Stand: 29.05.2018 14:39 Uhr

Krebstherapie: Wie Ernährung und Sport helfen

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Ein Wirkstoff in Brokkoli kann bestimmte Krebszellen bekämpfen.

Bei der Diagnose Krebs denken wohl die meisten Betroffenen an Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. Doch bei der Therapie können auch ergänzende, sogenannte komplementäre Behandlungsformen zum Einsatz kommen, zum Beispiel Naturheilverfahren, Sport und eine bestimmte Ernährung. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe komplementärer (ergänzender) Therapien, die eine schulmedizinische Behandlung sinnvoll unterstützen und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren.

Der Patient im Sportstudio.

Krebstherapie: Wie Ernährung und Sport helfen

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Krebskranke können die Behandlung mit Bewegung und gezielter Ernährung unterstützen. In welchen Fällen ist eine komplementäre Krebstherapie sinnvoll?

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Ernährung bei Krebs

Die Bedeutung der Ernährung bei Krebs wurde lange unterschätzt. Tatsächlich gehört sie zu den wichtigsten Faktoren, die darüber entscheiden, wie gut ein Betroffener die Therapie verkraftet und ob er die Erkrankung übersteht. Denn der Tumor bringt den Nährstoffwechsel durcheinander und stört die Gewichtsregulation, indem er eigene Botenstoffe produziert. Diese senken den Appetit und zweigen Nährstoffe für das Tumorwachstum ab: Erkrankte verlieren stark an Gewicht und nehmen während einer Chemotherapie weiter ab. Im schlimmsten Fall sterben sie an Mangelernährung.

Damit es nicht dazu kommt, muss die Ernährung laut Studien an die Erkrankung und an die Therapie angepasst werden. Die Betroffenen müssen nicht nur genug essen, sondern auch auf Mikronährstoffe, Mineralstoffe und Vitamine achten wie Vitamin D, Selen, Eisen, Zink, Folsäure und die B-Vitamine.

Ein Gewichtsverlust ist oft das erste Symptom einer Krebserkrankung. Bei einer Gewichtsabnahme von mehr als zehn Prozent innerhalb eines halben Jahres sollten Betroffene eine Ernährungstherapie beginnen.

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Chat-Protokoll: Komplementäre Krebstherapie

Viel Bewegung und gute Ernährung können den Heilungsprozess bei Krebspatienten unterstützen. Die Onkologin Jutta Hübner hat im Visite-Chat Fragen zum Thema beantwortet. mehr

Welche Therapien sinnvoll sind, erklärt Onkologin Prof. Jutta Hübner.

Interview: Komplementäre Krebstherapien

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Krebskranke können die Behandlung mit Bewegung und gezielter Ernährung unterstützen. Welche Therapien sinnvoll sind, erklärt Onkologin Prof. Jutta Hübner.

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Wie Nahrungsmittel Krebs bekämpfen

Die Komplementärmedizin kann im Kampf gegen Krebserkrankungen auf zahlreiche Nahrungsmittel zurückgreifen, die das Wachstum von Tumoren hemmen:

  • Brokkoli-Sprossen wirken laut einer Studie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs gegen Krebsstammzellen. Dafür verantwortlich ist vermutlich der Inhaltsstoff Sulforaphan.
  • Die in Tomaten enthaltenen Lykopene schützen vor Krebs.
  • Grüner Tee hat sich in Studien als wirksam gegen die chronisch-lymphatische Leukämie (CLL) erwiesen. Grüner Tee enthält auch reichlich Polyphenole, die krebsfördernde freie Radikale neutralisieren.
  • Soja und Sojaprodukte wie Tofu sowie fette Fischsorten wie Lachs, Makrele und Hering wirken vorbeugend gegen Krebs. Der Zusammenhang wird auch als Grund für das geringere Krebsrisiko und die höhere Lebenserwartung von Vegetariern und Fischessern vermutet. Vor allem die hormonell bedingten Krebsformen Prostatakrebs und Brustkrebs kommen in Asien deutlich seltener vor. Dort wird statt Fleisch viel mehr Soja gegessen.
  • Eine Studie zu Brustkrebs zeigte, dass der Verzicht auf rotes Fleisch zusammen mit viel Bewegung ein deutlich längeres Überleben ermöglicht.
  • Milch oder Milchprodukte sind bei Krebs nicht generell verboten. Die in Kuhmilch enthaltenen insulinähnlichen Wachstumsfaktoren (IGF) könnten aber an der Entwicklung einiger Krebsarten beteiligt sein. Bei Prostatakrebs sollte man Milchprodukte eher meiden.
  • Auch Zucker sollten an Krebs Erkrankte eher sparsam zu sich nehmen, da der Körper auf Zucker mit einer gesteigerten Insulinproduktion reagiert und Insulin das Wachstum der Krebszellen fördert.

