Stand: 12.02.2019 09:37 Uhr

Chat-Protokoll: Herzschwäche, MS und Gastritis

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Ernährungsmedizinerin Dr. Anne Fleck praktiziert in Hamburg.

Essen als Medizin: Wie packe ich selbst so eine Ernährungsumstellung an? Was kann ich gerade bei Herzschwäche tun? Was muss ich bei Multiple Sklerose beachten, um Erschöpfung und Entzündungen zu minimieren - und was hilft gegen eine Entzündung der Magenschleimhaut?

Um diese Themen ging es am Montag, den 11. Februar bei den Ernährungs-Docs. Im Anschluss an die Sendung war Dr. Anne Fleck live im Chat. Die erfahrene Ernährungsmedizinerin hat Ihre Fragen beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Christina: Ich liebe Nudeln und mag auch die aus Kichererbsenmehl. Enthalten die weniger Kohlenhydrate als Nudeln aus Hartweizen?

Dr. Anne Fleck: Nudeln aus Hülsenfrüchten, zum Beispiel aus Kichererbsen, Linsen oder Bohnen, haben den Vorteil, dass sie trotz des Kohlenhydratgehalts gleichzeitig einen sehr hohen Ballaststoff- und Eiweißgehalt liefern. Je höher der Ballaststoffgehalt eines Lebensmittels, umso weniger kritisch ist die Kohlenhydratmenge. Fazit: Sehr empfehlenswert, vorausgesetzt, man verträgt Hülsenfrüchte.

Maria: Ich möchte gern fragen, was Sie von Bonbons mit Stevia halten.

Fleck: Problematisch ist das häufige Lutschen von Bonbons verteilt über den Tag, da somit wiederholt potenzielle Blutzuckerreize gesetzt werden. Dies ist nach neuestem Stand kritisch zu bewerten. Zucker ist letzten Endes Zucker. Kritisch sind vor allem Zuckeraustauschstoffe wie künstliche Süßstoffe, da sie wegen ihrer extrem hohen Süßkraft die Geschmacksnerven auf Süßhunger programmieren. Stevia als "jüngere" Zuckerart ist weniger kritisch als der "normale" Zucker. Jedoch gilt auch hier, wie für alle Zuckerarten, auch Honig, die Dosis macht das Gift. Weniger ist mehr!

Sunny: Ist Dinkel eine Alternative bei Magenschleimhautentzündung oder sollte man eher auf Roggen gehen?

Fleck: Oft sind Getreide und kohlenhydratdichte Nahrungsmittel (vor allem Süßigkeiten) Dünger für eine Magenschleimentzündung. Ob Dinkel oder Roggen besser vertragen wird, ist individuell verschieden. Empfehlenswert ist, die Kohlenhydratmenge zu begrenzen und mehr hochwertige Eiweiße zu wählen.

Petra: Nehme seit Jahren Protonenpumpenhemmer, ohne halte ich keinen Tag aus. Magenkrämpfe und Blähungen sind meine ständigen Begleiter. Oft so stark, fühlt sich an, als explodiere ich innerlich. Mein Hausarzt will die Dosis ständig erhöhen. Magenschrittmacher sollte gelegt werden, aber wegen der Blähungen mag ich das nicht. Ernährung mehrfach umgestellt, Rohkost geht gar nicht. Bin ratlos.

Fleck: Kritisch ist, vor allem bei einem langjährigen Gebrauch von solchen Medikamenten, dass die Knochendichte geschmälert und die Vitamin-B12-Aufnahme negativ beeinflusst wird. Daher mein erster dringender Rat: eine ambulante Messung der Knochendichte und im Labor Bestimmung des Vitamin-B12-Speichers. Sie sollten hinterfragen, ob Sie reichlich Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Süßigkeiten oder Alkohol konsumieren. Diese zündeln ihre Magenschleimhautentzündung an. Setzen Sie auf etwas mehr Eiweiß. Geheimtipp: Ein hartgekochtes Ei als Zwischenmahlzeit und einen Esslöffel gemahlene Leinsamen in Wasser aufgelöst vor dem Schlafengehen. Alles Gute!

Migraepositas: Kann ich den im Fernseh-Beitrag gezeigten Fatigue-Score-Fragebogen irgendwo herunterladen, um eine Fatigue-Symptomatik auszuschließen?

