Stand: 01.07.2019 13:48 Uhr

Joghurt als Medizin: Darmflora unterstützen

Naturjoghurt im Glas serviert © fotolia Foto: ji_images
Probiotika kommen in milchsauren Produkten wie Joghurt, Kefir und Buttermilch vor.

Bei einer Behandlung mit Antibiotika kann probiotischer Joghurt einer Infektion mit dem gefährlichen Bakterium Clostridium difficile vorbeugen. Nach einer Antibiotika-Therapie leiden zwei Drittel der Betroffenen an Durchfällen. Denn Antibiotika zerstören nicht nur krankmachende, sondern auch nützliche Bakterien und können dadurch die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen. Ob Probiotika im Joghurt auch bei gesunden Menschen zu einer besseren Darmflora beitragen, ist umstritten.

VIDEO: Joghurt als Medizin: Darmflora unterstützen (6 Min)

Gefährliche Infektion mit Clostridium difficile

Das Bakterium Clostridium difficile ist für etwa 15 bis 20 Prozent der Durchfallerkrankungen verantwortlich, die durch Antibiotika ausgelöst werden. Seine Giftstoffe verursachen lebensgefährliche Darmentzündungen, die sich durch schwere, plötzlich einsetzende, wässrige Durchfälle mit Übelkeit, Bauchschmerzen und Fieber äußern. Typischerweise haben die Durchfälle einen fauligen Geruch.

Probiotika in Milchprodukten und Präparaten

Unter dem Begriff Probiotika werden verschiedene Mikroorganismen zusammengefasst, zum Beispiel Milchsäurebakterien (Lactobacillus casei) und Hefepilze. Sie tragen dazu bei, die Barrierefunktion des Darms zu stärken und die übermäßige Ausbreitung von Krankheitserregern zu verringern.

Probiotika kommen natürlicherweise in milchsauren Produkten vor, zum Beispiel Joghurt, Kefir, Buttermilch und Sauerkraut. Bei probiotischen Joghurts werden zusätzlich größere Mengen eines Bakterienstamms hinzugefügt. Als Arzneimittel sind Probiotika in Kapsel- und Tropfenform erhältlich. Die meisten Präparate enthalten Bifido- und Laktobakterien. Für positive Effekte sind mehr als eine Million Mikroorganismen nötig.

Darmflora bei jedem Menschen unterschiedlich

Jeder Mensch besitzt eine eigene, individuelle Zusammensetzung der Darmflora, die vor allem durch die Ernährung und immunologische Prozesse beeinflusst wird. Sie ist wichtig für die Verdauung, die Abwehr von Krankheitserregern und die Stärkung des Immunsystems. Die Darmflora besteht beim Menschen aus rund 2.000 verschiedenen Arten von Darmbakterien. Insgesamt bringen es die etwa 100 Billionen Bakterien im Darm auf ein Gewicht von bis zu zwei Kilogramm.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Harald Matthes
Leitender Arzt Gastroenterologie, Ärztlicher Leiter, Geschäftsführer
Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe gGmbH
Klinik für Anthroposophische Medizin
Kladower Damm 221, 14089 Berlin
(030) 36501-699

Prof. Dr. Andreas Stallmacher
Direktor der Klinik für Innere Medizin IV - Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie
Klinikum der Universität Jena
Am Klinikum 1, 07747 Jena
(03641) 9 32 42 21

Dieses Thema im Programm:

Visite | 02.07.2019 | 20:15 Uhr

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