Stand: 26.02.2018 13:15 Uhr  | Archiv

So kommen Sie heil aus dem Krankenhaus

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Wie viel Geld das Krankenhaus für einen Patienten bekommt, hängt von der jeweiligen Fallpauschale ab. Um so wichtiger, sich Gehör zu verschaffen.

Falsche Spritzen, verwechselte Medikamente, vertauschte Röntgenbilder: Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte sind Menschen, die auch Fehler machen. Und der Kostendruck im Krankenhaus setzt sie gewaltig unter Druck. Eine Folge: Das Risiko, dass etwas falsch läuft, steigt.

Wer als Patientin oder Patient im Krankenhaus sein muss, sollte deshalb - wenn möglich - mitdenken, sprechen und nachfragen. Was können Patienten tun, um möglichst gut und sicher einen Krankenhausaufenthalt zu überstehen? Antworten im Überblick. Eine ausführliche Checkliste zum Download bietet ein Portal der Bertelsmann-Stiftung.

Vorab klären: Muss die Operation wirklich sein?

Besonders lukrativ für Krankenhäuser sind Operationen. Aber nicht immer sind teure Untersuchungen oder operative Eingriffe medizinisch notwendig. Der behandelnde Arzt sollte folgende Fragen beantworten können:

  • Ÿ Welchen Nutzen hat der Eingriff?
  • Ÿ Welche Risiken hat er?
  • Ÿ Was soll mit dem Eingriff erreicht werden?
  • Ÿ Gibt es Alternativen?
  • Ÿ Welche Folgen hat es, wenn gar nichts gemacht wird?

Wen die Antworten nicht überzeugen, sollte eine zweite Meinung von einem anderen Arzt einholen. Die Unabhängige Patientenberatung (UPD) weist darauf hin, dass es "qualitätsgesicherte, medizinische Informationen" auch im Internet gibt: etwa bei gesundheitsinformation.de, patienten-information.de oder krebsinformation.de. Sich im Vorwege über Krankheitsbild und Behandlungen zu informieren, helfe zudem im Arzt-Patienten-Gespräch, die richtigen Fragen zu stellen. Die UPD selbst bietet sowohl per Telefon als auch Online eine individuelle Beratung an.

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Wer eine Operation vor sich hat, sollte überlegen, ob sie oder er einer Vertrauensperson eine Vorsorgevollmacht ausstellt. Komplikationen können dazu führen, dass man nach einem Eingriff vielleicht nicht in der Lage ist, bestimmte Entscheidungen selbst zu fällen oder sich beispielsweise um Geldangelegenheiten zu kümmern.

Bei der Anmeldung im Krankenhaus sollten Patienten Einweisungspapiere und Gesundheitskarte bereithalten. Auch Befunde, ein Medikationsplan, wenn vorhanden, sowie Angaben zu Medikamenten-Unverträglichen oder Allergien sollte man hier angeben.

Vorbereitung auf eine Operation

Wer krank ist, ist oft auch geschwächt und unaufmerksam. Darüber, wie eine Operation abläuft und was für eine Anästhesie gemacht wird, werden Patienten im Vorwege informiert - beispielsweise bei einem ambulanten Termin vorab oder auf der Station. Angehörige können und sollten dabei sein. Vier Augen und Ohren bekommen mehr mit als zwei.

Egal ob man allein in einem Gespräch mit dem Arzt ist oder jemand dabei ist: Es ist in jedem Fall hilfreich, sich dabei Notizen zu machen. Auch vorher Fragen aufzuschreiben, kann sinnvoll sein: vor allem etwa zu Ablauf und Dauer der Operation. Wichtig zu wissen ist aber auch, wie die Heilung vermutlich abläuft, wie lange der Patient im Krankenhaus bleiben muss und ob eine Reha vorgesehen ist. Immer nachfragen, wenn etwas unverständlich ist.

Vor jeder Operation ist heute ein sogenanntes Team-Time-Out Standard. Bei diesem Sicherheitscheck - ähnlich dem eines Piloten vor dem Abflug - wird unter anderem noch mal im Team abgefragt, um welchen Patienten es sich handelt und welche Operation an welchem Körperteil vorgenommen werden soll. Erst wenn alle zustimmen, macht der Chirurg den ersten Schnitt. Prinzipiell ist es sinnvoll nachzufragen, ob das Krankenhaus mit solchen Verfahren beziehungsweise strukturierten OP-Checklisten arbeitet, so die Experten der UPD.

Im Alltag auf der Station bestehen

Pflegekräfte und Ärzte haben oft kaum noch Zeit, ihre Aufgaben so sorgfältig und in Ruhe zu erledigen, wie sie es gern würden - von Zuwendung dem Patienten gegenüber ganz zu schweigen. Kennt der Patient Ärzte und Pflegepersonal beim Namen, erleichtert das den Umgang.

In einem Notizheft kann man alle Namen, Telefonnummern, Informationen und zu erledigende Dinge aufschreiben. Wer selbst dazu nicht in der Lage ist, sollte Angehörige und Freunde bitten es zu tun. Auch Fragen, die man dem Arzt bei der nächsten Visite stellen möchte, kann man dort festhalten. Alle Unklarheiten sollten Patienten oder ihre Angehörigen unbedingt ansprechen, so die UPD. Das gelte auch für Fragen rund um besondere Kostformen.

Wer mehr als drei Medikamente einnehmen muss, hat einen gesetzlichen Anspruch auf einen Medikationsplan. Die UPD weist daraufhin, dass damit Fehlern bei der Medikamentengabe vorgebeugt werden könne. Außerdem komme es bei der Behandlung im Krankenhaus meist zu einer Umstellung der Medikamente. Wer sich unsicher ist, welche Präparate er in welcher Menge bekommt, sollte immer nachfragen.

