Sendedatum: 10.09.2019 20:15 Uhr

Kliniken operieren oft ohne nötige Routine

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Je häufiger ein Chirurg eine Operation durchführt, umso geringer ist in der Regel die Gefahr von Komplikationen.

40 Prozent der Kliniken in Deutschland führen komplizierte Operationen durch, ohne die vorgeschriebene Anzahl an Eingriffen durchgeführt zu haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Sommer 2019 veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung. Untersucht wurden im Jahr 2017 durchgeführte Eingriffe aus dem sogenannten Mindestmengenkatalog.

Eine der Operationen, auf die das zutrifft, ist der Einsatz eines künstlichen Kniegelenks: 2017 wurden 2.179 dieser Eingriffe in Kliniken durchgeführt, die die erforderlichen Fallzahlen von 50 im Jahr nicht eingehalten haben. Für Erkrankte bedeutet das ein erhöhtes Risiko für Komplikationen.

Tropf im Fordergrund und Ärzte während einer OP

Kliniken operieren oft ohne nötige Routine

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Viele Kliniken führen laut einer Studie Operationen durch, ohne dass sie die vorgeschriebene Anzahl an Eingriffen durchgeführt haben. Eine mögliche Folge sind Komplikationen.

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Operationen im Mindestmengenkatalog

Den gesetzlich vorgegebenen Mindestmengenkatalog gibt es seit 2004. In den Katalog gehören sieben Eingriffe, von denen sechs in der Bertelsmann-Studie berücksichtigt wurden:

  • Stammzellentransplantation (Mindestmenge: 25 Fälle pro Jahr)
  • Nierentransplantation (25 Fälle pro Jahr)
  • Lebertransplantation (20 Fälle pro Jahr)
  • komplexe Eingriffe an der Speiseröhre (10 Fälle pro Jahr)
  • komplexe Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse (10 Fälle pro Jahr)
  • Einsatz künstlicher Kniegelenke (50 Fälle pro Jahr)

Die im Mindestmengenkatalog aufgeführte Versorgung von Frühgeborenen (14 Fälle pro Jahr) wurde in der Untersuchung nicht berücksichtigt.

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Mindestmenge an Operationen oft unterschritten

Laut Bertelsmann-Studie zeigt der Mindestmengenkatalog kaum Wirkung: 458 von 1.152 Kliniken führten 2017 komplexe Eingriffe durch, obwohl sie die vorgegebenen Fallzahlen unterschreiten - insgesamt etwa 4.300 Operationen. Zudem seien auch die Qualitätsberichte der Kliniken in vielen Fällen unvollständig. Konsequenzen gibt es für die Kliniken bisher nicht.

Verschärfte Regelungen für OP-Mindestmenge

Seit dem 1. Januar 2018 sind neue Regelungen in Kraft, die das Einhalten und Kontrollieren der Mindestmengenregelung transparenter machen sollen. Krankenhäuser müssen nun jährlich eine Prognose gegenüber den Krankenkassen abgeben, ob sie die Mindestmengen erreichen werden. Falls nicht, darf der Eingriff im kommenden Jahr nicht durchgeführt werden. Allerdings beziehen sich die Mindestzahlen auf die Klinik und nicht auf den Operateur. Ein Rechenbeispiel: Wenn man 50 Operationen auf fünf Ärzte aufteilt, kommen auf jeden Chirurgen nur zehn Operationen.

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Wenig Routine, gefährliche Folgen

Haben Ärzte in einer Klinik wenig Routine, weil sie eine Operation selten durchführen, kann es zu Komplikationen kommen, die eine Nachbehandlung erfordern. Das bedeutet nicht nur Stress für die Erkrankten, sondern auch zusätzliche Kosten für die Krankenkassen.

Wie wichtig Erfahrung bei Operationen ist, zeigen zwei Studien:

  • Eine US-amerikanische Studie kommt zu dem Ergebnis, das mehr als 50 Prozent aller frühzeitigen Wechseloperationen von Hüftprothesen vermeidbar gewesen wären, wenn bei der Implantation sorgfältiger gearbeitet worden wäre.

  • Die aktuelle Bertelsmann-Studie zeigt, dass es nach einer Bauchspeicheldrüsen-Operationen in Kliniken mit erfahrenen Teams zu deutlich weniger Komplikationen kommt. Die Studie zeigt auch: Kommt es nach der OP zu einer Blutvergiftung, ist die Sterblichkeitsrate in Kliniken mit unerfahrenen Teams um 60 Prozent höher.

Hüft-OP: Mindestmenge gefordert

Für das Einsetzen einer Hüftprothese gibt es bisher keine vorgeschriebene Mindestmenge. Der Eingriff gilt zwar als weniger schwierig als der Einsatz einer Knieprothese, dennoch kommt es immer wieder zu Fehlern. Experten fordern deshalb auch für Hüft-Operationen eine Mindestmenge von 50 Operationen und bessere Kontrollen. Eine andere mögliche Lösung ist die Einrichtung spezialisierter Fachzentren.

Gelenk-Ersatz: So findet man die richtige Klinik

Über 400.000 künstliche Hüft- und Kniegelenke werden jährlich in Deutschland implantiert. Um das bestmögliche OP-Ergebnis zu erzielen, sollten Betroffene selbst vorsorgen und sich vor der Entscheidung für eine Klinik gründlich informieren:

  • Wie viele Prothesen wurden pro Jahr implantiert? Diese Angaben sind im öffentlich zugänglichen Qualitätsbericht des Krankenhauses zu finden. Mindestens 300 Eingriffe sprechen für viel Erfahrung.

  • Wie viele Eingriffe hat der jeweilige Operateur pro Jahr durchgeführt? Mindestens 50 Hüft- beziehungsweise Kniegelenk-OPs sollten es sein.

Außerdem sollte man sich als Erkrankter ernst genommen und gut aufgeklärt fühlen. Die Ärzte sollten insbesondere über alternative Behandlungen und mögliche Komplikationen einer Operation informieren.

Sich erst informieren und die für das Problem geeignete Klinik aussuchen: Das gilt für jeden planbaren Eingriff - besonders aber, wenn es sich um Operationen handelt, die Erfahrung beim Chirurgen voraussetzen.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Karl-Dieter Heller, Chefarzt
Orthopädische Klinik im Herzogin Elisabeth Hospital
Leipziger Straße 24
38124 Braunschweig
www.heh-bs.de

Prof. Dr. Thorsten Gehrke
Ärztlicher Direktor
Helios ENDO-Klinik
Holstenstraße 2
22767 Hamburg
www.helios-gesundheit.de

Weitere Informationen
Bertelsmann Stiftung
www.bertelsmann-stiftung.de

Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik
www.ae-germany.com

EndoCert-Qualitätssiegel
endocert.de

Endoprothesenregister Deutschland
www.eprd.de

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