Stand: 03.09.2019 16:10 Uhr

Krebserkrankungen: Was kommt nach der Diagnose?

Krebs ist eine vielschichtige Krankheit, die jeden treffen kann. In Deutschland erkranken rund 480.000 Menschen im Jahr an Krebs. Im Norden wird jährlich bei etwa 90.000 Menschen Krebs diagnostiziert, knapp 500.000 Norddeutsche leben mit einer Krebserkrankung. Nach der Diagnose verändert sich das Leben schlagartig, viele Fragen tauchen auf. Die norddeutschen Krebsgesellschaften, Partner der diesjährigen NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland", unterstützen Menschen mit Krebserkrankungen und ihre Familien.

Was ist Krebs?

Von einer Krebserkrankung spricht man, wenn körpereigene Zellen nicht mehr ihre ursprüngliche Aufgabe wahrnehmen, wie zum Beispiel Muskelaufbau, Stoffwechsel oder Fortpflanzung, sondern sich verändern, teilen und unkontrolliert vermehren. Dadurch kann sich eine Geschwulst im Gewebe bilden, ein sogenannter Tumor. Tumoren können gutartig oder bösartig sein, fachsprachlich nennt man sie benigne oder maligne Tumoren. Nur bösartige Tumoren bezeichnet man als Krebs.

Welche Diagnosemethoden gibt es?

Häufig dauert es viele Wochen, bis eine Diagnose gestellt werden kann und alle Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen. Unterschiedliche Diagnosemethoden, zum Beispiel bildgebende Verfahren wie Röntgen, Magnetresonanztomografie, Computertomografie, Ultraschalluntersuchungen oder endoskopische Untersuchungen (Spiegelungen) helfen ebenso wie Laboruntersuchungen und Gewebeproben dabei, die Diagnose stellen zu können und eine individuelle Therapie zu planen. Dabei ist ein engmaschiger Austausch mit den behandelnden Ärzten wichtig, sodass Fragen und Unsicherheiten geklärt werden können.  

Welche Therapieformen gibt es?

Den "einen" Krebs gibt es nicht: Jede Tumorart ist anders und der Verlauf kann sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Daher benötigt jede Patientin, jeder Patient eine Behandlung, die auf die individuelle Situation zugeschnitten ist. Dies gilt für Chemotherapie, Strahlentherapie und operative Eingriffe. Es gibt mittlerweile auch zahlreiche Angebote im Bereich der Komplementärmedizin (alternative, ergänzende Medizin). Patienten sollten sich immer mit den behandelnden Ärzten besprechen und beraten lassen, welche Angebote Sinn machen könnten.

Wo finde ich Beratungsangebote?

Die Krebsgesellschaften in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg bieten medizinische, psychologische und soziale Beratung für Betroffene und Angehörige an. Die Verbesserung der psychosozialen Situation von Krebspatienten und ihren Angehörigen gehört zu ihren wichtigsten Aufgaben. Sie bieten umfassende Informationen sowie Beratung und Begleitung während des gesamten Krankheitsverlauf. Das Beratungsangebot ist vertraulich, kostenlos und unabhängig.

Was ist eine psychoonkologische Beratung?

Das Leben mit Krebs kostet Kraft und wirft viele Fragen auf. Die Psychoonkologie in der Krebsmedizin versucht den Zusammenhängen zwischen Körper und Seele Rechnung zu tragen und sie therapeutisch für die Patienten zu nutzen. Studien belegen, dass Patienten und Angehörige, die in einem psychoonkologischen Rahmen betreut werden, besser über die Krankheit und Therapien informiert sind, in der Folge deutlich weniger unter Depressionen und Ängsten leiden und weniger Schmerzen haben. Frühzeitige Hilfe kann die Mitarbeit bei der Behandlung fördern und schweren seelischen Folgeerkrankungen vorbeugen.

Wo finde ich Selbsthilfegruppen?

Selbsthilfegruppen können zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung eine Hilfe und Unterstützung sein. Sie geben Tipps und Erfahrungen weiter, setzen sich aber auch für die Interessen Betroffener in der Gesundheitspolitik und der Öffentlichkeit ein. Und manchmal lenken sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch einfach mal mit Unternehmungen in der Gruppe vom Kranksein ab. Die Krebsgesellschaften verfügen über ein umfangreiches Netzwerk zu Selbsthilfegruppen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg.

Wo finden Angehörige Unterstützung?

Krebs betrifft nicht nur die Erkrankten. Auch das Leben ihrer Familien und engen Freunde verändert sich. Mit der Situation umzugehen, ist für alle nicht leicht: Patientinnen und Patienten teilen ihre Angst vor der Zukunft mit den Menschen, die ihnen nahestehen. Die Krebsgesellschaften bieten ein großes Angebot für den Austausch und die Beratung für Angehörige.

Was ist der Sozialdienst im Krankenhaus?

Alle Patienten und Angehörige haben die Möglichkeit, direkt Kontakt zum Sozialdienst aufzunehmen. In der Regel findet dann ein persönlicher Kontakt statt. Unter Einbeziehung ärztlicher und pflegerischer Informationen und der Abstimmung der weiteren Vorgehensweise wird mit dem Patienten und gegebenenfalls mit den Angehörigen nach geeigneten Hilfsmöglichkeiten gesucht. Der Sozialdienst gibt Unterstützung und Hilfestellung nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe". Themen können sein: Hilfen bei der Entlassung, Organisation häuslicher Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst und/oder Angehörige, Organisation von Kurzzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung oder Beratung zu ergänzenden Angeboten, zum Beispiel Hausnotruf, Hilfsmittelversorgung, hauswirtschaftliche Hilfen, Kinderbetreuung oder Essen auf Rädern.