Fleck: Der von mir in der Sendung verwendete Fatigue-Bogen ist ein standardisierter Fatigue-Bogen. Diesen empfehle ich zu Therapiebeginn und zur Verlaufskontrolle, um notwendige therapeutische Entscheidungen in puncto Medikation oder Ernährungsumstellung sorgfältig zu prüfen.

Tine: Ich (w / 37 Jahre) leide seit acht Wochen an Magenschleimhautentzündung. Ich esse seitdem Schonkost. Ist es okay, selbst gebackenes Brot aus Dinkelmehl zu essen, oder ist das auch nicht gut (wie etwa Weizen)? Sollte ich auch auf Fett verzichten?

Fleck: Brot und Getreideprodukte können grundsätzlich nach individueller Verträglichkeit sparsam verzehrt werden. Dennoch ist zum Beispiel eine Mahlzeit mit schonend gegartem Gemüse und etwas gegartem Fisch heilsamer als ein "gesundes" Brötchen. Auf Scharfes, zu Fettiges und Angebratenes sollten Sie zunächst verzichten oder kritisch achten. Hochwertige gesunde Fette, zum Beispiel Leinöl mit DHA-Zusatz, sind aber - maßvoll verzehrt - sogar schleimhautheilend, wegen des Gehalts an antientzündlichen Omega-3-Fettsäuren.

Ulrich53: Bisher habe ich, in der Literatur von Frau Dr. Budwig empfohlen, dem Leinöl für mein Frühstück auch Arganöl zugesetzt. Nachdem ich Ihr neues Buch gelesen habe, sind mir hier Zweifel gekommen. Wie ist ihre Meinung dazu?

Fleck: Die Fettforschung hat gezeigt, dass Omega-3-Fette aus Leinöl besonders gut in Kombination mit Eiweiß (etwa Quark oder Lein- bzw. Chia-Samen) aufgenommen werden. Da Leinöl sehr oxidationsempfindlich ist, empfiehlt sich nach neuesten Kenntnissen vor allem die Kombination mit Weizenkeimöl, denn dieses ist eines der Nahrungsmittel mit dem höchsten Vitamin-E-Gehalt. Deswegen ergänzen sich diese beiden Öle im Alltag sehr gut. Arganöl hat in diesem Punkt weniger Vitamin E und ist zudem ein Vielfaches teurer.

Esmeralda29: Ich leide jetzt schon drei Jahre immer wieder an Gastritis und das mit 29 Jahren. Ich ernähre mich überwiegend von Haferflocken und glutenfreiem Knäckebrot, aber die Symptome bleiben. Was kann ich ernährungstechnisch tun? Esse ich zu einseitig?

Fleck: Ja, leider! Sie haben sich vermutlich durch die Schwere der Symptome in die Monotonie der Getreideprodukte geflüchtet. Es wäre empfehlenswert, mehr auf Eiweiß zu setzen, zum Beispiel auch den effektiven, bescheidenen und kostengünstigen Leinsamen, fein gemahlen zum Beispiel als neues Ritual einzubauen. PS: Knäckebrot zählt zu den kohlenhydratdichtesten Nahrungsmitteln überhaupt.

Brigitte74: Ist 16:8-Intervallfasten auch sinnvoll, wenn man dies "nur" an fünf Wochentagen macht und zum Beispiel am Wochenende nicht?

Fleck: Wichtig! Intervallfasten ist wie jede Form der Ernährung ganz individuell zu betrachten. Denn: Jeder Mensch ist anders und jeder Mensch isst anders. Ein strenges Intervallfasten (16:8) ist pauschal nicht für jedermann geeignet. Menschen mit Migräne, Refluxleiden oder Neigung zu Gallensteinbildung brauchen regelmäßige Mahlzeiten. Bereits eine Nahrungspause über Nacht von ca. zwölf Stunden und später verzehrtes Frühstück ("Spätstück" nenn ich das) ist ein großer Schritt Richtung Gesundheit. Wenn Ihnen diese Art der Intervalle leichtfällt, umso besser! Selbstverständlich ist das Leben zu kurz für rigide Dogmen. Nicht nur am Wochenende sollten Sie den Genuss und die Freude am Essen nicht aus den Augen verlieren.

Elli: Ist viel Bewegung sinnvoll bei MS?

Fleck: Bewegung ist immer sinnvoll. Es kann bei einer MS Überwindung kosten, bei stark ausgeprägter Müdigkeit in Bewegung zu kommen. Wenn man den Fettanteil in der Ernährung und die Ballaststoffe erhöht, zeigt sich eine deutliche Linderung der Müdigkeit. In meiner Praxis erlebe ich, dass es vielen Patienten mit dieser modernen Strategie deutlich besser geht. Kommt dann noch Bewegung, die Spaß macht, dazu, ist das ein schöner Gewinn an neuer Lebensqualität.

