Stand: 16.04.2019 22:36 Uhr

Chat-Protokoll: Parkinson

Zitternde Hände, schlurfender Gang, leise Sprache und ein starrer, wächserner Gesichtsausdruck - all das sind typische Symptome des Morbus Parkinson. In Deutschland leiden etwa 250.000 Menschen an der neurologischen Krankheit, bei der bestimmte Nervenzellen im Hirn absterben. Die genauen Ursachen für die Zerstörung der Nervenzellen sind meist unbekannt. Es wird vermutet, dass genetische Ursachen eine Rolle spielen, da bestimmte Parkinsonformen familiär gehäuft auftreten.

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Neurologin Prof. Daniela Berg hat im Visite Chat Fragen zum Thema Parkinson beantwortet.

Neurologin Prof. Daniela Berg hat im Visite Chat Fragen zum Thema Parkinson beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen:

Ursula B.: Wann kommt voraussichtlich die L-dopa-Pumpe in Deutschland?

Prof. Dr. Daniela Berg: Aktuell gibt es die Duo-dopa-Pumpe, womit Dopamin direkt in den oberen Dünndarm gegeben wird.

Martina: Seit Oktober habe ich den Befund Parkinson. Seither bin ich in der Einstellungsphase gewesen. Jetzt sieht es so aus, dass ich gut eingestellt bin. Da ich erst 53 Jahre alt bin und noch viele Jahre mit der Krankheit vor mir habe, ist meine Frage: Was kann ich zusätzlich tun? Hilft es zusätzlich Vitamine einzunehmen? Kann die Einnahme von Coenzym Q10 etwas bewirken und das Fortschreiten verlangsamen? Ein starkes Thema sind für mich die Schlafstörungen. Entweder schlafe ich am Tisch vor lauter Müdigkeit fast ein oder bin nachts hellwach. Es fehlt der Rhythmus.

Berg: Wenn Sie sehr müde sind und häufig einschlafen, sollten Sie mit Ihrem Neurologen besprechen, ob das nicht Nebenwirkungen der Medikamente sind. Dann müsste man Sie anders einstellen. Neben den Medikamenten sollten Sie unbedingt viel körperliche Aktivität durchführen.

Katharina: Habe immer wieder Zittern in der rechten Hand. Bin 33 Jahre alt. Könnte das ein Anzeichen sein? Es wird immer auf Stress abgetan?

Berg: Es gibt unterschiedliche Arten des Zitterns. Es muss nicht immer Parkinson sein. Sie sollten aber, damit nichts übersehen wird, sich damit einmal bei einem Neurologen vorstellen.

Heike: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass neben einem Altershirndruck, gleichzeitig auch eine Parkinson-Erkrankung vorliegt? Mit welchen Untersuchungsmethoden kann dies festgestellt werden? Gibt es beim NPH ausschließlich die Option des VP-Shunts?

Berg: Man kann beides haben, einen NPH (Normaldruck-Hydrocephalus) und einen Parkinson. Man sollte ein Bild (MRT) vom Kopf machen, ggf. eine Nervenwasserpunktion und den Druck bestimmen. Zusätzlich kann ein Medikamentenversuch mit Parkinson-Medikamenten unternommen werden.

Anke: Bei welchem Arzt kann man sich genetisch auf Parkinson testen lassen?

Berg: Sie können das mit Ihrem Neurologen besprechen. Entweder Sie werden zu einem Humangenetiker geschickt, oder gehen in ein spezifisches humangenetisches Institut.

Jutta: Mein Vater hat Parkinson. Ich bin seine Tochter und 57 Jahre alt. Ich habe ab und zu Träume in denen ich schreie und um mich schlage. Ist das schon ein Hinweis auf Parkinson?

Berg: Da dies ja ein Hinweis für eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung sein kann, sollten Sie sich damit einmal bei einem Neurologen oder in einem Zentrum, das sich mit diesem sehr frühen Stadium auseinandersetzt, vorstellen. Alternativ könnten Sie auch zunächst die Schlafauffälligkeit in einem Schlaflabor untersuchen lassen.

Maria: Mein Großvater und Vater hatten Parkinson. Ich bin Mitte 40, ab wann und wie sollte ich mich testen lassen?

