Stand: 19.08.2019 13:04 Uhr  | Archiv

Lymphom: Wenn Tumore die Haut zerstören

Patient bei der Chemotherapie © dpa - Report Foto: Gero Berloer
Bei einem Hautlymphom kann eine Chemotherapie erforderlich sein.

Maligne Lymphome gehören zu einer Gruppe von bösartigen Erkrankungen, die von Immunzellen (Lymphozyten) des Körpers ausgehen. Bei einem Hautlymphom sammeln sich unter der Haut entartete Lymphozyten, wachsen unkontrolliert und verursachen Lymphome - bösartige Tumore, die die Haut zerstören. Warum die Zellen entarten und warum sie ein Hautlymphom auslösen, ist nicht bekannt. Eine seltene Art von Hautlymphomen, die sich als Schuppenflechte tarnen kann, heißt Mycosis fungoides.

Welche Arten von Lymphomen gibt es?

Bei den primären Hautlymphomen handelt es sich in 65 Prozent der Fälle um sogenannte T-Zell-Lymphome. Seltener sind sogenannte B-Zell-Lymphome mit einem Anteil von circa 25 Prozent und andere Lymphom-Arten. Es gibt schnell wachsende (aggressive) und langsam wachsende (indolente) Lymphome.

Im Gegensatz zu systemischen Lymphomen, die sich in den Lymphknoten entwickeln und sich rasch im gesamten Körper ausbreiten können, haben primär-kutane Lymphome, die zuerst an der Haut auftreten, häufig eine bessere Heilungsprognose.

Untersuchungen zur Diagnose von Hautlymphomen

Für die Diagnose des Hautlymphons sind Fachärzte für Dermatologie oder Hämatologie und Onkologie die richtigen Ansprechpartner. Üblich sind im ersten Schritt diese Untersuchungen:

  • Blut-, Ultraschall- und Röntgen-Untersuchungen
  • Gewebeprobe (Biopsie) mit Beurteilung durch einen Spezialisten (Facharzt für Dermatohistologie oder Pathologie)

Bestätigt sich der Verdacht auf ein Hautlymphom, wird mit weiteren Untersuchungen die Ausbreitung der Erkrankung im Körper festgestellt.

Behandlung mit verschiedenen Therapien möglich

Zur Therapie von Hautlymphomen haben sich mehrere Behandlungsmöglichkeiten bewährt, die häufig auch kombiniert werden:

  • Mit Kortisonsalbe, die auf die betroffenen Stellen aufgetragen wird, lassen sich stärkere Therapien vermeiden oder hinauszögern. Die kurzfristige Anwendung ist in der Regel frei von Nebenwirkungen. Kortisonsalbe wird vor allem in einem frühen Stadium von Mycosis fungoides angewendet. Selten wird Kortison direkt in einen Tumor gespritzt, denn das kann schmerzhaft sein. Kortison kann auch als Bestandteil einer Chemotherapie als Tablette oder Infusion verabreicht werden.

  • Bei der sogenannten Phototherapie wird das Hautlymphom mit UVA-Licht bestrahlt. Ein spezielles Medikament, der Photosensibilisator Psoralen, kann die Wirkung verstärken, indem es den Körper empfindlicher für das UVA-Licht macht. Die Kombination eines Photosensibilisators mit UVA-Bestrahlung wird auch Photochemotherapie oder PUVA (Psoralen-UVA) genannt.

  • Die Extrakorporale Photopherese (ECP) ist eine Art "Blutwäsche": Das Blut des Betroffenen wird in rote und weiße Blutkörperchen getrennt. Die weißen Blutkörperchen werden mit UVA-Licht bestrahlt und anschließend werden alle Zellen wieder in den Körperkreislauf zurückgegeben. Das Verfahren wird nur in spezialisierten Zentren angeboten.

  • Röntgenweichstrahlen oder schnelle Elektronen eignen sich besonders gut zur Therapie von einzelnen klar umschriebenen Hautlymphomen. Dabei wird eine Röhre (Tubus) auf die Haut gesetzt, durch den die Strahlung abgegeben wird. Die Bestrahlung kann zum Beispiel nach der chirurgischen Entfernung des Lymphoms angewendet werden.

  • Verschiedene Medikamente stehen für die sogenannte systematische Therapie zur Verfügung: Interferon alpha und Bexaroten gelten weltweit als Standardtherapie bei T-Zell-Lymphomen der Haut. Besonders wirksam sind sie in Kombination mit der Phototherapie PUVA oder einer extrakorporalen Photopherese. Interferon alpha ist ein natürliches Eiweiß, das vom Körper unter anderem bei Virusinfekten ausgeschüttet wird und das Immunsystems zur Bekämpfung von Viren oder auch Krebszellen anregt. Es wird in das Unterhautfettgewebe (subkutan) gespritzt. Die Substanz Bexaroten ist chemisch mit Vitamin A verwandt und wird auch als Retinoid bezeichnet. Das Medikament lässt Krebszellen absterben.

  • Bei der Antikörpertherapie zerstört der künstlich hergestellte Antikörper Rituximab die Krebszellen. Das Medikament wird als Infusion in die Vene verabreicht oder kann auch direkt in das Lymphom gespritzt werden (intraläsional).

  • Bei der Chemotherapie unterscheidet man zwischen der Anwendung einer einzelnen Substanz (Monochemotherapie) und der kombinierten Anwendung mehrerer Substanzen (Polychemotherapie). Eine Monochemotherapie erfolgt meistens in Tablettenform. Bei ausgeprägten Hautveränderungen oder bei hoher Tumorlast werden intravenöse Chemotherapien angewendet. In weit fortgeschrittenen Stadien von Hautlymphomen ist eine kombinierte Chemotherapie erforderlich.

  • Eine symptomatische Therapie behandelt nicht die Erkrankung selbst, sondern Symptome wie den quälenden Juckreiz (Pruritus), der Betroffene stark beeinträchtigen kann. In hartnäckigen Fällen ist es notwendig, Cremes und Tabletten zu kombinieren.

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Experten zum Thema

Dr. Katrin Kügler, Fachärztin für Dermatologie
Köln-Berliner-Straße 21
44287 Dortmund
www.hautarzt-aplerbeck.de

Prof. Dr. Dorothée Nashan, Direktorin
Hautklinik
Klinikum Dortmund gGmbH
Beurhausstraße 40
44137 Dortmund
(0231) 95 32 15 50
www.klinikumdo.de

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Visite | 20.08.2019 | 20:15 Uhr

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