Stand: 20.06.2017 11:02 Uhr

Hüftschmerzen durch Schleimbeutelentzündung

Stechen, Ziehen, Schmerzen in der Hüfte, sowohl beim Sitzen, Aufstehen, Gehen und auch nachts: Hinter diesen Beschwerden kann sich eine sogenannte Bursitis verbergen, eine Entzündung der Schleimbeutel in der Hüfte. Die kleinen, mit Flüssigkeit gefüllten Puffer zwischen Knochen und Sehnen haben die Aufgabe, die Reibung bei der Bewegung des Gelenks zu vermindern. Schleimbeutel gibt es überall im Körper, wo Gewebeschichten stark gegeneinander verschoben werden. Sie bilden eine Gleitschicht aus lockerem Bindegewebe und Schleimhaut. Entzündet sich - zum Beispiel aufgrund einer Fehlhaltung - ein Schleimbeutel und schwillt an, wird es schmerzhaft.

Schleimbeutel unter Druck

Häufig ist die Hüfte betroffen

Besonders häufig ist der Schleimbeutel auf dem "großen Rollhügel" an der seitlichen Hüfte betroffen, der die Beweglichkeit einer starken Sehnenplatte über dem Oberschenkelknochen ermöglicht. In der Regel macht eine solche Entzündung durch einen dauerhaften Schmerz im äußeren Hüftbereich auf sich aufmerksam. Ursache können zum Beispiel zurückliegende Stürze, eine Fehlstellung des Hüftgelenks, des Beckens oder auch X-Beine sein. Ist das Becken verdreht und kippt zu einer Seite, erhöht sich hier die Spannung auf die Sehnenplatte. Das kann zu einer Überbelastung und Entzündung des Schleimbeutels führen. Auch eine chronische Überbelastung, wie zum Beispiel durch langes Sitzen mit übergeschlagenen Beinen, kann zu einer Bursitis führen. Verschlimmert wird das Problem nicht selten durch die Schonhaltung, die schmerzgeplagte Patienten oft über lange Zeit einhalten und die den ganzen Bewegungsapparat aus dem Gleichgewicht bringt.

Gründliche Untersuchung notwendig

Die richtige Diagnose bringt eine gründliche Untersuchung mit Abtasten der Hüfte, selten sind Ultraschall und Kernspintomografie nötig, um den entzündeten Schleimbeutel zu entdecken. Entscheidend ist, dass herausgefunden wird, warum der Dauerdruck auf dem Schleimbeutel lastet und warum so ein starker Zug auf der Sehnenplatte entsteht. Nur wenn der Druck vom Schleimbeutel genommen wird, kann er langfristig heilen.

Operation nur selten erforderlich

Kälte- und Wärmeanwendungen und entzündungshemmende Spritzenkuren können die Schmerzen lindern. Eine operative Entfernung des entzündeten Schleimbeutels (Bursektomie) ist nur selten notwendig. Die Operation ist nicht einfach, denn dabei kann der Chirurg auch umliegende Strukturen verletzen. Er muss nicht nur den entzündeten Schleimbeutel entfernen, sondern das ganze Gewebe glätten und eine neue Gleitfläche schaffen.

Geduld und Schonung sind gefragt

Liegt die Ursache der Bursitis in einer dauerhaften Fehlhaltung durch eine Beinlängendifferenz oder einer Fehlstellung der Beine, sollte diese mit orthopädischen Einlagen ausgeglichen werden. Ein verdrehtes Becken kann mit manualtherapeutischen oder osteopathischen Handgriffen wieder gerichtet werden. Um den direkten Druck auf die Schleimbeutel zu verringern, sollten Patienten mit einer Bursitis vermeiden, ihre Hüfte wiederholt zu beugen, über längere Zeit zu sitzen oder zu stehen und auf der Seite zu schlafen. Geduld und Schonung sind gefordert, denn entzündete Schleimbeutel erholen sich nur langsam.

Gezielte Übungen können helfen

Nach ausreichender Schonung und Medikamenten können Patienten anschließend, nach Anraten ihres Arztes, mit gezielten Bewegungsübungen Verklebungen lösen und die Beweglichkeit der Hüfte verbessern.

  • Tractus iliotibialis Stretch - Seitenstellung:

    Stellen Sie sich mit Ihrer verletzten Seite zur Wand, einen Fuß weit von ihr entfernt. Lehnen Sie sich an die Wand, indem Sie sich mit der Hand daran abstützen. Lassen Sie das unverletzte Bein das andere überkreuzen. Wiederholen Sie die Übung für die andere Seite.

  • Beinheben:

    Legen Sie sich mit Ihrer gesunden Seite auf eine Gymnastikmatte. Stützen Sie mit der Hand den Kopf ab. Nun spannen Sie die Muskeln des Oberschenkels der betroffenen Seite an und heben Sie das gerade Bein acht bis zehn Zentimeter über den Boden. Halten Sie die Position einige Sekunden lang. Machen Sie drei Sätze je zehn Wiederholungen.

  • Tractus iliotibialis Stretch - im Stehen:

    Stehen Sie gerade. Lassen Sie das unverletzte Bein das andere überkreuzen. Bücken Sie sich und berühren Sie die Zehen mit den Fingern. Halten Sie die Position 30 Sekunden lang und gehen Sie wieder in die Ausgangsposition zurück. Wiederholen Sie die Übung dreimal.

  • Hip Extension:

    Legen Sie sich auf eine Gymnastikmatte bäuchlings und positionieren die Arme an den Seiten, sodass die Handflächen auf der Matte liegen. Nun heben Sie langsam das betroffene Bein über den Boden, indem sie die Oberschenkelmuskulatur anspannen. Das Bein soll dabei gestreckt bleiben. Halten Sie das Bein in gehobener Stellung einige Sekunden lang und senken Sie es langsam ab. Führen Sie drei Sätze je zehn Wiederholungen aus.

  • Wand-Kniebeuge:

    Stehen Sie in einer aufrechten Position mit dem Rücken zur Wand. Drücken Sie einen Gymnastikball oder Basketball an die Wand. Halten Sie Ihren Körper gerade und beugen langsam die Knie, bis die Oberschenkel parallel zum Boden sind. Während der Oberkörper nach unten sinkt, rollt der Gymnastikball an dem Rücken nach oben (an der Wand nach unten). Halten Sie die Position zehn Sekunden lang und drücken Sie sich anschließend über die Fersen wieder in die Ausgangsposition zurück. Wiederholen Sie es zehn Mal.

zurück
1/4
vor

 

Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
Dr. Oliver Brinker, D.O. (DAAO)
Facharzt für Orthopädie und Allgemeinmedizin, Schwerpunkt Osteopathie
Praxis Felsenburg – Schwerpunktpraxis für Osteopathie
Kopperpahler Allee 39, 24119 Krohnshagen
Tel. (0431) 670 75 97
Internet: www.osteopath-kiel.de

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Carsten Perka,
Ärztlicher Direktor Centrum für Muskulo Skeletale Chirurgie der Charité Berlin (CMSC)
Klinik für Orthopädie
Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Charité Mitte
Charitéplatz 1, 10117 Berlin
Tel. (030) 450-51 50 44
Internet: https://cmsc.charite.de/klinik/

Ratgeber:
Thomas Müllner, Susanne Altmann: Meine Hüfte: endlich wieder schmerzfrei.
200 S.; Maudrich (2013); 19,40 Euro

Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.06.2017 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

07:09
Markt