Stand: 23.09.2019 10:40 Uhr  | Archiv

Hand-Fehlbildungen: Ursachen noch unklar

Säugling hält sich mit seiner Hand an einem Finger eines Erwachsenen fest. © colourbox Foto: alho007
In Gelsenkirchen kamen drei Babys mit fehlgebildeten Händen zur Welt.

In einer Klinik in Gelsenkirchen sind innerhalb von drei Monaten drei Kinder mit Hand-Fehlbildungen geboren worden. In der Bevölkerung und in vielen Medien wird über eine gemeinsame Ursache spekuliert: Sind Pestizide, Medikamente oder Umweltgifte die Ursache? Mediziner gehen von einer zufälligen Häufung aus. Sie weisen darauf hin, dass es sich lediglich um drei Betroffene handelt, nicht um Tausende wie beim Skandal um das Arzneimittel Contergan in den 1960er-Jahren. Damals verursachte der Wirkstoff Thalidomid starke Fehlbildungen der Arme und Beine bei Kindern, deren Mütter das Schlafmittel Contergan in der Schwangerschaft eingenommen hatten.

Mögliche Ursachen für fehlgebildete Hände

Spekulationen über die Ursachen verunsichern Schwangere und Eltern von Kindern, die vor Kurzem mit einer Hand-Fehlbildung geboren wurden. Den Auslöser kennen die Ärzte nicht. Experten betonen, dass derzeit keine ausreichenden Informationen vorliegen, um den Sachverhalt qualifiziert beurteilen zu können.

Mögliche Ursachen:

  • Eine genetische Veranlagung gilt bei etwa einem Drittel der Fehlbildungen als Ursache. Doch gerade bei Handfehlbildungen können die Ärzte bei der Geburt oft nicht sagen, ob die Finger nicht ausgebildet wurden oder vielleicht durch die Nabelschnur im Mutterleib abgetrennt wurden.

  • Nur fünf Prozent aller Fehlbildungen werden durch Infekte der Mutter, Medikamente oder andere äußere Einflüsse verursacht.

Um Häufungen besser erkennen und deren etwaige Ursachen finden zu können, fordern Experten nun die Einrichtung eines Fehlbildungsregisters.

Fehlbildungen der Hand: Was tun?

Vielen betroffenen Kindern können Operationen wie eine Zehentransplantation oder Prothesen zu einem möglichst normalen Leben verhelfen. Wichtig ist, dass die Kinder so behandelt werden, dass sie möglichst viel zweihändig tun und greifen können.

Experten zum Thema

Prof. Dr. Kurt Hecher, Klinikdirektor und Ärztlicher Zentrumsleiter
Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin
Zentrum für Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
(040) 74 10-57 832
www.uke.de

Dr. Wiebke Hülsemann, Chefärztin
Abteilung für Handchirurgie
Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmstift
Liliencronstraße 130
22149 Hamburg
www.kkh-wilhelmstift.de

René Schaar
ahoi e. V.
Arm- und Handoperations-Interessengemeinschaft e.V.
Philipp-Zorn-Straße 35
50735 Köln
(0221) 912 46 16
www.ahoi-ev.org

Dieses Thema im Programm:

Visite | 24.09.2019 | 20:15 Uhr

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