Stand: 29.10.2018 12:16 Uhr

Grippe: Wer sollte sich impfen lassen?

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Die Grippeschutzimpfung muss jedes Jahr erneuert werden.

Eine Schutzimpfung gegen Grippe empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) insbesondere Menschen über 60 Jahren, chronisch Kranken und allen, die beruflich viel mit anderen Personen Kontakt haben. Anders als in den Vorjahren wird die Empfehlung inzwischen sehr gut angenommen. Das hat vor allem zwei Gründe:

  • Im Winter 2017/2018 erkrankten so viele Menschen an Grippe wie schon lange nicht mehr: Neun Millionen Deutsche suchten deshalb einen Arzt auf, 60.000 mussten ins Krankenhaus, 1.674 Menschen starben. Vielen Betroffenen ging es so schlecht, dass sie auf der Intensivstation behandelt werden mussten.

  • In der Grippe-Saison 2018/2019 erhalten erstmals auch alle gesetzlich Krankenversicherten den vollen Impfschutz gegen vier Virenstämme. Im vergangenen Winter waren nur drei enthalten und es verbreitete sich ausgerechnet der vierte Virenstamm (B-Linie Yamagata) besonders stark. Vor diesem Stamm waren nur relativ wenige Menschen geschützt.

Impfung, die gespritzt wird.

Grippe: Wer sollte sich impfen lassen?

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Gegen die Grippe kann man sich jedes Jahr impfen lassen. Für wen ist die Schutzimpfung sinnvoll? Und warum muss man die Impfung regelmäßig auffrischen?

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Grippe: Unterschiede zur Erkältung

Die Beschwerden bei Grippe und Erkältung sind anfangs ähnlich. Unterschiedlich sind Verlauf und Schwere der Erkrankung:

  • Eine Erkältung wird von rund 200 verschiedenen Virenarten hervorgerufen, zum Beispiel Rhino-, Adeno- und Coronaviren. Dabei treten nacheinander Symptome wie Halskratzen, verstopfte Nase und Husten auf. Da die Erreger so vielfältig sind, kann man sich mehrmals hintereinander anstecken. Eine Impfung ist nicht möglich.

  • Eine Grippe wird durch das Influenza-Virus ausgelöst, von dem es drei verschiedene Typen gibt - Influenza A, B und C. Sie ist durch einen plötzlichen und heftigen Beginn gekennzeichnet. Symptome wie hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und trockener Husten treten oft gleichzeitig auf. Auch Luftnot und massive Erschöpfung können zum Krankheitsbild gehören.

Grippe mit Medikamenten behandeln

Gegen die Grippe helfen Medikamente nur begrenzt: Der sogenannte Uncoating-Hemmstoff Amantadin und die Neuraminidase-Hemmstoffe Oseltamivir, Zanamivir und Peramivir können den Krankheitsverlauf geringfügig verkürzen und die Symptome etwas lindern. In den USA neu zugelassen wurde 2018 der sogenannte Endonuklease-Inhibitor Baloxavir.

Grippe-Impfstoff an Erreger anpassen

Wirklichen Schutz vor der Grippe bietet allein eine Impfung. Auch wenn der Schutz nicht bei jedem vollständig ist, verläuft die Erkrankung bei Geimpften in der Regel weniger schwer. Außerdem gilt: Je mehr Menschen sich impfen lassen, umso besser. Denn jeder Geimpfte ist eine Hürde für das Virus, sich weiter auszubreiten.

Doch Grippeviren können sich rasant verändern. Deshalb versuchen Wissenschaftler jedes Jahr vorherzusagen, welche Virenstämme sich in der kommenden Saison verbreiten werden. Gegen diese Stämme wird ein Impfstoff hergestellt.

Ob die Experten mit ihrer Prognose richtig liegen, ist nicht sicher. Der Impfstoff wird in Hühnereiern produziert. Das dauert sechs bis acht Monate. Wenn sich die Virenstämme in der Natur in der Zwischenzeit verändern, kann man den Impfstoff nicht mehr anpassen.

Grippe: Schutz vor Ansteckung

Ansteckungsgefahr mit Grippeviren besteht vor allem dort, wo sich viele Menschen aufhalten, beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln, Arbeitsstätten, Schulen oder Kaufhäusern. Übertragen werden Grippeviren durch eine Tröpfcheninfektion:

  • Beim Niesen, Husten, Sprechen oder durch Händeschütteln: Bis zu 15 Stunden nach einer Berührung lassen sich noch Keime auf der Haut nachweisen.
  • Über kontaminierte Gegenstände: An Türklinken, Telefonhörern oder Computer-Tastaturen können Grippeviren mehrere Stunden überleben, an Geldstücken haften sie bis zu 17 Tage.

Beim Reiben von Nase oder Augen werden sie Grippeviren dann von der Hautoberfläche auf die Schleimhäute übertragen.

Als sicherster Schutz vor der Übertragung der Keime gilt häufiges Händewaschen. Es reduziert das Ansteckungsrisiko um 50 Prozent.

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Experten zum Thema

Joachim Kurzbach, Facharzt für Innere Medizin
Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin und hausärztliche Versorgung
Rahlstedter Bahnhofstraße 25
22143 Hamburg
(040) 677 32 29
www.praxis-rahlstedt.de

Dr. Andrea Iwansky, Pneumologin
Alsterpneumologie - Facharztpraxis Colonnaden
Colonnaden 9
20354 Hamburg
www.facharztpraxis-colonnaden.de

Priv.-Doz. Dr. Hans-Peter Hauber, Sektionsleiter Pneumologie
Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und internistische Intensivmedizin
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
(040) 18 18 81 12 21
www.asklepios.com

Dr. Ralf Dürrwald, Leiter
Nationales Referenzzentrum für Influenza (NRZ Influenza)
Robert Koch-Institut
Seestraße 10
13353 Berlin
www.rki.de

Weitere Informationen
Robert Koch-Institut
Seestraße 10
13353 Berlin
Fragen und Antworten zur Grippe
www.rki.de

Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
www.impfen-info.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 30.10.2018 | 20:15 Uhr

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