Stand: 08.03.2019 13:30 Uhr  | Archiv

Krebs: Preistreiberei mit neuen Medikamenten

von Christine Seidemann und Sara Rainer
Diverse Blister mit verschieden farbigen Tabletten. © Fotolia Foto: PhotoSG
Für neue Medikamente gibt es nach der Markteinführung ein Jahr lang keine Preisbindung (Themenbild).

Die Kosten für neue Medikamente sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Als besonders teuer zeigen sich immer wieder Krebsmedikamente. Der Arzneiverordnungs-Report 2018 offenbart, neun von zehn Neuentwicklungen im onkologischen Bereich kosteten 2017 mehr als 60.000 Euro pro Jahr und Patient. Die steigenden Kosten belasten die Krankenkassen stark, teilte der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen mit.

Viele Neuentwicklungen im Bereich Onkologie

In den vergangenen Jahren sind im Bereich der Onkologie viele Neuentwicklungen gemacht worden, die für Krebspatienten einen großen Fortschritt bedeuten. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen erklärte, die Ausgaben für Krebsmedikamente, die eine Heilung ermöglichen oder die Krankheit aufhalten und so eine Rückkehr in das normale Leben erlauben, seien nicht nur eine Investition in die Gesundheit der einzelnen Patienten, sondern auch im Sinne des Gesundheitssystems eine gesunde Investition für die gesamte Volkswirtschaft.

Frühe Markteinführung für deutsche Patienten

Neue Medikamente werden durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA für ganz Europa gleichzeitig zugelassen. Trotzdem können deutsche Patienten sie oft schneller erhalten als im benachbarten Ausland. Denn während dort auf die Zulassung intensive Preisverhandlungen folgen, können die Hersteller ihre Medikamente in Deutschland sofort auf den Markt bringen und den Preis selbst bestimmen. Erst im zweiten Jahr müssen sich Pharmaunternehmen und Krankenkassen auf einen Preis einigen. Preissenkungen um 50 Prozent sind dann keine Seltenheit.

Preis wird erst im zweiten Jahr festgesetzt

Experten bemängeln nicht nur, dass neue Medikamente teuer sind, sondern auch, dass ihr tatsächlicher Nutzen bei der Zulassung oft noch nicht zu erkennen ist. In Deutschland bewertet ein Bundesausschuss jedes neu zugelassene Medikament. Der Arzneiverordnungs-Report 2018 zeigt: Bei neun von zehn neuen Krebsmedikamenten erkannte der Bundesausschuss keinen Beleg für einen Zusatznutzen gegenüber älteren, preiswerteren Medikamenten. Die Bewertung durch den Bundesausschuss ist die Grundlage für die Preisverhandlungen zwischen Pharmaherstellern und den Krankenkassen.

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