Stand: 07.05.2018 18:06 Uhr  | Archiv

Kriegstrauma: Hilfe in Ambulanzen

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Auch Flüchtlinge aus aktuellen Kriegen wie in Syrien können unter einem Trauma leiden.

Traumatische Erlebnisse im Krieg beschäftigen Betroffene meist ihr ganzes Leben lang. Oft leiden darunter auch die Angehörigen. Bis heute versuchen Psychiater Menschen zu helfen, die im Zweiten Weltkrieg Kriegshandlungen erlebt haben und immer noch unter Albträumen ("Flashbacks") leiden. Die Erinnerungen können auch unwillkürlich am Tag auftreten und mit dem Gefühl verbunden sein, alles noch einmal zu durchleben. Häufige Folgen sind Schreckhaftigkeit und Schlafstörungen. Unterstützung finden Betroffene zum Beispiel in den Trauma-Ambulanzen, die es an vielen großen Kliniken und medizinischen Zentren gibt.

Flucht in Alkohol und soziale Isolation

Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten viele Menschen eine Therapie gebraucht, sagen Experten. Doch damals gab es kein ausreichendes Bewusstsein dafür, dass sich hinter Albträumen, schlimmen Erinnerungen und Angst eine Erkrankung verbergen könnte. Viele Betroffene wurden in ihrem Umfeld als Versager bezeichnet und trauten sich auch später nicht mehr, ihre Probleme einem Arzt oder Psychotherapeuten anzuvertrauen. Viele wurden alkoholkrank oder flüchteten in die soziale Isolation.

Demenz und Diabetes durch traumatischen Stress?

Die Folgen eines Kriegstraumas beschränken sich nicht auf die Psyche. Auch der Körper kann darunter leiden und sogar sein Erbgut verändern. Denn traumatischer Stress führt zu einer Ausschüttung von Stresshormonen: Bei Menschen mit einem genetischen Risiko kann dies die Aktivität bestimmter Gene umprogrammieren. Forscher vermuten, dass traumatischer und chronischer Stress das Altern beschleunigen und das Risiko für Demenz und Diabetes erhöhen kann.

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Interviewpartner

Dr. Ulrike Schmidt, Oberärztin
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsmedizin Göttingen
von-Siebold-Straße 5, 37075 Göttingen
Internet: www.psychiatrie.med.uni-goettingen.de

Weitere Informationen
Trauma-Ambulanzen findet man an allen großen Kliniken und medizinischen Zentren in Deutschland

Trauma-Informations-Zentrum
Internet: www.t-i-z.de
Informationen für von Kriegstraumata Betroffene und Angehörige

Dieses Thema im Programm:

Visite | 08.05.2018 | 20:15 Uhr

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