Sonate: Bei Magenschleimhautentzündung: Welche Nahrungsmittel oder anderen Mittel sind empfehlenswert für die Zeit zwischen den Mahlzeiten, wenn der Magen "sich meldet" oder nachts?

Fleck: Super Frage! Ich empfehle Ihnen eiweißbetonte, kohlenhydratarme Nahrungsmittel. Gut geeignet sind: Mandeln, Nüsse, Kerne (ungesalzen), Eier, ein Stück Fisch oder etwas Käse. Oder einen kleinen Naturjoghurt mit gehackten Mandeln als Gute-Nacht-Mahlzeit.

Honeybee77: Wenn man auf jeglichen Süßkram verzichten soll und muss, gibt es eine Alternative? Ich kann ja nicht ständig Banane essen, wenn ich eine Schokoheißhungerattacke bekomme.

Fleck: Heißhunger entsteht nicht selten durch den starken Blutzuckerreiz der vorangegangenen Mahlzeit. Dies bitte einmal überprüfen. Mahlzeiten mit höherem Eiweiß- und Fettgehalt schenken Ihnen exzellente Sättigung und können den Heißhunger vorbeugen. Tipp: Ein Lieblingsrezept für diesen Fall ist ein Esslöffel Chiasamen, ein Esslöffel Leinsamen, feingemahlen, mit etwas Wasser ziehen lassen, ein bis zwei Datteln, eine kleine Banane, eine halbe bis ganze Avocado und zwei große gehäufte Esslöffel Kakao. Im Mixer pürieren und genießen. Nach diesem Schokopudding sollte der Heißhunger liebevoll gestoppt sein.

Julia: Ich leide unter Gastritis. Nach einem Jahr PPI (Protonenpumpenhemmer) und dessen Absetzen habe ich starke Schmerzen. Schonkost und Heilerde helfen nicht. Was tun?

Fleck: Auf auslösende Faktoren der Ernährung und inneren Stress achten. Die Ernährungsmedizin kann nur solide greifen, wenn die Seele nicht gestresst ist. Ich empfehle Ihnen den ganzheitlichen Blick auf Ihre Gesundheit und Ihr Umfeld.

Peg: Wie hieß noch mal dieser Zusatzstoff, den die MS-Patientin zweimal am Tag eingenommen hat? Ich leide auch an MS und würde gern mehr darüber erfahren.

Fleck: Es handelt sich dabei um die sogenannte Propionsäure (ein Nahrungsergänzungsmittel). Diese zeigt nach jüngsten Forschungsergebnissen einen Nutzen bei Multipler Sklerose. Aber dieser moderne und innovative Ansatz steckt noch in den Kinderschuhen und ist bisher kein flächendeckender Therapiestandard. Die ermutigenden Forschungsergebnisse haben motiviert, diese Strategie einzusetzen.

SvenB: Ich bin 48 Jahre alt, männlich, 1,71 m groß und wiege derzeit 66 kg. Habe ein kleines Bäuchlein und möchte etwas Bauchfett verlieren. Trinke täglich grünen Tee mit Ingwer. Was hilft mir mehr: Intervallfasten oder Bauchmuskeltraining? Esse keine Süßigkeiten und vermeide Produkte mit Weizen. Was sollte ich beim Essen noch beachten, um das Bäuchlein loszuwerden?

Fleck: Die Ernährungsumstellung ist das A und O! Nicht nur "wie esse ich etwas", also das Kauen, ist wichtig, auch "wie oft esse ich". Sie sollten sich an eine geringe Mahlzeitenfrequenz halten, zwei bis drei Mahlzeiten pro Tag, möglichst eine lange Nahrungspause über Nacht von ca. zwölf Stunden und Kohlenhydrate bereits clever zum Frühstück einsparen (siehe Quarkfrühstück). Denn: Die Kohlenhydrate schließen über die Insulinreaktion die Fettzellen auf und drücken den gesamten Nährstrom in die Zellen hinein. Wenn Sie etwas mutiger den Fett-, Ballaststoff- und Eiweißanteil erhöhen, werden Sie langfristig gute Erfolge haben. Wenn Sie dann noch die Bewegung ins Boot holen, ist ein sehr guter Erfolg möglich.

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 11.02.2019 | 21:00 Uhr

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