Stand: 02.10.2018 11:27 Uhr  | Archiv

Medizin-Nobelpreis: Immuntherapie gegen Krebs

Krebszellen in einer 3D-Grafik. © fotolia.com Foto: fotoliaxrender
Krebszellen als Computergrafik: Die Immuntherapie birgt große Chancen.

Für die Entwicklung von Therapien, die das Immunsystem gegen Krebszellen mobilisieren, haben der US-Amerikaner James Allison und der Japaner Tasuku Honjo 2018 den Nobelpreis für Medizin erhalten. Forscher und Ärzte sind sich einig: Mit der Immuntherapie hat eine neue Ära in der Krebstherapie begonnen. Anders als die bisherigen Therapien wie Operation, Chemo- und Strahlentherapie geht sie nicht direkt gegen den Krebs vor, sondern unterstützt das Immunsystem darin, den Krebs zu bekämpfen. Dadurch kann in einigen Fällen erreicht werden, dass Tumore kleiner werden oder verschwinden. Zugelassen ist die Immuntherapie bisher gegen den schwarzen Hautkrebs, Blasenkrebs, Lungenkrebs, Nierenkrebs und eine bestimmte Blutkrebs-Variante (Morbus Hodkin).

Krebszellen verschleiern ihre Bösartigkeit

Das Prinzip der Immuntherapie basiert auf der Tatsache, dass das Immunsystem das stärkste und wirkungsvollste Instrument des Körpers zur Erkennung und Bekämpfung von Krankheitserregern ist. Allerdings können viele Tumorarten diverse Strategien entwickeln, um dem funktionierenden Immunsystem zu entkommen. Sie können zum Beispiel durch die Ausschüttung chemischer Substanzen ihre bösartige Identität verschleiern und das Immunsystem aktiv unterdrücken.

Verschiedene Therapieansätze versuchen, das körpereigene Immunsystem so zu unterstützen, dass es die Abwehrstrategien des Tumors durchbricht und die eigene Anti-Tumorimmunreaktion aktiviert wird. Ziel ist es, die Krebszellen auszuschalten. Neben der Impfung mit Tumorantigenen sind dies die T-Zell-Therapie und die Antikörper-Behandlung.

Nebenwirkungen können erheblich sein

Eine Herausforderung bei Immuntherapien ist allerdings die richtige Balance zwischen Stimulierung und Hemmung des Immunsystems. Dieses darf nicht überreagieren und zu viel gesundes Gewebe zerstören. Die Nebenwirkungen können erheblich sein, der Eingriff in das Immunsystem birgt Risiken: Entzündungen der Hirnanhangdrüse, der Augen, des Darms oder der Haut können auftreten. Einige Patienten müssen die Behandlung abbrechen.

Die neue Immuntherapie wirkt nicht bei allen Patienten gleich. Jeder Tumor ist individuell und verändert seine Struktur, solange er im Körper wächst. Den einen Tumor und die eine Immuntherapie gibt es nicht. Ziel der Forschung ist, das richtige Medikament für den Einzelnen zu finden. Die Forscher suchen nach sogenannten Biomarkern, die - im Blut, im Serum oder auch in Tumorbiopsien gewonnen - zeigen können, ob die Therapie anschlägt. Denn die neue Therapie ist teuer: Bis zu 100.000 Euro kostet eine Behandlung.

Experten zum Thema

Prof. Peter H. Krammer, Direktor
Nationales Zentrum für Tumorerkrankungen Heidelberg
Krebsinformationsdienst
(0800) 420 30 40

Prof.  Dr. Carsten Bokemeyer
Klinikdirektor
Onkologisches Zentrum
II. Medizinische Klinik und Polikinik
Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

PD Dr. med. Gunhild v. Amsberg
Oberärztin
Onkologisches Zentrum
II. Medizinische Klinik und Polikinik
Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 02.10.2018 | 20:15 Uhr

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