Coronavirus: Was bringen die Booster-Impfungen?

Stand: 15.11.2021 11:43 Uhr

Die Corona-Zahlen schießen in beängstigende Höhen. Jetzt soll die dritte Impfung die vierte Welle stoppen. Wie gut schützen die Booster? Und wo ist die Auffrischungsimpfung erhältlich?

Wieder ist es ein Wettlauf mit der Zeit: Die Corona-Inzidenzen erreichen immer neue Höchststände. Krankenhäuser verschieben planbare Operationen, um Intensivbetten für Covid-Patienten freizuhalten. Experten warnen vor weiteren 100.000 Todesopfern in Deutschland, wenn es nicht gelingt, mehr Menschen zu impfen und die bereits Geimpften rechtzeitig zum dritten Mal zu impfen.

Israel: Dritte Impfung stoppte vierte Welle

Dass sich die Welle auf diese Weise stoppen lässt, zeigt das Beispiel Israel. Hier wurden Ende Juli alle über 60-Jährigen und Risikopatienten zur dritten Impfung aufgerufen, danach schrittweise Jüngere. Seit September können sich hier alle ab zwölf Jahren drittimpfen lassen. Inzwischen sind fast 45 Prozent der Israelis dreifach geimpft, die über 60-Jährigen sogar zu 80 Prozent.

Schon drei Wochen nach Beginn der Booster-Kampagne gingen in Israel die schweren Covid-19-Fälle zurück, seit Anfang September sinken auch die täglichen Neuinfektionen. Welche Wirkung die Boosterimpfungen in Israel hatten, zeigt eine Studie der Harvard-Universität und des israelischen Clalit-Forschungsinstituts.

Risiko für schweren Verlauf deutlich niedriger

Demnach ist das Risiko eines schweren Verlaufs mit dreifachem Impfschutz 92 Prozent niedriger als bei Menschen, deren Zweitimpfung mehr als sechs Monate zurückliegt. Über 60-Jährige, die bisher nur zwei Dosen bekommen hatten, steckten sich zehn Mal so häufig an wie Gleichaltrige, die bereits eine Booster-Impfung empfangen hatten. Zudem kam es bei zweifach Geimpften 20-mal häufiger zu schweren Krankheitsverläufen als bei den Studienteilnehmern mit dreifachem Impfschutz.

Experten gehen davon aus, dass die ansteckendere Delta-Variante und der nachlassende Immunschutz sechs Monate nach der zweiten Dosis dazu führen können, dass die Betroffenen nur noch zu 50 Prozent vor einer Infektion geschützt sind. Die Booster-Impfung erhöht den Schutz auf 95 Prozent.

Booster schützt auch vor Ansteckung

In der Regel gelangen die Coronaviren über die Schleimhautzellen in Nase und Rachen in den Körper. Diese Schleimhäute haben ein eigenes Immunsystem: Die sogenannten IgA-Antikörper bilden eine Art "schnelle Eingreiftruppe", die die Viren schon beim Eintritt in den Körper bekämpfen und eine Infektion komplett verhindern können.

Doch dafür müssen genügend dieser Antikörper vor Ort vorhanden sein. Und die IgA-Antikörper lassen nach der Impfung schneller nach, weshalb sie besonders von der Auffrischung profitieren. Wie die meisten anderen Impfungen entfaltet also auch die Corona-Impfung ihre größte und stabilste Wirksamkeit, wenn sie in einem sogenannten Dreierschema verabreicht wird.

Dritte Impfung erst sechs Monate nach der zweiten

Trotz der rasch zunehmenden Infektionszahlen empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die dritte Impfung aber erst sechs Monate nach der zweiten. Der Grund dafür ist, dass der Abstand zwischen zwei Impfdosen aus immunologischer Sicht wichtig ist, denn der Körper braucht nach der zweiten Impfung eine gewisse Zeit, um seine Abwehrstrategie gegen den Erreger zu verbessern. Eine zu früh verabreichte dritte Impfung unterbricht diese Reifungsprozesse des Immunsystems und der Booster ist weniger effektiv.

Viele Impfzentren geschlossen: Wo gibt es die Booster-Impfung?

Neben dem Problem der noch immer geringen Impfquote kommt damit eine weitere Herausforderung auf Deutschland zu: die nun dringend anstehende Drittimpfung. Denn viele große Impfzentren wurden hierzulande vor Wochen geschlossen und nun sind viele Menschen ratlos, wo sie die dritte Impfung erhalten können. Bei den Hausärzten gibt es wegen der plötzlich wieder großen Nachfrage Impftermine oft erst weit im nächsten Jahr, zumal die Impfungen hier meist neben dem normalen Praxisbetrieb durchgeführt werden.

Wohin man schaut: Die Wartelisten sind lang. Denn gerade vor Weihnachten, vor den anstehenden Verwandtenbesuchen und den Winterferien, wächst die Nachfrage nach der Auffrischungsimpfung enorm. In vielen Städten sind deshalb inzwischen mobile Impfteams unterwegs, die die erste, zweite und auch die dritte Impfung ohne Terminvergabe in Einkaufszentren, Sportvereinen, Bussen oder Gemeindehäusern anbieten. Ein Termin ist hier nicht nötig, dafür mitunter viel Geduld.

Expertinnen und Experten zum Thema

Dr. Christina Wulf, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin

Leiterin Mobile Impfteams Hamburg

 

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