Berg: Wenn Sie keinerlei Symptome haben, brauchen Sie sich nicht testen zu lassen. Wenn Ihr Vater noch lebt, könnte er eine genetische Testung bei sich durchführen lassen. Wenn eine genetische Veränderung, das für den Parkinson verantwortlich ist, bei ihm gefunden wird, könnte man genau nach dieser genetische Veränderung bei den Kindern gucken.

Markus: Ich habe das Restless-Legs-Syndrom. Ist mein Parkinson-Risiko erhöht?

Berg: Nein. Zumindest nicht wesentlich.

Conny: Was halten Sie von der BIG-Therapie? Ist sie als Kassenleistung rezeptierbar?

Berg: Das wesentliche an der BIG-Therapie ist, dass sehr große Bewegungen sehr regelmäßig und sehr lange durchgeführt werden. Somit ist sie hilfreich, gerade wenn die alltäglichen Bewegungen klein und langsam sind.

Biggi: Der Vater meiner Kinder (29 und 31 Jahre) ist im Alter von ca. 25 Jahren an Parkinson in Form von Beinzittern erkrankt. Wie und wo sollten sich meine Kinder testen lassen und welcher Arzt ist dafür zuständig?

Berg: Zunächst sollte sich der Vater testen lassen, mit der Frage, ob eine spezifische genetische Veränderung überhaupt zu finden ist.

Brina: Ich bin 30 Jahre alt und habe Parkinson von beiden Seiten aus der Familie, von der Uroma angefangen, über Oma und Vater. Was halten Sie von den Tests, wo durch Hautentnahme getestet wird, ob man Parkinson hat? Wenn ich es mache und es kommt die Diagnose Parkinson, was kann man dann schon tun? Meine zweite Frage: Was halten Sie von dem Tipp Ambroxol zu nehmen?

Berg: Die Haut-Biopsien werden aktuell nur im Rahmen von Studien durchgeführt; mit der Frage, ob die parkinsontypischen Eiweiß-Veränderungen schon nachgewiesen werden können. Das ist aber noch nicht für die Routine möglich. Wenn Sie Auffälligkeiten bei der Bewegung verspüren, sollten Sie unbedingt zum Neurologen gehen.

bora334: Ich habe zitternde Beine in der Schlafphase. Mein Arzt hat mir das Medikament Restex 100mg/25mg verschrieben. Der Arzt meint, das wäre kein Parkinson. Hat er recht? Ich habe auch Diabetes Typ2.

Berg: Ja, er hat Recht.

Anna: Kann man Parkinson im Blut nachweisen und welcher Blutwert ist dann verändert?

Berg: Nein, kann man heute leider noch nicht...

Marlene: Was kann man bei einem neunzigjährigen Patienten gegen die unruhigen REM-Schlafphasen tun. Besonders fällt auf: Nach der 22 Uhr-Gabe Levodopa & Carbidopa wird er sehr unruhig.

Berg: Das ist wahrscheinlich keine REM-Schlaf-Störung, sondern eine Nebenwirkung der Medikation. Das sollten Sie mit dem Neurologen besprechen.

Sy: Ich bin 55 Jahre alt und seit zwei Jahren habe ich die gesicherte Diagnose Parkinson. Ich hätte großes Interesse an ihrer Studie in Kiel teilzunehmen. Ich komme aus Schleswig- Holstein. Besteht da noch die Möglichkeit und wie nehme ich Kontakt auf?

Berg: Sie können sich in unserem Studien-Sekretariat melden. Telefon: 0431/500-23989

Martina: Welche Voraussetzung brauche ich für Ihre Studie. Ich hätte auch Interesse.

Berg: Die neuen Therapiestudien richten sich besonders an Patienten im frühen Stadium, das heißt am besten noch ohne Medikation.

Anna r.: Extrem wichtig finde ich den Umgang der Angehörigen mit der Krankheit. Was ist am wichtigsten im Umgang mit dem Patienten bezogen auf den sozial-emotionalen Bereich?

Berg: Wichtig ist ein möglichst normales Leben zu führen und die Krankheit nicht zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen.

Stevo: Was für Bewegungsformen raten Sie Parkinson-Erkrankten? Zum Beispiel Tanzen, Tai Chi oder...?

