Stand: 13.08.2018 20:18 Uhr  | Archiv

Hautkrebs: Der Kampf gegen den Tumor

Wenn ein Leberfleck seine Form verändert, kann das ein Zeichen dafür sein, dass etwas nicht stimmt. Das ist offenbar immer öfter der Fall. Denn die Hautkrebsrate in Schleswig-Holstein - schaut man nur mal auf den gefährlichen schwarzen Hautkrebs - liegt bei uns im Norden seit vielen Jahren leicht über dem Durchschnitt (Quelle Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland). Aus den Zahlen des Landeskrebsregisters geht hervor, dass allein in Schleswig-Holstein jedes Jahr rund 800 bis 900 Menschen an schwarzem Hautkrebs erkanken: 300 mehr als noch zehn Jahre zuvor.

Rate bei weißem Hautkrebs noch höher

Die Zahl der Menschen, die wegen des weniger gefährlichen weißen Hautkrebs behandelt werden müssen, war 2016 laut Landeskrebsregister fast 40 Prozent (37,4%) höher als noch 2006. Die höhere Erkrankungszahl bei Hautkrebs in Schleswig-Holstein liegt einerseits an den vielen Menschen, die im Freien arbeiten, wie Landwirte oder Seeleute. Andererseits werden die Zahlen in Schleswig-Holstein traditionell besonders sorgfältig erhoben.

Diagnose kann einem den Boden wegziehen

Im Hautkrebszentrum Kiel am UKSH ist Ilse F. Patientin. Die pensionierte Lehrerin bekam vor vier Jahren ihre Diagnose: "Es zieht einem den Boden weg. Ratlos ist harmlos ausgedrückt." Für sie sei jede Veränderung auf der Haut eine Bedrohung. Die Leiterin des Hautkrebszentrums, Dr. med. Katharina C. Kähler, kann sie aber bei der Untersuchung heute beruhigen. Nach dem Blick durch die spezielle Lupe stellt die Ärztin fest: "Das sind Pigmentveränderungen, die nichts mit schwarzem Hautkrebs zu tun haben, das ist ganz harmlos."

Heilung wird schwieriger mit der Zeit

Bei Nichtbehandlung verläuft die Erkrankung potentiell tödlich. Auf der oberen Hautschicht ist ein Melanom noch ungefährlich. Doch sobald es beginnt, in die Tiefe zu wachsen, können sich Krebszellen ablösen. Mit dem Blut gelangen sie in andere Körperregionen. Dort entstehen dann Metastasen. In diesem Stadium ist eine Heilung meist nicht mehr möglich.

Medikamente gegen Tumor oder für die Immunzelle

Das Modell einer Hautkrebszelle.
Die Abwehrkäfte (blau) sind durch das Medikament gestärkt und greifen die Krebszellen (pink) an.

Es gibt zwei unterschiedliche Behandlungsmethoden beim schwarzen Hautkrebs: Das eine ist ein zielgerichtetes Medikament, das gegen den Tumor wirken soll, sodass sich die Krebszellen nicht mehr teilen können und sterben. Das andere ist ein Medikament, das auf die Immunkräfte des Patienten wirken, sie verstärken und vervielfachen soll. Die gestärkten Abwehrkräfte sollen dann die Krebszellen angreifen und die Krankheit somit selbst bekämpfen.

Heilungschancen verbessert

Die Leiterin des Hautkrebszentrums in Kiel, Kähler, ist sich sicher: "Man kann damit Menschen ein Langzeitüberleben ermöglichen, man kann einen Teil der Patienten sogar noch heilen. Und das hat die Situation unserer betroffenen Melanom-Patienten extrem verändert." Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren verbessert. Demnächst sollen drei weitere Medikamente zugelassen werden. Sie sollen die Wahrscheinlichkeit halbieren, dass ein Patient erneut am schwarzen Hautkrebs erkrankt.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.08.2018 | 19:30 Uhr

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