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Impfstoffe gegen Corona: So unterscheiden sie sich

Stand: 29.03.2021 16:05 Uhr

In der Europäischen Union sind momentan vier Impfstoffe verschiedener Hersteller gegen das Coronavirus zugelassen. Wie funktionieren sie und wie gut schützen sie vor schweren Erkrankungen?

Als erster Impfstoff hat das Präparat der deutsch/amerikanischen Firma Biontech/Pfizer am 21. Dezember 2020 die Zulassung der EU-Kommission erhalten. Am 6. Januar 2021 folgte die Genehmigung des US-Impfstoffs von Moderna, am 29. Januar der des schwedisch-britischen Herstellers AstraZeneca und am 11. März der Impfstoff des US-Konzerns Johnson & Johnson und seiner Tochterfirma Janssen aus Belgien.

mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna

Die Impfstoffe von Biontech und Moderna gehören zu den neueren mRNA-Impfstoffen, die gentechnisch hergestellt werden. Sie werden in Deutschland erstmals am Menschen eingesetzt. mRNA (messenger Ribonukleinsäure) ist der "Bauplan" für jedes einzelne Eiweiß des menschlichen Körpers. mRNA-Impfstoffe gegen Corona enthalten den "Bauplan" für nur einen Teil des Virus: das Spike-Protein auf der Außenhülle. Dieses Protein ist nicht infektiös, überträgt die Krankheit also nicht.

Die im Impfstoff enthaltene mRNA baut der Körper in einigen Tagen ab, sie gelangt nicht in das menschliche Erbgut, die DNA. Die Muskelzellen um die Impfstelle vermehren das Spike-Protein. Das Immunsystem des Geimpften erkennt sie als Fremdkörper, aktiviert Abwehrzellen und bildet Antikörper gegen das Spike-Protein des Coronavirus sowie Abwehrzellen. Folgt später eine Infektion mit dem Coronavirus, erkennt der Körper das Spike-Protein wieder und bekämpft es.

95 Prozent weniger Erkrankungen

Eine Frau impft eine Person in den Oberarm. © Colourbox Foto: Aleksandr
Eine Impfung bietet keinen 100-prozentigen Schutz vor dem Ausbruch der Krankheit.

Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Infektion an Covid-19 zu erkranken, sinkt bei Geimpften um rund 95 Prozent. Unklar ist noch, wann genau dieser Schutz einsetzt. Die erste Impfung bietet nur eine eingeschränkte Wirkung. Studien haben gezeigt, dass der volle Schutz sieben (Biontech) beziehungsweise 14 Tage (Moderna) nach der zweiten Impfung vorhanden ist. Offen ist auch, wie lange er anhält und ob geimpfte Menschen andere anstecken können. Menschen, die trotz Impfung erkranken, können mit einem weniger schweren Verlauf der Krankheit rechnen.

Mit dem Biontech-Präparat dürfen Personen ab 16 Jahren geimpft werden, mit Moderna ab 18 Jahren. Für Kinder unter 16 Jahren gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff.

Überwiegend milde Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Beschwerden nach einer Impfung gehören Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen und Schüttelfrost. Die Beschwerden sind meist gering ausgeprägt und treten eher bei jüngeren Menschen auf.

Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson

Vektor-Impfstoffe wie das Mittel von AstraZeneca beruhen auf einem anderen Prinzip als mRNA-Impfstoffe, basieren aber auch auf Gentechnik. Das Verfahren hat sich bei Impfungen gegen verschiedene Krankheiten bewährt. Hier transportiert ein für den Menschen harmloses Virus, das sich nicht vermehren kann, das Spike-Protein des Coronavirus. Der Transportstoff, das Vektorvirus, wird im Körper in kurzer Zeit abgebaut. Das Spike-Protein löst den gleichen Prozess aus wie bei den mRNA-Impfstoffen und führt so zu einem Impfschutz.

80 Prozent weniger Erkrankungen

Das Mittel von AstraZeneca darf bei Menschen ab 18 Jahren eingesetzt werden. Nach zwei Impfungen im Abstand von zwölf Wochen beträgt die Wirksamkeit in allen Altersgruppen bis zu 80 Prozent. Das bedeutet, dass bei geimpften Personen die Wahrscheinlichkeit an Covid-19 zu erkranken, bis zu 80 Prozent geringer ist als bei nicht geimpften.

Der Impfstoff führt insgesamt seltener zu Impfreaktionen. Am häufigsten traten in Studien Druckempfindlichkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen und Unwohlsein auf. Ältere Menschen sind seltener davon betroffen als jüngere.

Einige Fälle von schweren Thrombosen nach AstraZeneca-Impfung

Beim Impfen mit dem Mittel von AstraZeneca wird auf das Risiko hingewiesen, dass in wenigen Fällen Blutgerinnsel (Thrombosen) an unterschiedlichen oder ungewöhnlichen Stellen aufgetreten sind. Davon verliefen einige tödlich. Die Zwischenfälle traten überwiegend zwischen sieben und 14 Tagen nach der Impfung und überwiegend bei Frauen unter 55 Jahren auf. Allerdings haben bisher auch insgesamt mehr Frauen unter 55 Jahren den Impfstoff erhalten als andere Personengruppen.

Johnson & Johnson will im zweiten Quartal liefern

Der Impfstoff von Johnson & Johnson, ein weiterer Vektor-Impfstoff, ist derzeit in der Europäischen Union nicht verfügbar. Das Unternehmen will im zweiten Quartal des Jahres erste Dosen liefern. Im Unterschied zu den anderen Impfstoffen, wird von diesem Mittel nur eine Spritze benötigt.

Vektor-Impfstoffe einfacher zu lagern

Obwohl der Schutz bei mRNA-Impfstoffen höher ist, haben sie einen Nachteil gegenüber den Vektor-Produkten: Sie müssen bei sehr tiefen Temperaturen von bis zu minus 80 Grad gelagert und transportiert werden. Dagegen genügen bei Vektor-Impfstoffen Kühlschrank-Temperaturen von zwei bis acht Grad. Sie eignen sich daher besser für den Einsatz in Hausarztpraxen.

Langzeitfolgen unwahrscheinlich

Vor der Zulassung der Impfstoffe haben die Behörden mehr als zwei Monate abgewartet, um mögliche Langzeitschäden abzuschätzen. Anders als ein Medikament kann sich ein Impfstoff nicht über Wochen im Körper anreichern, sondern wird schnell wieder abgebaut. Einmal verabreicht, zeigen sich rasch die Wirkung und eventuelle Nebenwirkungen.

Weitere Impfstoffe aus aller Welt

Insgesamt werden weltweit mehr als 60 Impfstoffe gegen das Coronavirus entwickelt. Im großen Stil eingesetzt werden neben den genannten Produkten das russische Sputnik V, ein Vektor-Impfstoff, und das chinesische Produkt Vero des Herstellers Sinopharm. In Deutschland könnten bald ein Präparat der Tübinger Firma Curevac, das zu den mRNA-Impfstoffen gehört, sowie eines des US-Herstellers Novavax zugelassen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 22.03.2021 | 21:45 Uhr

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