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Nicht nur das Personal sollte in Sachen Hygiene auf dem neuesten Stand und professionell geschult sein. Auch Besucher sollten die Grundregeln der Hygiene kennen. Bevor sie in das Stationszimmer kommen, haben sie vielleicht Hände geschüttelt, U-Bahn-Haltegriffe, Fahrstuhlknöpfe oder Einkaufswagen angefasst oder haben sich sogar nach einem Toiletten-Gang nicht ausreichend die Hände gewaschen.

Bereits am Eingang oder an der Tür zur Station angebrachte Spender mit Desinfektionsmittel unbedingt benutzen. Besucher sollten ihre Hände gerade beim Kommen desinfizieren. Aber auch nach dem Besuch ist die Reinigung sinnvoll, um keine Krankenhauskeime mit nach Hause zu nehmen.

Wer hilft bei seelischen Beschwerden?

Eine Krankheit oder eine Operation können dazu führen, dass man sich hilflos fühlt und Zuspruch braucht. Den können auch Angehörige und Freunde nicht immer geben. Die meisten modernen Krankenhäuser haben daher eine Klinik-Seelsorgerin oder einen Klinik-Seelsorger.

Zwar stehen dahinter meist die beiden großen christlichen Kirchen. Doch das Angebot können alle Patienten wahrnehmen, egal ob religiös oder nicht. Wie die Apotheken-Umschau berichtet, gibt es an vielen Kliniken mittlerweile auch seelsorgerische Angebote für muslimische Patienten.

Nach dem Krankenhaus: Ab in die Reha?

Vor dem Eingriff sollte unbedingt geklärt werden, wer einen anschließend zu Hause versorgt, falls das erforderlich sein sollte. Wer vorher schon darüber nachgedacht hat, kann entspannter regenerieren und laut Statistiken schneller das Krankenhaus verlassen. Während des Klinikaufenthaltes bleibt nicht viel Zeit zu planen: Wochenlange Aufenthalte im Krankenhaus nach einer Operation sind selten geworden. Im Durchschnitt werden Patienten heute nach rund sieben Tagen entlassen.

Nach schweren orthopädischen Eingriffen oder etwa einer Bypass-Operation bekommen frisch Operierte in der Regel eine Reha, wenn das medizinisch angeraten ist und sie fit genug dafür sind. Der genaue Begriff ist Anschlussheilbehandlung. Sie muss zeitnah nach der Operation stattfinden und vom Krankenhaus-Arzt verschrieben werden, damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Leider gelingt es oft nicht, direkt nach dem stationären Krankenhausaufenthalt einen Platz in einer Reha-Klinik zu bekommen. Die Aufgabe, so etwas zu organisieren, fällt dem Sozialdienst im Krankenhaus zu. Die Mitarbeiter sind zudem dafür da, den Patienten dabei zu helfen, bei Bedarf Anschlusspflege zu bekommen oder Kontakt zu Beratungsstellen zu finden.

Erstversorgung zu Hause planen

Dennoch werden Patienten auch dann entlassen. Das bedeutet, dass zu Hause möglicherweise Wunden versorgt werden müssen und es ausreichend Medikamente geben muss. Deshalb möglichst sofort dem Hausarzt Bescheid geben, sobald eine Operation ansteht, nach der eine medizinische Versorgung zu Hause erforderlich ist. Auch die Krankenkasse sollte darüber informiert werden.

Vom behandelnden Klinikarzt bekommen Patienten üblicherweise nicht nur einen Entlassungsbrief, sondern auch einen Medikationsplan. Außerdem sollten sie Medikamente erhalten, wenn auch nur für einen oder zwei Tage, bis der Hausarzt neue Rezepte ausstellen kann.

Wenn eine normale Reha nicht möglich ist

Ältere Patienten sind manchmal nicht fit genug für eine Anschlussheilbehandlung. Dort müssen die Patienten nämlich selbstständig zu Behandlungsterminen gehen und sind eher wie in einem Hotel untergebracht. Senioren, die noch nicht wieder bei Kräften sind, können eine geriatrische Komplexbehandlung (umgangssprachlich auch geriatrische Reha) erhalten.

Dort werden sie weiterhin ärztlich versorgt, bekommen aber auch Reha-Maßnahmen wie Ergotherapie, Physiotherapie oder Logopädie. Hier wird der ganze Mensch behandelt, um ihn fit für ein Leben in den eigenen Wänden zu machen. Achtung: Wer eine geriatrische Reha wahrgenommen hat, bekommt keine Anschlussheilbehandlung mehr von der Krankenkasse finanziert.

Feststellung des Pflegerades frühzeitig einleiten

Falls abzusehen ist, dass sich ein Patient nach einem Krankenhausaufenthalt nicht mehr selbst versorgen kann, sollte möglichst frühzeitig bei der Krankenkasse ein Antrag auf Feststellung des Pflegegrades gestellt werden. Beratung und Hilfestellung bieten zudem die Pflegestützpunkte vor Ort.

Wo gibt es Hilfestellung und Tipps?

Rat und Hilfe gibt es zudem bei Patientenschutzorganisationen wie der Unabhängigen Patientenberatung oder der Stiftung Patientenschutz. Auf dem Angebot der Weißen Liste finden Patienten ausführliche Informationen über Krankenhäuser sowie diverse detaillierte Checklisten. Beim Aktionsbündnis Patientensicherheit gibt es eine Vielzahl von Broschüren zum Thema Behandlungsfehler. Wer chronisch krank ist oder längerfristig Unterstützung braucht, auch mental, findet womöglich Hilfe bei den Patientenschutzorganisationen oder Selbsthilfegruppen.

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