Stand: 03.05.2016 11:32 Uhr  - Visite  | Archiv

Wenn das Wetter auf die Gesundheit schlägt

Bild vergrößern
Viele Menschen reagieren empfindlich auf Wetterwechsel.

Gerade noch hat man sich über die ersten Sonnenstrahlen gefreut, schon stürzt die Temperatur wieder ab. Wechselhaftes Wetter macht vielen zu schaffen: Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, juckende Narben, dazu Kreislaufprobleme, Müdigkeit oder ständige Erkältungen. Viele halten den Einfluss des Wetters für Humbug, aber immer mehr Studien zeigen, dass Wetterumschwünge tatsächlich auf die Nerven gehen. Bei manchen Wetterphänomenen folgen immer wieder heftige Migräneattacken, viele Bluthochdruckpatienten können jeden Wetterwechsel an ihren Werten ablesen und Temperaturstürze können sogar Schlaganfälle auslösen.

Es gibt klare Hinweise, dass Kopfschmerzen mit Luftdruckveränderungen in Zusammenhang stehen. Häufig berichten Schmerzpatienten von einer Zunahme ihrer Beschwerden bei einer Verschlechterung des Wetters. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass schlechtes Wetter eine depressive Grundstimmung fördert - und Depressivität führt zu einer gesteigerten Schmerzwahrnehmung. Manche Menschen spüren aber auch eine Zunahme der Schmerzen bei Wärme oder Luftdruckschwankungen.

Was passiert bei Temperaturschwankungen im Körper?

Einige dieser Zusammenhänge lassen sich wissenschaftlich gut erklären: Bei höheren Temperaturen erweitern sich zum Beispiel die Blutgefäße, was Migräne auslösen kann. Patienten mit einem hohen Schlaganfallrisiko, bei denen Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Bewegungsmangel oder Rauchen die Blutgefäße bereits geschädigt haben, sind bei akuten Temperaturstürzen besonders gefährdet: So steigt das Schlaganfallrisiko bei einem Temperatursturz von 3 Grad um 11 Prozent, bei einem Abfall von 6 Grad sogar um etwa 20 Prozent. Bei Kälteeinfluss ziehen sich die Blutgefäße vor allem in der Körperperipherie zusammen und das Herz muss stärker pumpen, um diesen Widerstand zu überwinden. Diese erhöhte Belastung kann dazu führen, dass Herz-Kreislaufkrankheiten wie ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt vermehrt auftreten. Warum dieses Risiko noch 24 bis 48 Stunden nach dem Temperatursturz erhöht bleibt, ist aber noch nicht eindeutig geklärt.

Auch Phänomene wie Gelenkschmerzen oder juckende Narben bei Veränderungen des Luftdrucks sind noch nicht erforscht. Im Tierexperiment zeigen sich aber Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Luftdruck und einer veränderten Nervenaktivität. So nimmt bei Ratten die Aktivität des Gesichtsnervs Trigeminus zu, wenn der Luftdruck abfällt. Und gerade dieser Nerv ist für Kopfschmerzattacken mit verantwortlich.

Abhärten bei Wind und Wetter hilfreich

Hilflos ausgeliefert sind wir den Wetterkapriolen allerdings nicht: Auch wenn manche Menschen wetterfühliger sind als andere, kann jeder seine eigene Wettertoleranz erweitern. Das haben Studien eindeutig bewiesen. Wer sich regelmäßig Wind und Wetter aussetzt, der kommt auf längere Sicht deutlich besser mit Wetterwechseln zurecht. Abhärten bei Wind und Wetter macht also viel Sinn, ebenso wie regelmäßige Saunagänge oder eine kalte Dusche am Morgen. Bei schnell steigenden Temperaturen sinkt übrigens das Schlaganfallrisiko deutlich - und bei Sonne und Wärme steigt die Laune und die Schmerzempfindlichkeit sinkt.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Lars Neeb
Neurologe
Kopfschmerzzentrum am Campus Charité Mitte (CCM)
Charité Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Tel. (030) 450 66 01 68
Fax (030) 450 56 09 12
Internet: neurologie.charite.de/patienten/hochschulambulanzen/kopf_und_gesichtsschmerzen_kopfschmerzzentrum_ccm/

Dr. Florian Rakers
Neurologe
AG Fetale Hirnentwicklung und Programmierung von Krankheiten
Hans-Berger-Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Jena
Erlanger Allee 101
07747 Jena
Internet: www.neuro.uniklinikum-jena.de

Dr. Melanie Hümmelgen
Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Leitende Ärztin der Kardiologischen Abteilung
RehaCentrum Hamburg
Martinistraße 66
20246 Hamburg
Tel. (040) 253 06 30
Internet: www.rehahamburg.de

Dr. Oliver Opatz
CharitéCrossOver (CCO) – Institut für Physiologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Internet: physiologie-cbf.charite.de/institut

Dieses Thema im Programm:

Visite | 03.05.2016 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

07:44
Mein Nachmittag
08:29
Mein Nachmittag
10:21
Mein Nachmittag