Berg: Für Bewegung gelten drei Punkte: Erstens, sie sollte immer wieder unter Anleitung sein, damit man sich nichts Falsches angewöhnt. Zweitens, sie sollte regelmäßig sein (einmal in der Woche Krankengymnastik reicht nicht!). Drittens, sie sollte Spaß machen, das hilft für die Regelmäßigkeit und ist gut für's Gehirn. Es gibt Studien, die zeigen, dass in nordischen Ländern Nordic Walking hilfreich ist. In Asien Tai Chi, in Argentinien Tango-Tanzen. Das heißt, Sie dürfen gern auch kreativ sein.

nicole: Welche Lebenserwartung haben Parkinson-Patienten? Mein Vater wird jetzt 75, seine Eltern sind ca. 85 geworden.

Berg: Mit guter medikamentöser Einstellung und ausreichend Bewegung, kann der Verlauf gut sein, wobei es natürlich individuell große Unterschiede gibt.

Herbert: Mein Vater hat seit fast 20 Jahren Parkinson. Jetzt bekommt er öfter Schübe. Leider kommt jetzt auch stärker Durchfall dazu. Was kann man da tun?

Berg: Die Medikation sollte mit dem Neurologen besprochen werden.

Tuljo: Ich habe die Parkinson-Diagnose seit Sommer 2015. Nehme noch keine Medikamente. Ist das ein Fehler?

Berg: Generell ist eine frühe medikamentöse Therapie sinnvoll. Aber das ist natürlich sehr stark vom individuellen Verlauf abhängig.

Kerstin: Sie haben meinem Mann (53 Jahre) zu einer THS geraten. Nun haben Sie gerade über Medikamente gesprochen, die getestet werden. Könnten diese evtl. für meinen Mann auch infrage kommen, da seine Mutter Parkinson hatte, sein Opa mütterlicherseits und auch der Onkel väterlicherseits. Also hier vielleicht doch die Genetik eine Rolle spielt?

Berg: Die neuen Medikamente können aktuell nur bei Parkinson-Patienten in sehr frühem Stadium, in der Regel wenn noch keine Medikamente gegeben werden, eingesetzt werden.

Ih: Ist es richtig, dass ein Tremor die Vorstufe von Parkinson ist?

Berg: Es gibt verschiedene Tremor-Arten, sodass man das nicht so allgemein sagen kann.

Bel: Gibt es eine Möglichkeit, die Suchtproblematik einer Parkinson-Patientin zu dämmen? Das ist aktuell für uns leidvoller als die Krankheit selber.

Berg: Das ist eine sehr wichtige Frage! Bei Sucht handelt es sich in der Regel um Nebenwirkungen von Medikamenten. Das müssen Sie unbedingt mit dem Neurologen besprechen.

Gabi: Mein Mann hat Parkinson. Sie haben kurz erwähnt, dass auch die Ernährung eine Rolle spielt, wo finde ich nun Rezepte beziehungsweise welche Lebensmittel sollte man meiden oder bevorzugt essen?

Berg: Sinnvoll ist eine vitamin- und polyphenolhaltige Nahrung. Polyphenole sind zum Beispiel in grünem und schwarzem Tee, Kaffee und roten Beeren. Insgesamt ist eine leichte, mediterrane Diät bei Parkinson sinnvoll.

Simone K: Ich bin 53 Jahre alt und lebe seit fünf Jahren mit der Diagnose Parkinson. Ich nehme noch keine Dopamin-Produkte, sondern verschiedene Agonisten und komme noch gut damit zurecht. In der Klinik drängt man mich jedoch zu Dopamin Präparaten. Wie stehen Sie dazu?

Berg: Solange Sie gut eingestellt sind und keine wesentlichen Nebenwirkungen haben, muss nichts geändert werden.

Isa: Mein Vater hat seit zehn Jahren keinen Geruchsinn mehr. Jetzt motorische Verlangsamung und einen Ruhe-Tremor in der rechten Hand. Vor einem Jahr meinte der Arzt, es ist kein Parkinson. Vor einem halben Jahr sagte er, es könnte doch sein. Da er unter 70 ist, hat er ihm das Medikament Pramipexol verordnet. Würden sie das auch bevorzugen? Bis jetzt waren wir skeptisch wegen der Nebenwirkungen und der Symptome, die bei ihm noch kompensierbar sind.