Ist ein Schwerbehindertenausweis von Vorteil?

Bei einer bösartigen Krebserkrankung wird empfohlen, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Bei einer malignen Tumorerkrankung erhalten Krebserkrankte meist einen Grad der Behinderung (GdB) von 50. Damit gelten bestimmte rechtliche Vorgaben am Arbeitsplatz, bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder steuerliche Vergünstigungen. Der Ausweis wird vorerst auf die Heilungsbewährungszeit befristet. Danach wird der Grad der Behinderung entsprechend dem Gesundheitszustand angepasst.

Auf welche Sozialleistungen habe ich Anspruch?

Wer die Diagnose "Krebs" erhält, sorgt sich häufig nicht nur um seine Gesundheit, sondern auch um den Arbeitsplatz und sein Einkommen. Eine Krankschreibung über einen langen Zeitraum verschlechtert bei vielen Patientinnen und Patienten die finanzielle Situation. Auch aus diesem Grund wollen viele Betroffene nach der Therapie wieder arbeiten. Doch es gibt Menschen, die längere Zeit mit den Folgen der Erkrankung zu kämpfen haben und womöglich dauerhaft unfähig sind, ihren Beruf auszuüben. Der Wegweiser zu Sozialleistungen der Deutschen Krebshilfe bietet Informationen und Unterstützung.

Was passiert bei einer Pflegebedürftigkeit?

Bei einer Krebserkrankung können sich viele nicht mehr alleine versorgen. Angehörige von Erkrankten übernehmen dann Pflege und Aufgaben, um die sich vorher die Patientin oder der Patient gekümmert haben. Daher ist es besonders wichtig, die eigenen Kräfte zu stärken und sich bei Bedarf Unterstützung zu suchen. Die Deutsche Krebsgesellschaft hilft dabei, die richtigen Anlaufstellen zu finden.

Was ist eine Wiedereingliederung?

Viele Berufstätige schaffen den Sprung zurück ins Arbeitsleben ohne großen Aufwand. Doch was tun, wenn dies nicht klappt? Wem es schwerer fällt, der sollte sich nicht scheuen, die Angebote zu einem schonenderen Wiedereinstieg unter ärztlicher Anleitung anzunehmen. Diese stufenweise Wiedereingliederung ist auch als das "Hamburger Modell" bekannt. Die Beratungsstellen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg helfen dabei, einen geeigneten Weg zu finden und das Gespräch mit den Arbeitgebern aufzunehmen.

Was versteht man unter Palliativmedizin?

Palliativmedizin ist die aktive und ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer fortschreitenden Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung. Die Erkrankung kann nicht mehr geheilt werden. Das Ziel in der Palliativmedizin ist der Erhalt der bestmöglichen Lebensqualität bis zum Tod.

Was bedeuten Vorsorge und Früherkennung?

Krebs erkennen, bevor er entsteht oder Beschwerden macht: Das ist das Ziel der Krebsvorsorge und Krebsfrüherkennung. In Deutschland haben Frauen und Männer einen Anspruch darauf, sich im Lauf ihres Lebens auf verschiedene Krebsarten hin untersuchen zu lassen. Dazu gehören Brustkrebs, Darmkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Hautkrebs und Prostatakrebs. Die Kosten der Untersuchungen übernehmen die Krankenkassen. Die Teilnahme an der Krebsvorsorge ist freiwillig. Wer nicht teilnehmen möchte, hat dadurch keinen Nachteil gegenüber der Versicherung oder bei der ärztlichen Behandlung. Hilfe bei der Entscheidung für oder gegen eine Untersuchung leisten die Haus- und Fachärzte. Informationen zu den Themen Vorsorge oder Früherkennung bieten die Krebsgesellschaften in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg.

Dieses Thema im Programm:

13.12.2019 | 20:15 Uhr

Ernährung

Die richtige Ernährung bei Krebs

Bei Krebs ist eine ausgewogene Ernährung wichtig, um starken Gewichtsverlust zu vermeiden und die Therapie zu unterstützen. Was sollten Krebskranke essen? mehr

Ernährung bei Krebs: Mythen und Fakten

Hilft Essen gegen Krebs? In Ratgebern werden die verschiedensten Kuren und Anti-Krebs-Diäten angepriesen. Die Ernährungs-Docs warnen vor "Geheimtipps" und einseitigen Diäten. mehr

Ernährung in der Brustkrebs-Nachsorge

Entzündungshemmende Antioxidantien, wenig Fleisch, viel frisches Gemüse und gute Öle: Der Speiseplan in der Nachsorge sollte sich an der Mittelmeer-Kost orientieren. mehr

Therapie

Kaltes Plasma: Neue Waffe gegen Krebs?

Seit Kurzem setzt die Medizin ionisiertes Gas ein, sogenanntes kaltes Plasma. Tumorzellen sterben offenbar beim Kontakt damit rasch ab, während gesunde Zellen intakt bleiben. mehr

Medizin-Nobelpreis: Immuntherapie gegen Krebs

Für die Entdeckung der Immuntherapie bei Krebs haben Forscher den Medizin-Nobelpreis erhalten. Die Behandlung unterstützt das Immunsystem, Tumoren zu bekämpfen. mehr

Krebs: Wann ist Naturheilkunde sinnvoll?

Als Ergänzung zur Schulmedizin hoffen viele Krebskranke auf Therapien aus der Naturheilkunde. Wann sind die Verfahren der komplementären Krebsmedizin sinnvoll? mehr

Mehr Ratgeber

11:57
Mein Nachmittag
10:33
Mein Nachmittag