenkelmuskulatur betroffen, besonders die Kniestrecker sowie die Hand- und Fingerbeuger. Wie schwer die Symptome ausgeprägt sind, ist sehr unterschiedlich.

Die Betroffenen haben oft zuerst Schwierigkeiten, Treppen zu steigen, von einem Stuhl aufzustehen und Dinge festzuhalten. Ein zunehmender Kraftverlust kann zu großen Problemen im Alltag führen, insbesondere wenn die Gehfähigkeit eingeschränkt ist. Viele leiden auch unter leichten Schluckstörungen. Die Erkrankung selbst verursacht zwar keine Schmerzen, durch die Muskelschwächen kann es aber zu schmerzhaften Verspannungen kommen.

Myositis: Ein schleichender Prozess

Die Symptome der Einschlusskörpermyositis entwickeln sich langsam, oft über Monate oder Jahre. Die Muskelschwächen treten oft asymmetrisch angeordnet auf, die Muskulatur wird immer schmächtiger. Typischerweise sind Unterarm- und Oberschenkelmuskulatur betroffen, besonders die Kniestrecker sowie die Hand- und Fingerbeuger.

Die Betroffenen haben oft zuerst Schwierigkeiten, Treppen zu steigen, von einem Stuhl aufzustehen und Dinge festzuhalten. Viele leiden auch unter leichten Schluckstörungen. Die Erkrankung selbst verursacht zwar keine Schmerzen, durch die Muskelschwächen kann es aber zu schmerzhaften Verspannungen kommen.

Diagnose: Beschwerden liefern bei Myositis wichtige Hinweise

Ein entscheidender Hinweis für die Diagnosestellung ist bereits das Beschwerdebild mit den asymmetrisch angeordneten Muskelschwächen, vor allem im Bereich der Hand- und Fingerbeuger sowie Kniestreckern. Im Labor zeigt sich oft ein erhöhter Wert des Muskelenzyms Creatinkinase (CK) im Blut. Die Elektromyographie (EMG) liefert weitere charakteristische Hinweise. Auch eine Elektroneurographie (ENG) kann durchgeführt werden, um andere Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen auszuschließen.

Die wichtigste diagnostische Maßnahme ist aber die Muskelbiopsie. Dabei wird eine Gewebeprobe aus einem Muskel entnommen und in der Pathologie auf typische Veränderungen untersucht. Dazu gehören entzündliche Infiltrationen (Einwanderung von Entzündungszellen) und sogenannte "rimmed vacuoles", die fadenförmigen, für dieses Krankheitsbild typischen eiweißhaltigen Einschlusskörper in den Muskelfasern.

Ursachen der Myositis: Angriff auf körpereigenes Gewebe

Die Ursache der Einschlusskörpermyositis ist noch ungeklärt. Als wahrscheinlich gilt, dass das Immunsystem, möglicherweise nach einer Virusinfektion, körpereigene Gewebe angreift, da sich Anzeichen einer sogenannten T-Zell-vermittelten Immunreaktion finden lassen. Es gibt aber auch Hinweise auf eine Störung des Eiweißabbaus mit krankhaften Ablagerungen von Proteinen in den Muskelfasern. Diese Ablagerungen könnten entweder eine Immunantwort auslösen oder selbst Folge eines Immunprozesses sein.

Behandlung der Myositis: So kann Betroffenen geholfen werden

Einschlusskörpermyositis lässt sich nicht heilen, aber unter anderem durch die Gabe hochdosierter Immunglobuline zumindest abbremsen. Durch Krankengymnastik und andere Rehabilitationsmaßnahmen lässt sich eine Verbesserung der Symptomatik erreichen und vieles tun, um Alltagsfähigkeiten möglichst lange aufrechtzuerhalten. Dazu gehört ein leichtes bis moderates Muskeltraining oder aerobes Ausdauertraining, die eine Verbesserung der Kraft ermöglichen.

Durch Trainieren der weniger betroffenen Muskeln lässt sich oft eine Optimierung der beeinträchtigten Funktionen erreichen. In der Ergotherapie werden vor allem die Funktion der Hände und die Handhabung von Hilfsmitteln trainiert, in der Logopädie geht es um die Linderung von Schluckstörungen.

Experten und Expertinnen zum Thema

Prof. Dr. Julian Grosskreutz, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein


Professur für neurologische Präzisionsmedizin
Klinik für Neurologie
Ratzeburger Allee 160
23562 Lübeck
www.neuro.uni-luebeck.de

 

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Visite | 13.09.2022 | 20:15 Uhr

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