MCAS: Mastzellaktivierungssyndrom erkennen und behandeln

Stand: 22.10.2020 15:35 Uhr

Das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) ist seit 2007 als Krankheit definiert. Sie kann viele unterschiedliche Symptome hervorrufen und zur Entwicklung chronisch-entzündlicher Folgeerkrankungen führen.

Mastzellen gehören zu den Immunzellen. Sie speichern verschiedene Botenstoffe (Mediatoren). Damit können Mastzellen beim Kontakt mit Viren, Bakterien, Parasiten oder Allergenen eine Abwehrreaktion einleiten und verstärken. Mastzellen kommen in allen Geweben und Organen vor. Entsteht im Körper eine Entzündung, rufen bestimmte weiße Blutkörperchen die Mastzellen zu Hilfe. Diese wandern in das betroffene Gewebe und koordinieren die Immunabwehr.

Wie MCAS entsteht

Bei einem MCAS gehen krankhaft veränderte Mastzellen aus einer einzelnen mutierten Vorläuferzelle im Knochenmark hervor und setzen vermehrt Histamin und andere Botenstoffe frei. Die betroffenen Zellen benötigen zur Aktivierung keine weißen Blutkörperchen, sondern aktivieren sich gegenseitig. Es kommt zu einer sogenannten systemischen Mastozytose. Diese kann sich zum Beispiel im Darm mit Schmerzen, Krämpfen oder Verdauungsstörungen bemerkbar machen.

Als Auslöser für MCAS sind einige Genmutationen bekannt. In den meisten Fällen bleibt aber unklar, was die leichte Aktivierbarkeit der Mastzellen verursacht.

MCAS verursacht vielfältige Symptome

Das MCAS kann zu unterschiedlichen Beschwerden führen. Die Symptome gleichen oft einer Allergie, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung, einer Lebensmittelvergiftung oder einer Erkältung. Je nach Schweregrad eine chronische Erschöpfung oder ein anaphylaktischen Schock die Folge sein.

Diagnose der MCAS ist schwierig

Wegen der Vielzahl der möglichen Symptome ist die Diagnose der MCAS-Erkrankung oft schwierig. Im Gegensatz zur Mastozytose, einer anderen Erkrankung der Mastzellen, haben MCAS-Erkrankte eine normale Anzahl von Mastzellen. Deshalb hilft eine Laboruntersuchung oft nicht weiter. Beim Verdacht auf MCAS sollten Betroffene als Therapieversuch mögliche Auslöser meiden.

Auslöser meiden und Medikamente einnehmen

Eine Heilung des MCAS ist bisher nicht möglich. Doch die Symptome lassen sich in der Regel gut behandeln. Die Therapie besteht vor allem darin, die Auslöser der Mastzellen-Aktivierung zu meiden:

  • chemische, physikalische, psychische und körpereigene Auslöser
  • Keime
  • bestimmte Lebensmittel und Gerüche

Versuchsweise sollten MCAS-Erkrankte histaminreiche Lebensmittel und Zusatzstoffe meiden. Führt das zum Erfolg, sollten Betroffene dauerhaft darauf verzichten.

Medikamente können helfen, die Mastzellen zu stabilisieren, die Produktion der Mediatoren zu hemmen und freigesetzte Mediatoren zu blockieren.

Weitere Informationen
Das Buchcover "Abenteuer Diagnose" © Heyne NDR Fernsehen

Geschichten aus zehn Jahren Abenteuer Diagnose

Die Arbeit von Ärzten kann spannend wie ein Krimi sein. Die besten Geschichten aus zehn Jahren Abenteuer Diagnose sind jetzt als Buch erhältlich. mehr

Ein Arzt schaut auf seine Unterlagen © NDR

Abenteuer Diagnose

Bei der "Fahndung" nach der rettenden Diagnose geht es in der Medizin zu wie bei einem Kriminalfall. Abenteuer Diagnose stellt spannende Patientengeschichten vor. mehr

Experten zum Thema

Prof. Dr. Franz Ludwig Dumoulin, Chefarzt
Innere Medizin
Haus St. Elisabeth
Prinz-Albert-Straße 40
53113 Bonn
(0228) 508-15 61
www.gk-bonn.de

Prof. Dr. Gerhard J. Molderings, ehem. Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Priv.-Doz. Dr. Martin Mücke, Ärztlicher Leiter
ZSEB - Zentrum für seltene Erkrankungen Bonn
Biomedizinisches Zentrum
Venusberg-Campus 1
53127 Bonn
www.zseb.uni-bonn.de

Weitere Informationen
Selbsthilfeverein Mastozytose e. V.
Hecke 4
47918 Tönisvorst
www.mastozytose.de

Verbund von HIT-MCAS Selbsthilfegruppen
www.hit-mcas-selbsthilfe.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.10.2020 | 20:15 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Zwei Nordic-Walker gehen mit Stöcken durch den Wald. © Colourbox Foto: Aleksander Mijatovic

Herz und Bluthochdruck: Sport machen trotz Pandemie

Gerade für Herzkranke ist regelmäßiges Training wichtig. Tipps für Übungen zu Hause und in der Natur. mehr

Hanfpflanzen © Colourbox Foto: Mykola Mazuryk

Hanf: Vielseitige Nutzpflanze für die gesunde Küche

Die Nutzpflanze wird zur Herstellung ganz unterschiedlicher Produkte genutzt. Vor allem die Samen gelten als äußerst gesund. mehr

Eine Person mit blauen Schutzhandschuhen hält eine Pipette in der Hand © Colourbox

Antikörper-Therapie gegen Corona: Wie weit ist die Forschung?

Die klinischen Erfahrungen mit der Übertragung von Blutplasma sind vielversprechend. Große Studien fehlen allerdings. mehr

Grafische Darstellung eines Coronavirus © COLOURBOX Foto: Volodymyr Horbovyy

Corona-Pandemie: Wie ist die aktuelle Lage?

Bisher gibt es keinen deutlichen Rückgang bei der Zahl der Neuinfektionen, die Zahl der Intensivpatienten steigt. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr