Ein Herz mit Adern leuchtet in einem Oberkörper. © fotolia.com Foto: nerthuz

Herzinfarkt: Symptome erkennen und richtig handeln

Stand: 14.04.2020 13:16 Uhr | vom Norddeutscher Rundfunk-Logo

Ein Herzinfarkt bedeutet immer Lebensgefahr. Deshalb sollte man bei typischen Anzeichen sofort den Notruf wählen. Besonders tückisch ist der "stumme" Infarkt, bei dem Betroffene kaum Schmerzen spüren.

Bei einem Herzinfarkt kommt es zum plötzlichen und vollständigen Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Teile des Herzmuskels werden dann nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, Muskelgewebe stirbt ab. Oft kommt es dadurch zu akuten Herzrhythmusstörungen, beim Kammerflimmern pumpt das Herz nicht mehr. Ein Herzinfarkt bedeutet also immer Lebensgefahr.

Wer typische Symptome eines Herzinfarkts wie Stechen in der Brust, Luftnot oder Übelkeit verspürt, sollte deshalb auf keinen Fall abwarten, sondern sofort 112 wählen. Nicht mit dem eigenen Auto in die Notaufnahme fahren!

Schnelles Handeln ist bei einem Herzinfarkt wichtig

Drei Viertel der Todesfälle nach einem Herzinfarkt ereignen sich zu Hause - ohne dass die Betroffenen einen Arzt gerufen haben. Schuld daran ist oft die Hemmung, wegen vermeintlich harmloser Brustschmerzen gleich den Notarzt zu rufen. Doch die Retter können bei plötzlich auftretenden Komplikationen wie dem Kammerflimmern sofort eingreifen und den Kreislauf stabilisieren.

In der Klinik muss das verstopfte Gefäß schnellstmöglich wieder geöffnet werden. Nur wenn das innerhalb der ersten eineinhalb Stunden nach einem Herzinfarkt gelingt, kann sich das Muskelgewebe erholen. Das wird mit jeder Minute schwerer. Dann besteht die Gefahr einer chronischen Herzschwäche, im schlimmsten Fall versagt das Herz und der Betroffene stirbt.

Anzeichen für einen Herzinfarkt

Folgende Alarmzeichen können auf einen Herzinfarkt hindeuten: 

  • schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen in der Brust, die in Arme, Schulter, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen können
  • starkes Engegefühl, heftiger Druck, Brennen in der Brust, Atemnot
  • zusätzlich Übelkeit, Brechreiz, Angst
  • Schwächegefühl, auch ohne Schmerz
  • blasse, fahle Gesichtsfarbe, kalter Schweiß
  • nächtliches Erwachen mit Schmerzen in der Brust ist ein besonderes Alarmzeichen

Frauen haben oft andere Symptome als Männer

Statt Brustschmerzen verspüren Frauen bei einem Herzinfarkt häufig Kurzatmigkeit, sehr oft auch starke Übelkeit mit Erbrechen, Oberbauchbeschwerden, Rücken- und Nackenschmerzen, manchmal sogar Zahn- und Kieferschmerzen. Die Beschwerden strahlen vom Herzen aus. Frauen kommen deshalb meist später in die Notaufnahme. Jährlich werden in Deutschland etwa 222.600 Frauen, aber doppelt so viele Männer wegen einer "ischämischen Herzkrankheit" stationär behandelt. Und immer noch sterben relativ gesehen mehr Frauen als Männer an einem Herzinfarkt.

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Stummer Infarkt: Diabetiker und Ältere besonders gefährdet

Aber längst nicht immer treten die typischen Symptome auf. Bei vielen Betroffenen äußert sich ein Infarkt ganz anders oder bleibt sogar völlig "stumm". Auch in diesen Fällen ist es lebenswichtig, den Infarkt zu erkennen und so schnell wie möglich zu behandeln.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Diabetiker. Ein Grund dafür: Die Zuckerkrankheit kann die Nerven beschädigen, auch am Herz. Dann entsteht beim Infarkt kein Schmerzsignal. Außerdem verschließen sich bei Diabetikern über eine lange Zeit viele kleine Gefäße. Wenn es dann zum Infarkt kommt, bleibt der plötzlich eintretende heftige Brustschmerz oft aus.

Auch bei Älteren stehen häufig atypische Beschwerden im Vordergrund. Kurzatmigkeit, Schwäche und Schmerzen im linken Arm sind typische Signale. Häufig werden diese allerdings aufgrund von Vorerkrankungen nicht erkannt oder falsch zugeordnet.

Folgen eines stummen Infarkts

Ein Infarkt ohne Schmerzen ist genauso gefährlich wie ein normaler Infarkt. Bleibt er unbemerkt, drohen schwere Schäden am Herzmuskelgewebe. Die Folgen können Herzschwäche und Rhythmusstörungen sein. Verschlossene Herzgefäße können auch im Nachhinein zum Beispiel durch einen Stent geöffnet werden, um möglichst viel Herzmuskel zu erhalten. Außerdem muss die zugrunde liegende chronische Erkrankung der Koronararterien behandelt werden, um einen weiteren Infarkt zu vermeiden.

Herzinfarkt-Ambulanzen in vielen deutschen Kliniken

In vielen deutschen Kliniken gibt es sogenannte Chest Pain Units, spezielle Ambulanzen für Erkrankte mit akuten Brustschmerzen. Hier sollen Infarkte besonders schnell erkannt und behandelt werden. Die Ambulanzen sind nach US-amerikanischem Vorbild aufgebaut. Dort wurde die Sterblichkeitsrate nach Herzinfarkten um 37 Prozent gesenkt.

Die Chest Pain Units sind rund um die Uhr geöffnet und speziell für Herzinfarkt-Patienten vorbereitet. In kürzester Zeit werden EKG- und Laboruntersuchungen durchgeführt, die zeigen, ob sich hinter den Symptomen eine lebensbedrohliche Erkrankung wie ein Herzinfarkt verbirgt, die sofort behandelt werden muss.

Schnelle Behandlung steigert die Überlebenschance

Wird ein Herzinfarkt innerhalb der ersten Stunden im Herzkatheterlabor therapiert, steigt die Überlebenswahrscheinlichkeit erheblich. Im Notfall ist eine Herzkatheter-Untersuchung die Standardtherapie. Dabei schiebt der Kardiologe einen dünnen Kunststoffschlauch über die Leiste bis zum Herzen. Spezielle Röntgenverfahren mit Kontrastmitteln machen die Herzkranzarterien sichtbar. Mögliche Engstellen lassen sich genau lokalisieren, aufdehnen und durch spezielle Gefäßstützen (Stents) offen halten. Reicht dies nicht aus, müssen die riskanten Engen durch eine Bypass-Operation überbrückt werden.

Herzinfarkt vorbeugen

Wie hoch das individuelle Herzinfarktrisiko ist, kann ein Arzt mit Ultraschall, Blut- und Belastungstests klären. Die wichtigsten Ursachen für Verengungen der Herzkranzgefäße sind sind:

Zur Vorbeugung empfehlen Ärzte eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und Abnehmen bei Übergewicht. Auf Rauchen oder größere Mengen Alkohol sollte man verzichten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Visite | 14.04.2020 | 20:15

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