Stand: 06.12.2019 15:23 Uhr

Cholesterin: Schon in jungen Jahren ein Risiko

Mann steht auf Wage und hält sein Bauchfett zusammen. © Fotolia.com Foto: yahyaikiz
Eine ungesunde Lebensweise führt langfristig zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache, nicht nur in Deutschland, sondern in allen Industriestaaten. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein erhöhter Cholesterin-Spiegel im Blut. Ein internationales Forscherteam unter der Federführung des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) in Hamburg zeigt in einer Studie, dass das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich steigt, wenn bereits in jungen Jahren ein erhöhter Cholesterin-Spiegel gemessen wird.

Blutfettwert heute zeigt Risiken in 30 Jahren

Medizinerinnen und Mediziner haben bisher vor allem die Cholesterin- oder Blutfettwerte von älteren Menschen im Blick gehabt. Denn sie gingen davon aus, dass sich eine schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung binnen zehn Jahren aufbaut. Durch die nun veröffentlichte Studie müsse dieser Ansatz überdacht werden, erklärt Stefan Blankenberg, Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums am UKE. Zumindest dann, wenn es sich dabei um das umgangssprachlich "schlechte" Cholesterin (LDL) handelt. Das ist genetisch bedingt, vermehrt sich durch einen ungesunden Lebenswandel und verstopft langfristig die Blutgefäße.

Neu sei, dass die Risikoabschätzung sehr weit in die Zukunft geht. Messe man mit 40 Jahren seinen Blutfettwert, so könne man sehen, wie sich das mit 75 auswirken kann, so Blankenberg.

Schon Menschen mit Mitte 30 oder Anfang 40 haben bei zu viel Cholesterin im Blut ein Langzeitrisiko für einen tödlichen Herzinfarkt. Die Ergebnisse der internationalen Beobachtungsstudie mit rund 400.000 Teilnehmern aus Europa, den USA und Australien seien in dieser Hinsicht eindeutig, sagt Kardiologe Christoph Waldeyer, der die Studie im Team mit Fabian Brunner durchgeführt hat: Je höher das LDL-Cholesterin sei, desto höher werde das Langzeitrisiko.

Mediziner fordern mehr Aufklärung

Herzinfarkt: Der Schmerz strahlt in der Brustkotb aus (Grafik) © NDR
Junge Menschen mit erhöhten Cholesterin-Werten haben ein deutlich höheres Herzinfarkt-Risiko.

Bereits ein leichte Überschreitung des Cholesterin-Normwerts im jungen oder mittleren Lebensalter kann das Infarktrisiko deutlich erhöhen. Kommen noch weitere Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder Diabetes dazu, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine derartige Erkrankung auf nahezu 30 Prozent. Deshalb fordert Kardiologe Stefan Blankenberg mehr Aufklärung: "Die Schlüsselfrage ist: Muss ich eventuell im zarten Alter von 35 oder 40 schon überlegen, ob ich einen Cholesterinwert von 130 oder 135, welchen der Hausarzt nie behandeln würde, nicht doch schon angehe, um mein Risiko mit 75 zu senken?"

Studie macht Umdenken nötig

Die Studie sorgt für Furore bei Forscherinnen und Forschern weltweit, denn sie ist valide. Ihre Erkenntnisse machten ein Umdenken in Sachen Cholesterin nötig, um die Anzahl der schweren Herzinfarkte und tödlichen Schlaganfälle im Alter zu reduzieren, sagt Christoph Waldeyer vom UKE: Beim Herz-Check fragten die Patienten häufig, ob sie etwas an ihrem Cholesterin tun sollten.

Bisher gab es keine gute Datenlage, um sich in solchen Fällen für oder gegen eine medikamentöse Therapie zu entscheiden. Das hat sich durch die Studie und deren Modellrechnungen grundlegend geändert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 06.12.2019 | 12:48 Uhr

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