Stand: 06.09.2019 14:46 Uhr

Energydrinks: Schwere Nebenwirkungen möglich

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Energydrinks sind bei Jugendlichen beliebt, können aber schwere Nebenwirkungen haben.

Energydrinks versprechen eine höhere Leistungsfähigkeit und bessere Konzentration. Vor allem bei Jugendlichen kommen die süßen Drinks gut an: Laut einer Umfrage trinkt jeder Fünfte im Alter von 10 bis 16 Jahren regelmäßig Energydrinks. Doch wer die aufputschenden Getränke häufig und in großer Menge trinkt, erhöht sein Risiko für einen Herzinfarkt oder sogar plötzlichen Herztod. Aus den USA sind bereits mehrere Todesfälle bekannt, die in Zusammenhang mit Energydrinks gebracht werden.

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Energydrinks: Schwere Nebenwirkungen möglich

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Der erhöhte Konsum von Energydrinks kann zu schweren Nebenwirkungen führen, etwa Herzinfarkt und Diabetes. Experten fordern, den Verkauf an Kinder und Jugendliche zu verbieten.

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Zusatzstoffe in Energydrinks: Maximal-Dosis schnell erreicht

Was Energydrinks von anderen zuckerhaltigen Getränken unterscheidet, ist eine Mixtur von Zusatzstoffen - vor allem Koffein, Taurin, Vitamin B, L-Carnitine oder Ginseng-Extrakt. Koffein und Taurin sollen die Aufmerksamkeit und die Leistungsfähigkeit erhöhen. Doch mit Energydrinks nimmt man schnell zu hohe Mengen dieser Stoffe zu sich.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält bei Koffein maximal drei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag für ungefährlich. Demnach überschreitet ein 50 Kilogramm schwerer Jugendlicher sein Tageslimit bereits mit zwei kleinen Dosen eines Energydrinks.

Nebenwirkungen von Koffein: Gefahr für Herz und Kreislauf

Zu viel Koffein kann dramatische Nebenwirkungen haben:

  • Herzklopfen
  • Kurzatmigkeit
  • Schlafstörungen
  • Muskelzittern
  • Angstzustände
  • epileptische Attacken
  • Herzrhythmusstörungen

Besonders in Kombination mit Alkohol können Energydrinks das Herz-Kreislauf-System belasten. Denn Alkohol und Koffein erhöhen die Herzfrequenz. Das Koffein sorgt dafür, dass der Körper mehr Alkohol verträgt. Kommt körperliche Bewegung wie Tanzen oder Sport dazu, ist das Herz schnell überfordert. Im schlimmsten Fall führt das zu einem Herzinfarkt.

Tipp: Unter www.checkdeinedosis.de stellt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) einen Koffein-Rechner zur Verfügung, mit dessen Hilfe jeder berechnen kann, ob die Menge des konsumierten Koffeins im grünen Bereich liegt.

Wirkstoff-Kombination belastet Herz

Eine Studie im Auftrag des Bundesinstituts für Risikobewertung hat gezeigt: Die Kombination mehrerer Wirkstoffe in Energydrinks belastet das Herz stärker als Koffein allein. Bei den Studienteilnehmern, die einen Liter des Wachmacher-Mixes getrunken hatte, stieg der Blutdruck stärker als bei Teilnehmern, die nur Koffein zu sich genommen hatten. Auch ein wichtiger EKG-Wert, die QT-Zeit, veränderte sich - ein Zeichen dafür, dass Herzrhythmusstörungen auftreten können.

Wer auf Energydrinks verzichten sollte

Experten raten folgenden Konsumenten von Energydrinks ab:

  • Menschen mit Herz-Kreislauf-Krankheiten
  • Menschen, die ADHS-Mittel, Schlafmittel oder Beruhigungsmittel einnehmen
  • Menschen, die empfindlich auf Koffein reagieren

Schädigen B-Vitamine die Leber?

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass der erhöhte Konsum von Energydrinks auch die Leber schädigen kann. Vermutlich liegt das an der Zugabe von B-Vitaminen, die in hoher Konzentration zu Leberschäden führen können.

Viel Zucker in Energydrinks

Eine kleine Dose Energydrink enthält 54 Gramm Zucker. Das ist mehr als doppelt so viel wie die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene maximale Dosis pro Tag. Ein dauerhaft erhöhter Konsum der Getränke kann also auch zu Übergewicht und Diabetes führen.

Verkaufsverbot gefordert

Trotz der Gesundheitsgefahren müssen die Hersteller von Energydrinks nur im Kleingedruckten auf der Dose vor übermäßigem Konsum warnen: "Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und Schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen."

Verbraucherschützer und die WHO fordern ein Verkaufsverbot an Kinder und Jugendliche. Das Bundesernährungsministerium setzt bisher auf Aufklärung und hat zum Beispiel Informationsmaterial für Schulen in Auftrag gegeben.

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Experten zum Thema

Prof. Michael Schulte-Markwort, Klinikdirektor
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie
Zentrum für Psychosoziale Medizin
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Prof. Dr. rer. nat. Martin Smollich, Pharmakologe
Institut für Ernährungsmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
(0451) 31 01 84 01
www.ernaehrungsmedizin.blog

Prof. Dr. Roland Richard Tilz, Sektionsleiter Elektrophysiologie
Medizinische Klinik II - Kardiologie, Angiologie, Intensivmedizin
Universitäres Herzzentrum
Universitätsklinikum Schleswig Holstein - Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
(0451) 500-44 580
www.uksh.de

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen
foodwatch Deutschland
Brunnenstraße 181
10119 Berlin
www.foodwatch.org

Weitere Informationen
DAK-Studie: Fast jeder zweite Schüler leidet unter Stress
www.dak.de

Verbraucherzentrale zu Energy Drinks
www.verbraucherzentrale.de

Studie der University of Waterloo, Ontario
cmajopen.ca

Deutsche Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkverordnung
www.gesetze-im-internet.de

Bundesinstitut für Risikobewertung
www.bfr.bund.de

Energy Drink Report der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)
www.efsa.europa.eu

American Heart Association (AHA), Studie zu Energy Drinks
www.ahajournals.org

Dieses Thema im Programm:

Visite | 10.09.2019 | 20:15 Uhr

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