Stand: 16.04.2018 11:36 Uhr

Demenz: Wann ist ein Test sinnvoll?

Bild vergrößern
Demenz ist nicht heilbar. Ein unklares Testergebnis kann Ängste verstärken.

Demenzen sind fortschreitende Erkrankungen des Gehirns. Die häufigste und bekannteste Form ist die Alzheimer-Krankheit. Ein möglicher Hinweis auf Demenz ist zunehmende Vergesslichkeit: Betroffene stellen fest, dass sie sich nicht mehr so gut an etwas erinnern. Oft fällt es auch den Angehörigen auf. Für Klarheit kann ein Demenz-Test sorgen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt? Und wie aussagekräftig sind die Ergebnisse?

Demenz: Wann ist ein Test sinnvoll?

Demenz: Wann ist ein Test sinnvoll?

Visite -

Zunehmende Vergesslichkeit kann ein Hinweis auf Demenz sein. Spezielle Untersuchungen können Gewissheit bringen, aber auch Ängste verstärken. Wann sind Demenz-Tests sinnvoll?

4,5 bei 8 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Gedächtnis im Test: Hirnleistung und Neuropsychologie

Bei der Diagnose von Demenz werden unterschiedliche Tests verwendet:

  • Hirnleistungstests prüfen vor allem Merkfähigkeit, Wortfindungsleistung und Aufmerksamkeit. Kurztests wie der Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder Montreal Cognitive Assessment (MoCA) dauern etwa 15 Minuten und können eine erste Orientierung bieten. Wenn der Haus- oder Facharzt den Verdacht einer Gedächtnisstörung hat, werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Solche Tests ohne Anlass als IGEL-Leistung zu machen, halten Experten jedoch für überflüssig. Sie kosten dann 7 bis 21 Euro.

  • Neuropsychologische Tests bei Spezialisten werden auf Anforderung des Arztes durchgeführt und von der Krankenkasse bezahlt. Sie dauern bis zu 90 Minuten und untersuchen auch Emotionen, Verhalten und Selbstständigkeit im Alltag.

Demenz und milde kognitive Störungen

Hat ein Betroffener beim Test Probleme mit dem Benennen und Erinnern von Dingen, handelt es sich nicht automatisch um eine fortschreitende Demenz. Häufig ergibt der Test eine milde kognitive Störung (MCI), bei der die Erinnerungslücken spürbar über die altersübliche Vergesslichkeit hinausgeht. Solche Störungen können Vorstufen einer Demenz sein, müssen aber nicht. Nur etwa 40 Prozent der Betroffenen entwickeln eine Demenzerkrankung. Oft bleibt der Zustand konstant oder die Hirnfunktion verbessert sich sogar wieder. Experten raten dazu, einen Test nach ein bis zwei Jahren zu wiederholen und Entwarnung zu geben, wenn sich das Gedächtnis nicht verschlechtert hat.

Weitere Informationen
05:06
Visite

Interview: Demenz mit Tests erkennen

17.04.2018 20:15 Uhr
Visite

Zunehmende Vergesslichkeit kann ein Hinweis auf Demenz sein. In welchen Fällen spezielle Tests sinnvoll sind, erklärt Gerontopsychiater Dr. Axel Wollmer. Video (05:06 min)

Chat-Protokoll: Demenztest

Wann sind Gedächtnistests bei etwaigen Anzeichen einer Demenz sinnvoll? Gerontopsychiater Dr. Axel Wollmer hat im Visite Chat Fragen zum Thema beantwortet. mehr

Was für und gegen weitere Tests spricht

Mehr Gewissheit können weitere Tests und Untersuchungen des Blutes und des Nervenwassers sowie bildgebende Verfahren bringen.

Diese Untersuchungen können nicht nur Hinweise auf eine beginnende Alzheimer-Krankheit geben, sondern sind wichtig, um andere, behandelbare Auslöser der Gedächtnisschwäche zu entdecken, zum Beispiel Nebenwirkungen von Medikamenten, Depressionen, Schlafstörungen oder Altershirndruck (Normaldruckhydrozephalus).

