Stand: 20.08.2019 09:58 Uhr

Lebenswichtige Medikamente nicht lieferbar

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Eine häufige Ursache für Lieferprobleme bei Medikamenten sind Produktionsengpässe.

Das deutsche Gesundheitssystem gehört zu den besten und teuersten der Welt. Dennoch kommt es bei lebenswichtigen Medikamenten immer wieder zu Lieferengpässen. Häufig betroffen sind Kranke, die in besonderem Maß auf das richtige Medikament in der richtigen Dosis zur richtigen Zeit angewiesen sind.

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Lebenswichtige Medikamente nicht lieferbar

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Einige Medikamente sind oft monatelang nicht lieferbar. Häufige Ursachen sind Produktionsengpässe, aber auch Rabattverträge mit Krankenversicherungen.

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Knapp: Hormone, Kochsalzlösung und Schmerzmittel

Ein aktuelles Beispiel sind Hormonpräparate für Schilddrüsenerkrankungen, die intravenös verabreicht werden. Sie müssen zurzeit in der Klinikapotheke aus Tabletten selbst hergestellt werden. Selbst einfache Kochsalzinfusionen oder Schmerzmittel wie Ibuprofen sind für Klinikapotheken mitunter kaum zu bekommen. Noch dramatischer ist die Lage in niedergelassenen Apotheken.

Ist ein Medikament nicht lieferbar, versuchen die Apotheker, ein Ersatzpräparat zu besorgen. Aber das wird immer schwieriger. Und nicht immer wirken die Ersatzpräparate genauso wie das gewohnte Mittel. Das kann vor allem für Betroffene, die viele verschiedene Medikamente einnehmen, zum Problem werden.

Probleme in der Produktion als Ursache

In den allermeisten Fällen seien Mängel in der Produktion Ursache der Versorgungs- und Lieferengpässe, vermuten die Experten. Um den Gewinn zu steigern, lassen Pharmaunternehmen die Wirkstoffe oft ausschließlich in Ländern wie Indien oder China produzieren. Dort sind sie zum Teil von einem einzigen Hersteller abhängig. Kommt es zu Problemen in der Produktion, kann ein Medikament vorübergehend nicht mehr hergestellt werden und die Vorräte gehen weltweit rasch zur Neige.

Rabattverträge verschärfen Lieferengpass

Eine Mitschuld an den Versorgungsproblemen geben Apotheker den Krankenversicherungen. Diese schließen mit den Herstellern Rabattverträge ab. Dadurch wird die Gewinnspanne der Pharmaunternehmen kleiner.

Um Geld zu sparen, legen Arzneimittelhersteller kaum noch Vorräte an, sondern produzieren nur noch nach Bedarf. Und wenn die Produktion eines knappen Medikaments wieder anläuft, werden zunächst die Länder beliefert, in denen die Unternehmen die besten Preise erzielen.

Informationen zu schwer lieferbaren Medikamenten

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert als zuständige Bundesbehörde über aktuelle Lieferengpässe. So können sich Ärzte und Apotheker einen Überblick verschaffen und die vorhandenen Restbestände den Erkrankten zukommen lassen, die sie am dringendsten benötigen.

Forderung nach staatlichem Eingriff

Doch Transparenz allein löst das Problem nicht, denn in allen Bereichen fehlen Medikamente - in der Krebstherapie, bei Impfstoffen, Antibiotika und Narkosemitteln. Mittlerweile fordern Ärzte und Apotheker deshalb bundesweit neue Gesetze. Sie sollen Pharmaunternehmen bei wichtigen Medikamenten zur Vorratshaltung verpflichten und bei ausbleibenden Lieferungen harte Strafen vorsehen.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Stefan Kluge, Direktor Klinik für Intensivmedizin
Stellv. Leiter Zentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52
20251 Hamburg
www.uke.de

Dr. Michael Baehr, Leiter Klinikapotheke
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Gebäude N19
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Dr. Claus Tschirch, Apotheker
Gode Wind Apotheke
Elbgaustraße 112
22547 Hamburg
(040) 84 26 63
www.gode-wind-apotheke.de


Dr. rer. nat. Peter Dobberkau, Leiter Klinikapotheke
Elbe Kliniken Stade - Buxtehude GmbH
Bremervörder Straße 111
21682 Stade
(04141) 97 11 30
www.elbekliniken.de

Katrin Raichle-Kranz, Apothekerin
Bremervörder Str. 128
21682 Stade
www.kranz-apotheke-stade.de/

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