Berg: Im Grunde kann Pramipexol probiert werden, wenn Ihr Vater das nicht vertragen sollte, kann rasch auf ein anderes Medikament, zum Beispiel L-dopa gewechselt werden.

Opa: Ich habe Fußhebestörungen beim Laufen, das heißt ich schlurfe oft. Ich bin männlich, 83 Jahre alt. Ist das ein Zeichen für Parkinson?

Berg: Da gibt es verschiedene mögliche Ursachen. Fragen Sie am besten Ihren Neurologen.

Kathleen: Mein Vater hat Parkinson. Er hat vor allem in der Nacht Halluzinationen. Steht auch schon mal auf und deckt mitten in der Nacht den Tisch, weil er denkt, dass er Besuch hat. Außerdem leidet er unter Verfolgungswahn auch mir gegenüber. Was kann dagegen getan werden?

Berg: Das können Nebenwirkungen der Medikamente sein. Sie sollten dies mit Ihrem Neurologen besprechen.

Peter: Ich habe wegen Koordinationsstörungen in der rechten Hand und Gangbeschwerden einen Neurologen aufgesucht. Durch Einnahme von Madopar 250 mg 3 mal täglich haben sich die Einschränkungen teilweise gebessert. Daher ist Parkinson durch den Neurologen diagnostiziert worden. Gibt es einen sicheren Nachweis von Parkinson?

Berg: Parkinson ist in der Tat eine klinische Diagnose. Das heißt, wenn die Symptome für Parkinson sprechen und die Parkinson-Medikamente wirken, ist die Diagnose sehr wahrscheinlich.

Andreas: Ich bin 52 und leide seit drei Jahren an Parkinson-Symptomen. Seit einem Jahr nehme ich L-dopa ISICOM. Die Steifigkeit hat sich etwas verbessert, aber der Armschwung und das Gangbild rechts wird immer schlechter. Ich habe auch fast immer Kopfdruck. Ich komme aus dem Berliner Umland und habe die Frage, ob es ähnliche Studien wie Ihre in Berlin gibt, an denen man teilnehmen kann.

Berg: Bezüglich Studien ist es sicher sinnvoll, wenn Sie sich an die Charité in Berlin wenden.

Ulli R: Findet die Studie nur in Kiel statt? Oder gibt es auch in anderen Städten die Möglichkeit?

Berg: Die meisten Studien werden an mehreren Orten in Deutschland durchgeführt. Sie sollten bei der für Sie nächstgelegenen Uniklinik nachfragen. Sie können auch auf folgender Homepage nach Studien suchen: https://foxtrialfinder.michaeljfox.org/de/

Aktham Abou F.: Braucht eine Parkinson-Patientin auf alle Fälle eine psychologische Betreuung?

Berg: Das hängt von der Symptomatik ab. Viele Menschen mit Parkinson (ca. 40 Prozent) leiden im Rahmen des Parkinsons auch an Depressionen. Diese sollten behandelt werden.

Marcella N.: Sie sagten vorhin, es sei wichtig, so früh wie möglich mit einer Therapie zu beginnen. Besteht dann nicht die Gefahr früh austherapiert zu sein?

Berg: Nein, es gibt heute sehr viele und unterschiedliche Medikamente, die im Verlauf kombiniert werden können. Wenn man nicht früh anfängt, besteht die Gefahr, dass die Lebensqualität im Alltag stark eingeschränkt ist. Man sollte, wenn die Medikamente nicht mehr so gut ansprechen, gegebenenfalls auch eine Tiefen-Hirn-Stimulation erwägen.

Stelu: Unsere Enkeltochter (21 Jahre) hat seit einem Jahr das Segawa-Syndrom. Ist das mit Parkinson gleichzusetzen? Dopamin muss sie als Tabletten nehmen.

Berg: Nein, das ist kein Parkinson.

Martha: Was empfehlen Sie bei der Behandlung von Parkinson mehr: Die Erhöhung der Dosis eines Medikaments (Ropinirol) oder die Kombination verschiedener Medikamente in niedrigerer Dosierung, insbesondere wenn Ropinirol zu Kreislaufproblemen führt?

Berg: Bei Kreislaufproblemen wäre eher eine Reduktion der Dosis und eine Kombination mit anderen Medikamenten sinnvoll.

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