Stand: 29.04.2019 12:27 Uhr

Individuelle Therapien gegen Brustkrebs

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Einige Erkrankte profitieren von neuen Erkenntnissen bei der Behandlung von Brustkrebs.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Deutschland ist jede achte Frau betroffen. NeueTherapien entwickeln sich ständig weiter. Davon können Betroffene zum Beispiel durch weniger Chemotherapien, kürzere Bestrahlungszeiten und durch neue Medikamente, die auch bei fortgeschrittener Erkrankung eine gute Lebensqualität erhalten, profitieren.

Ein Radiologe begutachtet die Bilder einer Brustkrebspatientin

Individuelle Therapien gegen Brustkrebs

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Brustkrebs lässt sich in einigen Fällen mit weniger Chemotherapien und Bestrahlungen behandeln. Das Wachstum fortgeschrittener Tumoren kann eine Antihormontherapie hemmen.

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Chemotherapie nicht immer erforderlich

Um bei Brustkrebs eine passende Therapie festlegen zu können, werden die Eigenschaften des Tumors in der Pathologie untersucht. An den Ergebnissen dieser histologischen Untersuchungen können Mediziner zum Beispiel häufig erkennen, ob eine Chemotherapie nötig ist. Nicht erforderlich ist eine Chemotherapie in der Regel, wenn diese Kriterien erfüllt sind:

  • kein Lymphknotenbefall
  • Tumor ist eher klein
  • eher geringer Malignitätsgrad (Bösartigkeit)
  • hormonabhängiger Tumor, langsam wachsend
  • Alter über 50 Jahre

Bei rund 18 Prozent der Frauen mit Brustkrebs bringt die histologische Untersuchung kein eindeutiges Ergebnis. In diesem Fall kann ein Gentest des Tumorgewebes Auskunft darüber geben, ob der Tumor dazu neigt, erneut zu wachsen. Die Kassen zahlen die rund 3.000 Euro für die Untersuchung derzeit aber nicht. Die Frauen müssen die Kosten für den Gentest selber tragen.

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Kürzere Strahlentherapie mit gleicher Wirkung

Können Ärzte auf eine Chemotherapie verzichten und den Brustkrebs in einer brusterhaltenden Operation entfernen, wird anschließend in der Regel eine Strahlentherapie durchgeführt. Dadurch lässt sich das Risiko für das Wiederauftreten eines Tumors in der Brust um die Hälfte senken.

Nach aktuellen Erkenntnissen ist dabei eine dreiwöchige Strahlenbehandlung ausreichend, früher waren sechs Wochen üblich. Die Einzeldosis pro Bestrahlung wird erhöht. Die verkürzte Therapie ist genauso wirksam, die Nebenwirkungen sind in der Regel geringer. Bisher hat sich die verkürzte Therapie in Deutschland allerdings noch nicht flächendeckend durchgesetzt.

Antihormontherapie hemmt Tumor-Wachstum

Hormonabhängige Tumore gehören beim Brustkrebs zu den häufigsten Karzinomen. Bei der Behandlung ist die Antihormontherapie eine wichtige Säule: Damit könnten Ärzte auch fortgeschrittenen Brustkrebs behandeln. Die Antihormontherapie soll verhindern, dass die weiblichen Hormone Progesteron und Östrogen das Wachstum der hormonabhängigen Tumorzellen anregen. Allerdings kann die Wirkung der Therapie mit der Zeit nachlassen und möglicherweise neue, nachwachsende Tumorzellen nicht mehr ausreichend bekämpfen.

Ergänzend zur Hormontherapie kann dann ein neuer Wirkstoff, ein CDK4/6-Hemmer, die Zellteilung neuer Krebszellen blockieren.

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Experten zum Thema

Priv.-Doz. Dr. Kay Friedrichs
Mammazentrum Hamburg, Gynäkologische Onkologie
Jerusalem Krankenhaus Hamburg
Moorkamp 2-6
20357 Hamburg
(040) 44 19 05 50
www.mammazentrum-hamburg.de

Prof. Dr. Annette Lebeau, Oberärztin
Fachärztin für Pathologie
Institut für Pathologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Prof. Dr. med.Cordula Petersen
Fachärztin für Strahlentherapie
Fachärztin für Radiologie
Zentrum für Onkologie
Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Weitere Informationen
Krebshilfe: Kostenfreie Broschüren
https://www.krebshilfe.de

Krebsinformationsdienst: Brustkrebs
https://www.krebsinformationsdienst.de

 

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Visite | 30.04.2019 | 20:15 Uhr

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