Stand: 27.02.2018 23:15 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll: Neuen Schlaganfall verhindern

Dr. Christian Gerloff
Prof. Dr. Christian Gerloff hat im Online-Chat Fragen beantwortet.

In Deutschland erleiden rund 260.000 Menschen im Jahr einen Schlaganfall. Bei jedem Fünften ist es der zweite. Umso wichtiger ist es, durch Sekundärprävention, also gezielte Vorsorge, das Risiko für einen erneuten Schlaganfall zu verringern. Dies geschieht im Allgemeinen durch Medikamente, die die Gerinnung des Blutes beeinflussen. Wann und wie lange müssen diese Tabletten eingenommen werden? Was kann man sonst noch tun?

Fragen zum Thema "Schlaganfall behandeln und verhindern" hat der Neurologe Prof. Dr. Christian Gerloff vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Gast: Meine Mutter (62) hatte vor einigen Jahren einen Schlaganfall. Es ist bis heute nicht eindeutig geklärt, ob dieser daher kam, dass sie einige Jahre vorher einen Unfall hatte, bei dem sie auf den Kopf gefallen ist - und ob dabei vielleicht eine Blutung im Gehirn übersehen wurde. Einige Ärzte sagen auch, das ist Schwachsinn, ein Schlaganfall könne keine Spätfolge dieses Sturzes sein. Was sagen Sie? Sie nimmt blutverdünnende Mittel, macht sich aber große Sorgen, dass sie wieder einen Schlaganfall bekommen könnte.

Prof. Dr. Christian Gerloff: Ein Schlaganfall im Sinne einer Durchblutungsstörung (das sind 85 Prozent aller Schlaganfälle) ist keine Sturzfolge. Manche Schlaganfälle sind allerdings auch Hirnblutungen (15 Prozent). Diese könnten auch durch einen Sturz begünstigt werden, dann aber nicht als Spätfolge nach vielen Jahren. Insofern ist ein Zusammenhang tatsächlich unwahrscheinlich.

Sabine: Bei mir wurde per MRT vom Kopf ein Mini-Schlaganfall festgestellt. Es konnte nicht gesagt werden, wann dieser erfolgte. Ist das Risiko sehr hoch, einen weiteren Anfall zu bekommen? Kann ich auch bei einem Mini-Schlaganfall eine Reha bekommen? Ich bin Risikopatient: Übergewicht, Bluthochdruck, Raucher. Sind Statine wirklich sinnvoll, da ich einen hohen LDL-Wert habe?

Gerloff: Auch ein Mini-Schlaganfall sollte ernst genommen werden. Reha ist prinizipiell dann wichtig, wenn es ein Reha-Ziel gibt. Die Empfehlung ist, sich mit dem Hausarzt abzusprechen, ob eine Einstellung der Risikofaktoren im Rahmen einer solchen Maßnahme möglich ist - kommt auch auf die Kasse an. Generell ist in einer solchen Situation bei hohem LDL eine cholesterinsenkende Therapie sinnvoll - ob mit Statin oder auf andere Weise, sollte ebenfalls mit dem Hausarzt besprochen werden.

Silberfuchs: Kann ich mit täglicher Einnahme von Aspirin/ASS das Risiko minimieren, auch wenn ich derzeit kein klassischer Risikopatient (58 Jahre) bin?

Gerloff: Wenn keine Risikofaktoren bestehen und keine Hinweise auf Arteriosklerose vorliegen, ist eine rein prophylaktische Gabe von ASS nicht sinnvoll.

Bonsai: Ich bin 63 Jahre alt und seit etwa 30 Jahren Diabetiker Typ 1. Vor zwei Jahren habe ich Vorhofflimmern gehabt und zunächst auch Betablocker genommen - neben einem Blutverdünnungsmittel (Pradaxa). Nachdem die Herz-Unregelmäßigkeiten zurückgingen, habe ich den Betablocker wieder abgesetzt. Gelegentlich verspüre ich aber noch ein leichtes Herzstolpern. Sollte ich die Betablocker dann lieber nicht absetzen und durchgehend nehmen?

Gerloff: Sehr differenzierte Frage. Generell gilt, dass einmal nachgewiesenes Vorhofflimmern - insbesondere bei weiteren Risikofaktoren (wie Diabetes) - eine dauerhafte Indikation für die Blutverdünnung ist.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.02.2018 | 20:15 Uhr

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