Doch einige Betroffene möchten gar nicht wissen, ob sie dement werden. Die häufigsten Gründe:

  • Alzheimer gehört zu den Krankheiten, vor denen sich Menschen besonders fürchten. Sie wissen, dass nach und nach Nervenzellen im Gehirn absterben.
  • Wirksame Therapien gibt es bei der Alzheimer-Krankheit und vielen anderen Demenzformen nicht. Hier ist bis heute nicht geklärt, was genau die Erkrankung verursacht, wie sie entsteht und wie sie sich stoppen lässt.
  • Ein positives Ergebnis kann bei Betroffenen Ängste und Sorgen verstärken.

Andere Betroffene und ihre Angehörigen empfinden die frühzeitige Diagnose als hilfreich:

  • Sie haben das Gefühl, sich besser auf die Krankheit einstellen zu können und Unterstützung zu suchen, zum Beispiel über Selbsthilfegruppen.
  • Für Konflikte, die mit dem veränderten Verhalten des Erkrankten zusammenhängen, können angemessene Lösungen gefunden werden, zum Beispiel durch angepasste Kommunikation.
  • Bei der Behandlung anderer Krankheiten kann der Arzt Medikamente vermeiden, die die Demenz verschlimmern würden.

Sport und Ernährung gegen das Vergessen

Unabhängig davon, ob Tests durchgeführt werden, raten Experten Menschen mit Gedächtnisproblemen, sich vermehrt sportlich zu betätigen. Denn körperliche Aktivität gehört zu den effektivsten Strategien gegen Vergesslichkeit und Demenz. Einen positiven Effekt auf die Hirnleistung haben neben Sport auch eine mediterrane Ernährung, geistige und soziale Aktivitäten und eine Gewichtsreduktion.

Weitere Informationen

Demenz - Essen gegen das Vergessen

Studien zeigen, dass einige Stoffe aus der Nahrung das Gehirn vor Demenz schützen können. Eine besondere Bedeutung haben Omega-3-Fettsäuren, sie kommen vor allem in Fisch vor. mehr

Mit Bewegung Demenz vorbeugen

Menschen, die sich viel bewegen, haben ein geringeres Demenz-Risiko. Welche positiven Prozesse werden im Kopf ausgelöst und welche Bewegung ist am besten? mehr

Warum Frauen häufiger an Alzheimer erkranken

An der Alzheimer-Krankheit erkranken Frauen häufiger als Männer. Als Ursache vermuten Forscher die sinkende Produktion eines Sexualhormons in den Wechseljahren. mehr

Interviewpartner

Priv.-Doz. Dr. M. Axel Wollmer, Chefarzt Klinik für Gerontopsychiatrie
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Zentrum für Ältere
Asklepios Klinik Nord - Ochsenzoll
Langenhorner Chaussee 560, 22419 Hamburg
Tel. (040) 18 18-87 23 37, Fax (040) 18 18-87 16 05
Internet: www.asklepios.com

Prof. Dr. Andreas Kastrup, Chefarzt
Neurologie
Klinikum Bremen-Ost
Züricher Straße 40, 28325 Bremen
Internet: www.gesundheitnord.de

Univ.-Prof. Dr. Richard Dodel, Chefarzt
Geriatrie-Zentrum Haus Berge - Memory Clinic
Germaniastraße 9, 45356 Essen
Tel. (0201) 897-60, Fax (0201) 897-62 29
Internet: www.contilia.de

Prof. Dr. phil. Helmut Hildebrandt, Psychologe
Uni Oldenburg, Dpt. für Psychologie
Leiter Neuropsychologie im Zentrum für Neurologie
Klinikum Bremen-Ost
Züricher Straße 40, 28325 Bremen
Tel. (0421) 408-15 99, Fax (0421) 408-25 99
Internet: www.gesundheitnord.de

Weitere Informationen
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. - Selbsthilfe Demenz
Friedrichstraße 236, 10969 Berlin
Tel. (030) 259 37 95-0, Fax (030) 259 37 95-29
Internet: www.deutsche-alzheimer.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 17.04.2018 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

10:27
Mein Nachmittag

Süße Marzipan-Nikoläuse - selbst gemacht

06.12.2018 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
03:42
Hallo Niedersachsen

Mein Advent: Das Weihnachtsbaumhaus

06.12.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
01:28
NDR//Aktuell

Weihnachtszeit ist Süßigkeitenzeit

06.12.2018 16:00 Uhr
NDR//Aktuell