Stand: 24.03.2020 08:25 Uhr  - Visite

Coronavirus: Welche Medikamente wirken könnten

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Derzeit gibt es keine Medikamente, die speziell zur Behandlung der Covid-19-Erkrankung zugelassen sind.

Bis ein wirksamer Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 zur Verfügung steht, behandeln die Ärzte vor allem die Symptome der Erkrankung. Je nach Schwere des Krankheitsbildes gehören dazu die Gabe von Sauerstoff, der Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes sowie Antibiotika zur Behandlung bakterieller Begleitinfektionen.

Suche nach Medikamenten gegen die Sars-CoV-2-Infektion

Weltweit werden verschiedene Mittel und ihre Wirkung gegen das Coronavirus ausprobiert und diskutiert. Bisher gibt es weder eine konkrete Therapie noch Medikamente, die speziell gegen die Sars-CoV-2-Infektion oder Covid-19 zugelassen sind. Alle Anwendungen sind derzeit sogenannte individuelle Heilversuche, also experimentelle Verabreichungen von Medikamenten, die für andere Erkrankungen entwickelt wurden - in der Hoffnung, dass diese auch gegen den neuen Erreger wirksam sein könnten. Die Liste dieser Medikamente ist lang. Aktuell umfasst sie mehr als 20 Wirkstoffe. In Einzelfällen haben Mediziner damit bereits Erfolge erzielt - doch es fehlen verlässliche Studien, die zu echten Therapie-Empfehlungen führen könnten.

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Mittel gegen HIV und Ebola

Als vielversprechende Kandidaten gelten derzeit ein HIV-Medikament und der Wirkstoff Remdesivir:

Das HIV-Medikament mit dem Handelsnamen Kaletra kombiniert zwei sogenannte Protease-Hemmer: Lopinavir und Ritonavir. Es wurde bereits bei der Sars-Epidemie 2002/2003 eingesetzt und ist als Saft oder Tabletten zur Behandlung der HIV-Infektion zugelassen. Die Wirkstoffkombination blockiert spezielle Mechanismen, die das Virus benötigt, um in die Zellen einzudringen. Bei Covid-19 kann es eingesetzt werden, wenn die Atmung nicht mehr funktioniert und der Patient beatmet werden muss. Allerdings ist das immer eine Einzelfallentscheidung, bei der die Ärzte den potenziellen Nutzen und mögliche Nebenwirkungen abgewogen werden müssen. Eine erste Studie bei 199 chinesischen Covid-19-Patienten verlief allerdings enttäuschend.

Remdesivir wurde ursprünglich gegen Ebola entwickelt, aber nie zugelassen, weil die Wirksamkeit zu schlecht war. Bei Corona könnte das jetzt anders sein, denn in Zellkulturen waren klare Aktivitäten gegen Corona-Viren nachweisbar. Remdesivir kann zwar nicht verhindern, dass das Virus in die Zellen gelangt, aber es hemmt die Vermehrung im Lungengewebe, indem es gezielt die Vorgänge in der Zelle blockiert, die das Viruserbgut kopieren. Da Remdesivir über keine Arzneimittelzulassung verfügt, müssen die Ärzte jede Anwendung individuell bei der Herstellerfirma und der Aufsichtsbehörde des jeweiligen Bundeslandes beantragen. Das kann bis zu sechs Tage dauern. Klinische Studien sollen nun klären, ob Remdesivir tatsächlich für die Therapie gegen Covid-19 geeignet ist. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfarM) hat im März 2020 zwei Studien genehmigt, bei denen Remdesivir auch in Deutschland gegen Covid-19 getestet werden soll.

Malaria-Mittel Chloroquin

Als ein weiteres mögliches Medikament gegen die Covid-19-Erkrankung gilt Chloroquin, das seit über 80 Jahren als Mittel gegen Malaria eingesetzt wird. Aktuell gibt es in China, Italien und Frankreich Behandlungsversuche bei Covid-19-Erkrankten. Doch die Ergebnisse sind umstritten. Chloroquin kann starke Nebenwirkungen haben und muss sehr hoch dosiert werden, damit es im Lungengewebe ankommt. Dennoch soll es jetzt auch in Deutschland Studien mit Chloroquin geben.

Medikamente nur bei schweren Verläufen

Alle diese Medikamente werden aber bisher nur bei schweren Krankheitsverläufen verabreicht, da die Ärzte noch viel zu wenig über das neue Virus und die Wirkungsweise dieser Medikamente auf seine Verbreitung wissen. Zum Glück brauchen die meisten Covid-19 Patienten keines der starken Medikamente.

So ist das Coronavirus aufgebaut

Viren wie das Coronavirus sind winzig - nur etwa einen hundertmillionstel Millimeter groß - und bestehen aus einem Erbgutstrang, der von einer dünnen Hülle umgeben ist. Anders als Bakterien oder Körperzellen sind Viren extrem simpel aufgebaut. Sie bewegen sich nicht von selbst, fressen nicht und können sich nicht allein, ohne einen Wirtsorganismus vermehren. Deshalb gelten sie auch nicht als Lebewesen. Das einzige Ziel der Viren ist, sich mithilfe eines Wirts zu vermehren. Gelangt ein Coronavirus über Tröpfchen in den Rachenraum, kann es über bestimmte Bindungsstellen an der Zelloberfläche an eine Körperzelle andocken und sich so Zugang ins Zellinnere verschaffen. Coronaviren können Zellen im Atemtrakt, also erst im Rachen und dann in der Lunge, befallen, womöglich aber auch in der Leber und im Dünndarm.

Virus vermehrt sich in Körperzellen

Einmal eingedrungen, zwingt das Virus die Körperzelle dazu, sein Erbgut zu vervielfältigen und neue Virushüllen herzustellen. So werden befallene Körperzellen quasi zu Virusfabriken und produzieren jeweils bis zu 1.000 neue Viren. Am Ende entlässt die Körperzelle die neuen Viren und bleibt geschädigt zurück. Die Infektion ist damit in vollem Gange und das körpereigene Immunsystem versucht, eine weitere Ausbreitung der Viren zu verhindern.

Dabei werden neue Antikörper gebildet, die die Eindringlinge gezielt erkennen können. In der Regel ist man vor einer erneuten Infektion mit dem gleichen Virus geschützt, sobald das Immunsystem passende Antikörper gebildet hat.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Marylyn Addo
Leiterin Sektion Infektiologie
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
www.uke.de

Prof. Dr. Tobias Welte
Direktor Klinik für Pneumologie
Medizinische Hochschule Hannover MHH
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
www.mhh.de

Dr. Thomas Fenner
Labor Dr. Fenner
Bergstraße 14, 20095 Hamburg
www.fennerlabor.de

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Visite | 24.03.2020 | 20:15 Uhr

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