Stand: 18.09.2018 09:08 Uhr  | Archiv

Dornröschen-Syndrom: Schlaf als Krankheit

Frau schläft im Bett. © fotolia.com Foto: lenets_tan
Beim Kleine-Levin-Syndrom fallen Betroffene in einen rätselhaften Schlaf.

Beim Kleine-Levin-Syndrom ("Dornröschenschlaf") schlafen Betroffene mehrere Tage, Wochen oder Monate am Stück. Sie stehen nur auf, um zu essen und zur Toilette zu gehen, sind dann aber wie in Trance. Die einzelnen Schlafepisoden können mehrmals im Jahr auftreten. Meist beginnen sie innerhalb weniger Stunden. Zwischen den Episoden zeigen Betroffene keine Auffälligkeiten.

Ursachen für Kleine-Levin-Syndrom unbekannt

Die Ursachen für das Kleine-Levin-Syndrom sind unbekannt. Mediziner haben derzeit zwei mögliche Erklärungen für die langen Schlafepisoden

  • Autoimmunreaktion: Entzündungen im Gehirn könnten das Kleine-Levin-Syndrom auslösen, denn die Krankheit tritt häufig in Zusammenhang mit einer Infektion auf.
  • Genetische Veranlagung: Das Immunsystem der Betroffenen könnte anfällig für den "Dornröschenschlaf" sein.

Diagnose wird oft spät gestellt

Das Kleine-Levin-Syndrom tritt oft zum ersten Mal rund um die Pubertät auf. Für eine sichere Diagnose des Kleine-Levin-Syndroms müssen innerhalb eines Jahres mindestens zwei Schlafepisoden mit einer Dauer von 2 bis 42 Tagen aufgetreten sein. Bei den meisten Erkrankten hören die Schlafepisoden ab dem 30. Lebensjahr wieder auf - ohne Medikamente.

Um andere Krankheiten wie Narkolepsie und Epilepsie auszuschließen, werden Betroffene im Schlaflabor untersucht. So können Hirnaktivität, Sauerstoffsättigung und Bewegungen während des Nachtschlafs beobachtet werden.

Weil die Krankheit sehr selten ist, stellen Ärzte die Diagnose oft spät. Für Betroffene und Angehörige ist das eine Belastung. Sie werden häufig nicht ernst genommen, ihre Beschwerden auf eine mögliche psychische Erkrankung geschoben.

Symptome beim Kleine-Levin-Syndrom

Zusätzlich zur extremen Schläfrigkeit zeigen Betroffene während der Episoden mindestens eines der folgenden Symptome:

  • Kognitive Beeinträchtigung: Verlangsamung, Verwirrtheit, Gedächtnislücken, Apathie
  • Gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Umgebung (Gefühl, wie in einem Traum zu leben)
  • Essstörungen
  • Hypersexualität
  • Halluzinationen

Beim Versuch, die Erkrankten zu wecken, reagieren sie oft aggressiv. Am Ende einer Episode werden viele Betroffene depressiv. Nach dem Aufwachen kann bei einigen Betroffenen der Eindruck entstehen, sie müssten die verschlafene Zeit nachholen. Sie schlafen dann teilweise ein bis zwei Tage nicht.

Kleine-Levin-Syndrom behandeln

Bisher liegen keine Studien zu medikamentösen Therapien beim Kleine-Levin-Syndrom vor. Die Erfahrungen stützen sich in der Regel auf einzelne Fallberichte:

  • Hochdosiertes Kortison kann bei Episoden, die länger als 30 Tage dauern, die nächste Episode verkürzen.
  • Stimulanzien können die Schläfrigkeit eindämmen.
  • Anti-Psychotika oder Beruhigungsmittel können die Psyche unterstützen.
  • Bei mehr als vier Episoden pro Jahr kann Lithium die Häufigkeit des Auftretens reduzieren.

Weitere Informationen
Junge Frau im Bett schaut wütend auf den Wecker, der auf dem Nachttisch steht. © colourbox

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Experten zum Thema

Dr. Anna Heidbreder, Schlafmedizinerin
Universitätsklinikum Münster
Institut für Schlafmedizin und Neuromuskuläre Erkrankungen
Albert-Schweitzer-Campus 1, 48149 Münster
www.ukm.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 18.09.2018 | 20:15 Uhr

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