Stand: 18.10.2016 10:47 Uhr  | Archiv

Künstliche Hüfte: Tipps für lange Haltbarkeit

Die Kugelgelenke in den Hüften sind enormen Stoßbelastungen ausgesetzt. Solange genügend puffernde Knorpelmasse zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne vorhanden ist, lässt sich das Gelenk schmerzfrei bewegen. Bei einer Arthrose jedoch kommt es zu einem Knorpelabrieb: Der Gelenkspalt verengt sich, bis schließlich Knochen auf Knochen reibt und zu den heftigen Schmerzen führt. Meist ist dann eine künstliche Hüfte unvermeidbar. Doch auch der Gelenkersatz verschleißt im Laufe der Zeit - abhängig vom Prothesentyp, vom Material und von der Operationsmethode.

So hält eine künstliche Hüfte lange

Wer eine künstliche Hüfte braucht, kann einiges dazu beitragen, dass der Gelenkersatz möglichst lange hält:

  • Prothese auswählen: Auf bewährte Modelle setzen, bei denen die Klinik zuverlässige Angaben zur Haltbarkeit machen kann.
  • Körper schonen: Beide Unterarmstützen während der ersten drei bis vier Wochen benutzen - bis sich alles gefestigt hat und die inneren Wunden verheilt sind. Eine unterschiedliche Beinlänge nach der OP mit Einlagen oder Schuhsohlen-Erhöhung ausgleichen.
  • Körper trainieren: Die in der Reha erlernte Übungen zur Kräftigung der Hüftmuskulatur zu Hause täglich mehrmals durchführen - auch während der folgenden Jahre.
  • Überlastung vermeiden: Mit einer künstlichen Hüfte nicht empfehlenswert sind Sportarten wie Jogging, Basketball, Badminton, Kampfsportarten und Fußball. Springen und Rennen sind verboten. Beim Skifahren auf Langlauf mit einfachen Loipen, beim Tennis auf ein gemütliches Doppel beschränken.
  • Stürze vermeiden: Die Knochen um die Prothese herum können leichter brechen. Deshalb besonders auf Treppen immer mit einer Hand ans Geländer fassen und beim nächtlichen Toilettengang das Licht einschalten.
  • Infektionen vermeiden: Am künstlichen Gelenk können sich Bakterien sammeln. Haustierbesitzer sollten deshalb jede Bissverletzung ärztlich behandeln lassen.
  • Knochenabbau vermeiden: Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung mit Kalzium und Vitamin D. Den Vitamin-D-Spiegel im Blut jährlich kontrollieren lassen. Teilen Sie der Krankenkasse zuvor die Begründung mit, damit sie die Kosten übernimmt.
  • Übergewicht abbauen: Eine Ernährungsberatung kann helfen, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen.
  • Gelenk kontrollieren: Bei Beschwerden sofort zum Arzt gehen. Ohne Beschwerden alle drei bis fünf Jahre das künstliche Gelenk kontrollieren lassen.

Gelenk mit Totalendoprothese (TEP) ersetzen

Bei einem starken Knorpelschaden oder einer irreparablen Gelenkfehlstellung muss in der Regel das komplette Gelenk durch eine sogenannte Totalendoprothese (TEP) ersetzt werden. Das ist auch in einer minimal-invasiven Operation möglich. Wenn die künstlichen Gelenke verschlissen sind, ist es Zeit für eine Wechseloperation. Dabei kann häufig statt der ganzen Prothese auch nur die Einlage (Inlay) ausgetauscht werden.

Künstliche Hüften mit und ohne Zement

  • Hüftprothesen mit Zement eignen sich ältere Patienten, deren Knochenstruktur keine andere Möglichkeit zulässt. Der Zement härtet innerhalb weniger Minuten zu einer starren Masse, die Knochen und Prothesen fest miteinander verbindet. Das Bein kann nach der Operation sofort belastet werden. Als Material für den Prothesenschaft, der im Oberschenkelknochen verankert wird, hat sich bei zementfreien Implantaten Titan bewährt.
  • Hüftprothesen ohne Zement eignen sich für Patienten, deren Knochen noch fest und aktiv sind. Die Prothese wird direkt in den Knochenschaft eingetrieben. Das Knochengewebe verbindet sich innerhalb von sechs bis zwölf Wochen mit der rauen Oberfläche. Oft darf das Bein erst drei bis acht Wochen nach der Operation voll belastet werden. Manche Kliniken erlauben die volle Belastung bei zementfreien Implantaten schon kurz nach der Operation. Das hängt von der Vorerkrankung, aber auch von der Stabilität des Implantats im Knochen ab. Bei Implantaten mit Zement werden meist Edelstahl- oder Kobalt-Chrom-Molybdän-Prothesen eingesetzt.

Arthrose: Wann ist eine künstliche Hüfte nötig?

Im frühen Stadium der Arthrose empfehlen Experten eine konservative Behandlung mit Medikamenten, Spritzentherapie und Krankengymnastik. Häufig nehmen die Beschwerden schleichend zu. Um zu erkennen, ob eine Operation erforderlich ist, prüft der Arzt vier Faktoren: Schmerz, Röntgenbild, Funktionseinschränkung und Einschränkung der Lebensqualität. Zu lange warten sollte man nicht: Ist der Knochen bereits geschädigt, wird die Operation aufwendiger und belastender.

Weitere Informationen
Eine Hüftprothese ist von Keimen befallen (Grafik) © NDR

Gelenkersatz - Komplikationen durch Keime

Das Einsetzen eines künstlichen Gelenkes gilt in Deutschland als Routine-Eingriff. Trotzdem kann es zu gravierenden Komplikationen kommen. Besonders gefürchtet: Infektionen. mehr

 

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Visite | 18.10.2016 | 20:15 Uhr

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