Stand: 17.09.2018 10:30 Uhr

Heilpraktiker: Darauf sollten Sie achten

Alternative Therapieverfahren liegen im Trend: Mehr als die Hälfte der Deutschen hat mindestens schon einmal einen der mehr als 40.000 Heilpraktiker in Deutschland aufgesucht. Doch warum tun die Menschen das? Welche Ausbildung hat ein Heilpraktiker und wie finde ich heraus, ob der Gesundheitsdienstleister auch wirklich seriös ist? Der NDR WissensCheck mit Fragen und Antworten.

Eine Ärztin zeigt auf ein Computer Bildschirm wo ein Auge abgebildet ist, da neben sitzt eine Patientin.

Warum gehen Menschen zum Heilpraktiker?

NDR WissensCheck -

60 Prozent der Deutschen waren schon beim Heilpraktiker. Die Hauptgründe sind mehr Zeit und intensive Patientengespräche sowie die Zunahme chronischer Schmerzerkrankungen.

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Warum gehen Menschen zum Heilpraktiker?

Der ganzheitliche Ansatz ist einer der Hauptgründe, dass Menschen einen Heilpraktiker aufsuchen: Sie behandeln nicht nur einzelne Symptome, sondern sehen den Menschen als Ganzes und setzen auf alternative, naturkundliche Heilmittel sowie die Selbstheilungskräfte des Körpers. Auch die ausführliche Befassung mit dem Patienten trägt dazu bei, dass alternative Heilmethoden so populär sind. Denn während sich ein Arzt in Deutschland durchschnittlich acht Minuten Zeit nimmt, dauert das Erstgespräch beim Heilpraktiker, die sogenannte Anamnese, rund eine Stunde. Ein weiterer Grund für den Boom bei der Naturheilkunde ist die Zunahme chronischer Schmerzerkrankungen. Weil deren Ursachen nicht immer eindeutig zu diagnostizieren und die Beschwerden nicht immer einfach zu behandeln sind, nehmen viele die Hilfe von Heilpraktikern in Anspruch.

UMFRAGE
Mögliche Antworten

Haben Sie schon einmal alternative Heilmethoden ausprobiert?

Was dürfen Heilpraktiker?

Heilpraktiker üben die Heilkunde aus, ohne als Arzt oder Psychotherapeut approbiert zu sein. Ihre Tätigkeit ist im Heilpraktikergesetz aus dem Jahr 1939 geregelt. Sie müssen medizinische Grundlagen von der Anatomie über die Neurologie bis hin zur Biochemie kennen. Eine fundierte Heilpraktiker-Ausbildung kann rund drei Jahre dauern. Allerdings gibt es auch unseriöse "Heiler", die nur einen Crashkurs absolviert haben. Die gesetzlichen Vorgaben für die Ausbildung sind lax. Dabei haben Heilpraktiker umfangreiche Rechte:

Das dürfen Heilpraktiker:

  • Verfahren der Naturheilkunde oder der Alternativmedizin anwenden, zum Beispiel Akupunktur, Schröpfen, Bioresonanztherapie, Aromatherapie, Phytotherapie, Behandlung mit Blutegeln, Homöopathie, Kinesiologie
  • eine Praxis gründen
  • Injektionen und Infusionen verabreichen
  • offene Wunden behandeln
  • Aderlasse verabreichen
  • Eigenbluttherapien durchführen
  • Krebs behandeln

Das dürfen Heilpraktiker nicht:

  • meldepflichtige Infektionskrankheiten behandeln
  • Medikamente selbst herstellen oder rezeptpflichtige Medikamente verordnen
  • Zahnheilkunde ausüben
  • Geburtshilfe leisten
  • Blutabnahmen und Untersuchungen bei Straftaten vornehmen
  • den Tod eines Menschen feststellen
  • röntgen

Während die meisten Heilpraktiker ihren Beruf verantwortungsvoll ausüben, gibt es unter ihnen auch immer wieder schwarze Schafe, die dem Ruf der gesamten Branche schaden. Schlagzeilen machte ein Heilpraktiker in Nordrhein-Westfalen, der im Sommer 2016 Krebspatienten mit einem Wirkstoff behandelte, der zwar nicht grundsätzlich verboten, aber nicht als Arzneimittel zugelassen ist. Drei der Patienten starben. Das Landgericht Krefeld eröffnete ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen den Mann.

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Wie verläuft die Ausbildung zum Heilpraktiker?