Hausmittel in der komplementären Krebstherapie

Hausmittel können helfen, die Nebenwirkungen einer Krebstherapie zu lindern:

  • Verstopfung: Flohsamen, Leinsamen, geriebener Apfel, gekochte Möhren
  • Durchfall: täglich ein Joghurt
  • Übelkeit: Ingwer-Tee
  • Angegriffene Schleimhäute: Kamille, Salbei-Honig-Spülungen, grüner Tee

Komplementäre Therapie nur in Absprache mit dem Arzt

Nicht in jeder Phase einer Krebserkrankung sind Naturheilmittel und krebshemmende Nahrungsmittel hilfreich. Sie können den Therapieerfolg auch gefährden und sollten deshalb nur in Absprache mit dem Arzt eingesetzt werden. So sind zum Beispiel Mistelpräparate und grüner Tee während einer Chemotherapie tabu, da sie deren Wirksamkeit beeinträchtigen. Sie dürfen deshalb nur zwischen den Zyklen der Chemotherapie eingenommen werden.

Bewegung gegen Krebs

Krebskranke können ihre Leistungsfähigkeit mit Sport aufbauen. Zahlreiche klinische Studien haben die Wirksamkeit von Sport bei Krebs untersucht und gezeigt, dass körperliche Aktivität die Nebenwirkungen einer Chemotherapie oder antihormonellen Therapie messbar reduzieren kann. Bewegung hat auch direkten Einfluss auf die Entstehung von Krebserkrankungen, ihren Verlauf und das Rückfallrisiko. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung von Krebserkrankungen und Rückfällen. Sportlich aktive Menschen können ihr Krebsrisiko um 20 bis 30 Prozent reduzieren. Tritt dennoch Krebs auf, haben sportliche Menschen ein geringeres Rückfallrisiko.

Übungen können Nebenwirkungen lindern

Welches Training sinnvoll ist, hängt von der Erkrankung und der Therapie ab. Während einer Chemotherapie ist Schwimmen zum Beispiel tabu. Prostatakrebs-Erkrankte haben nach einer Bestrahlung häufig Probleme in der Hüfte, die sich durch gezieltes Training lindern lassen. Auch die typischen Nebenwirkungen vieler Krebstherapien wie chronische Müdigkeit (Fatigue), morgendliche Steifigkeit, Gelenkbeschwerden und Muskelbeschwerden lassen sich durch gezielte Übungen reduzieren. Auch alltägliche Bewegung wie Gartenarbeit, Tanzen und lange Spaziergänge geben Körper und Seele Kraft für den Kampf gegen den Krebs.

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Interviewpartner

Prof. Dr. Jutta Hübner, Oberärztin, W2-Professorin für Integrative Onkologie
Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie
Klinik für Innere Medizin II
Universitätsklinikum Jena
Am Klinikum 1, 07747 Jena
Internet: www.uniklinikum-jena.de

Dr. phil. Thorsten Schmidt M.A., Leiter Supportivangebote Sport- und Bewegungstherapie
Krebszentrum Nord (CCC)
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3, 24105 Kiel
Tel. (0431) 500-18 205, Fax (0431) 500-18 204
Internet: www.krebszentrum-nord.de

Dr. Dietrich Gläser, Leitender Oberarzt
Klinik für Innere Medizin III
Klinikum Südstadt Rostock
Südring 81, 18059 Rostock
Tel. (0381) 44 01-61 00, Fax (0381) 44 01-61 99
Internet: www.kliniksued-rostock.de

Prof. Dr. Nicolai Maass, Direktor
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3, 24105 Kiel
Tel. (0431) 500-21 405, Fax Kiel: 0431 500-21 404
Internet: www.uksh.de

Weitere Informationen
KOKON - Kompetenznetz Komplementärmedizin in der Onkologie
c/o Klinikum Nürnberg
Prof.-Ernst-Nathan-Straße 1, 90340 Nürnberg
Tel. (0911) 398 20 06
Internet: www.kokoninfo.de

Stiftung Deutsche Krebshilfe
Buschstraße 32, 53113 Bonn
Informations- und Beratungsdienst (0800) 80 70 88 77 (Mo-Fr von 8-17 Uhr)
Internet: www.krebshilfe.de
Kostenlose Ratgeberbroschüren "Bewegung und Sport bei Krebs" und "Ernährung bei Krebs" auch zum Herunterladen im Internet: www.krebshilfe.de/blaue-ratgeber.html

Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungsinstituts
Tel. (0800) 420 30 40
Internet: www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/unkonv-methoden-index.php
Informationen, Adressen und Ansprechpartner zum komplementäre Onkologie

Studien
Krakowski-Roosen H. Sport und Krebsprävention. Der Onkologe. 2017; 23:438-45.
Lemanne D, Cassileth B, Gubili J. The role of physical activity in cancer prevention, treatment, recovery, and survivorship. Oncology. 2013;27(6):580-5.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 29.05.2018 | 20:15 Uhr

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