Stand: 27.04.2015 13:36 Uhr  | Archiv

Heiserkeit - Wenn die Stimme versagt

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Heiserkeit ist eine der häufigsten Störungen der menschlichen Stimme.

Die Stimme ist nicht nur das wichtigste Kommunikationsmedium des Menschen, sondern auch ein entscheidender Teil seiner Persönlichkeit und Identität. Denn mit ihr lassen sich nicht nur inhaltliche Botschaften austauschen, vielmehr lassen sich anhand des Klanges der Stimme Stimmungen wie Fröhlichkeit, Trauer, Unzufriedenheit oder Aggressionen ausdrücken. Daher kann es sehr belastend sein, wenn die Stimme verloren geht. Eigentlich selbstverständliche Dinge, wie das Telefonieren oder ein gutes Gespräch mit Freunden, sind dann nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt möglich.

Luftstrom bringt Stimmbänder zum Schwingen

Die Stimme entsteht im Kehlkopf. Hier bilden die beiden Stimmlippen die Stimmritze. Der aus der Lunge austretende Luftstrom passiert die Stimmbänder und bringt sie zum Schwingen - je entspannter die Stimmbänder sind, desto langsamer schwingen sie und desto tiefer ist der daraus resultierende Ton. Bei hohen Tönen sind die Stimmbänder gespannt und schwingen schnell. Wenn die Stimmlippen nicht mehr richtig schließen, erklingt die Stimme heiser.

Heiserkeit ist eine der häufigsten Störungen der menschlichen Stimme. Sie ist dabei aber lediglich ein Symptom, dem viele verschiedene Ursachen zugrunde liegen können.

Entzündung des Kehlkopfs kann Heiserkeit auslösen

Eine häufige Ursache von Heiserkeit sind virale oder bakterielle Entzündungen des Kehlkopfes. Bakterielle Infekte lassen sich in der Regel gut mit einem Antibiotikum behandeln. Bei viralen Infekten dagegen sind sie wirkungslos. Lindernd wirken Inhalationen, zum Beispiel mit Kamille oder Salbei. Sie befeuchten die Schleimhäute und wirken beruhigend. In besonderen Fällen kann die Inhalation von abschwellenden und schmerzstillenden Substanzen wirksam sein. Ätherische Öle in Hustenbonbons haben keine direkte Wirkung auf den Kehlkopf. Allerdings wirken sie indirekt schmerzlindernd und hustenstillend, weil sie den Speichelfluss anregen und zu einer Befeuchtung der Stimmbänder beitragen. Daher ist auch gerade bei Erkältungserkrankungen eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme von zwei bis drei Litern täglich wichtig.

Wenn die Nerven verantwortlich sind

Bei Lähmungen der Stimmlippen ist die Bewegung der Stimmbänder beeinträchtigt, sodass die Stimmritze nicht mehr vollständig schließt. Es wird sehr viel Luft benötigt, um einen Ton zu erzeugen. Der Ton der Stimme klingt schließlich verhaucht. Verantwortlich dafür sind Lähmungen der Nerven, die für die Beweglichkeit der Stimmbänder zuständig sind. Solche Lähmungen können zum Beispiel als Folge von Schlaganfällen auftreten. Auch Tumore der Schilddrüse oder die Ansiedelungen von bösartigen Metastasen können die Nerven (Nervus laryngeus recurrens, Nervus vagus) schädigen und eine Lähmung herbeiführen. Verletzungen des Nervs können auch im Rahmen von Operationen an Schilddrüse, Wirbelsäule, Halsgefäßen, Herz oder Lunge auftreten.

Im Rahmen einer Operation, der sogenannten Medialisierungs-Thyreoplastik, kann der Schluss der Stimmritze wieder hergestellt werden. Dabei wird durch das Einsetzen eines Implantates eine dauerhafte Verlagerung der Stimmlippe zur Mitte erreicht. Insbesondere bei einseitigen Lähmungen, der sogenannten Rekurrensparese, kann die Stimmbildung durch eine plastische Rekonstruktion der Stimmlippen mit Gewebefüllern wie beispielsweise Hyaluronsäure oder Kollagen deutlich verbessert werden. Solche Unterfütterungen werden in der Regel ambulant in lokaler Betäubung unter Zuhilfenahme der Videoendoskopie durchgeführt.

Wer ist besonders betroffen?

Besonders gefährdet für die Entwicklung von Heiserkeit sind Menschen mit Berufen, in denen die Stimme stark belastet wird - zum Beispiel Sänger, Lehrer oder auch Callcenter-Mitarbeiter. Bei einer dauerhaften Über- oder falschen Belastung der Stimmbänder entstehen Stimmband- oder Schreiknötchen. Dabei handelt es sich um eine Schwellung der Stimmbänder, die zu einer Störung der Stimmbildung führen. Die Schwellung bildet sich unter einer Schonung der Stimme in der Regel wieder zurück. Durch ein gezieltes Stimmtraining und einen richtigen Stimmansatz können Betroffene die Belastbarkeit und Qualität ihrer Stimme erhöhen.

Auch Sodbrennen kann dahinterstecken

Nicht selten liegt die Ursache für eine anhaltende Heiserkeit im Magen. Bei der Refluxerkrankung (Sodbrennen) kann aggressive Magensäure durch die Speiseröhre bis zum Kehlkopf aufsteigen. Sie greift dort die Stimmbänder an und führt zu einer chronischen Entzündung und damit zur Heiserkeit. Dann kann eine einfache Therapie mit einem Säureblocker wie zum Beispiel Pantoprazol, Omeprazol oder Esomeprazol die überschüssige Säureproduktion reduzieren und die Beschwerden verringern.

Chat-Protokoll

"Heiserkeit kann an falscher Stimmtechnik liegen"

Welche Medikamente werden bei Heiserkeit empfohlen und was bedeutet eine Dysfunktion der Stimme? Diese und weitere Fragen hat HNO-Arzt Henning Brunckhorst im Oktober 2012 im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Rosemarie Neumann
Fachärztin für Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde
HNO-Praxis an der Oper
Dammtorstraße 27
20354 Hamburg
Tel. (040) 34 56 44
Fax: (040) 35 29 43
E-Mail: contact@hno-hamburg.net
Internet: www.hno-hamburg.net

Im Beitrag:
Prof. Dr. Markus Hess
Facharzt für Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde, Phoniatrie
Deutsche Stimmklinikim "Spectrum" - auf dem Gelände des UKE
Martinistraße 64
20251 Hamburg
Tel: (040) 51 31 30 07
Fax: (040) 51 31 30 09
E-Mail: kontakt@stimmklinik.de
Internet: www.stimmklinik.de

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Visite | 28.04.2015 | 20:15 Uhr

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