Es gibt keine staatlich vorgeschriebene Ausbildung zum Heilpraktiker. Die gesetzlichen Hürden, um Heilpraktiker zu werden, sind denkbar niedrig: Heilpraktiker benötigen einen Hauptschulabschluss und müssen mindestens 25 Jahre alt sein. Sie benötigen eine gültige Aufenthaltserlaubnis, dürfen keine Vorstrafen haben und müssen ein Gesundheitszeugnis vorlegen. Es gibt einen Wildwuchs bei den Schulen: Während einige eine dreijährige Ausbildung mit 3.000 Unterrichtsstunden anbieten, gibt es auch zehnmonatige Crashkurse für besonders Eilige. Welches naturheilkundliche Wissen ein angehender Heilpraktiker lernen muss, ist nirgendwo festgelegt. Auch Lehrpläne und definierte Ausbildungsinhalte gibt es nicht.

Wie werden Heilpraktiker geprüft?

Ihre Prüfung legen angehende Heilpraktiker bei den örtlichen Gesundheitsämtern ab, sie besteht aus einem Ankreuz-Test und einer mündlichen Befragung beim Amtsarzt. Dabei geht es um medizinische Grundlagen, das Erkennen von Krankheitsbildern sowie Gesetze und Hygienevorschriften. Nicht geprüft werden dagegen praktische Fähigkeiten sowie Kenntnisse über Naturheilkunde. Die Prüflinge sollen nachweisen, dass sie genügend medizinische Grundkenntnisse haben, um bei der Untersuchung von Patienten eine zentrale Frage verantwortungsvoll beantworten zu können: Liegt eine Erkrankung oder Symptomatik vor, die der Heilpraktiker nicht selbst behandeln darf? In diesem Fall muss ein Heilpraktiker den Patienten an einen Arzt oder ins Krankenhaus verweisen.

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Gibt es Kritik an der Heilpraktiker-Ausbildung?

Viele Heilpraktikerverbände setzen sich für eine umfassende Ausbildung ein. Auch bei Ärzten stoßen die laxen Regeln für die Ausbildung auf Kritik: Eine 17-köpfige Expertengruppe forderte im August 2017 im "Münsteraner Memorandum" eine umfassende Reform der Heilpraktiker-Ausbildung. Sie schlugen vor, den staatlich geschützten Beruf des Heilpraktikers abzuschaffen oder an seiner Stelle verschiedene Fachheilpraktiker einzuführen. Diesen Beruf könnten nur Menschen mit vorheriger Heilberufsausbildung erlernen - also beispielsweise Ergotherapeuten, Krankenpfleger oder Logopäden. Die Politik dürfe nicht länger hinnehmen, dass sich Alternativmediziner nach einer kurzen, weitgehend unregulierten Ausbildung als staatlich anerkannte Heilpraktiker bezeichnen dürften, schrieben die Mediziner im "Ärzteblatt". Das erwecke bei Patienten den Eindruck, Heilpraktiker seien eine gleichwertige Alternative zu Ärzten, die ein langjähriges Studium absolviert hätten.

"Die staatlichen Vorgaben bedürfen einer dringenden Regulierung", betont auch der Leiter des Gesundheitsamtes Hamburg-Altona, Dr. Johannes Nießen, im NDR WissensCheck. Es sei höchste Zeit, das veraltete Gesetz zu modernisieren.

Wie erkenne ich, ob ein Heilpraktiker seriös ist?

Es gibt keinen festen Kriterienkatalog, nach dem die Seriosität eines Heilpraktikers beurteilt werden kann. Ein guter Anhaltspunkt kann die Mitgliedschaft in einem Heilpraktikerverband sein. Der Heilpraktiker sollte vorliegende medizinische Diagnosen in seine Arbeit mit einbeziehen und einen nachvollziehbaren Therapieplan vorlegen. Zudem sollte sich der Heilpraktiker ausreichend Zeit nehmen, um Beschwerden und ihre Vorgeschichte zu erfassen, und er sollte den Patienten umfassend über die Kosten der Behandlung aufklären.

Vorsicht ist angebracht, wenn der Heilpraktiker die Schulmedizin komplett ablehnt, nur eine Therapieform als die einzig richtige anpreist und eine Heilungs-Garantie abgibt. Auch wenn sofortige Bezahlung verlangt wird, sollten Patienten wachsam sein.

Bestenfalls informieren sich Patienten vorab, welche Behandlungsverfahren für ihre Beschwerden geeignet sind, und suchen dann gezielt nach einem Heilpraktiker, der diese Therapie anbietet. Auch Empfehlungen von Bekannten, Nachbarn und Freunden können bei der Suche helfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR WissensCheck | 17.09.2018 | 21:00 Uhr

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