Stand: 01.05.2019 10:41 Uhr

Chat-Protokoll: Brustkrebs

Brustkrebs ist immer noch die häufigste Krebserkrankung für Frauen. Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Neue Therapien sind oft weniger belastend: weniger Chemotherapien, kürzere Bestrahlungszeiten und neue Medikamente, die auch bei fortgeschrittener Erkrankung eine gute Lebensqualität erhalten können.

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Dr. Isabell Witzel hat Fragen zum Thema Brustkrebs beantwortet.

Dr. Isabell Witzel vom Brustzentrum im Universitätsklinikum Eppendorf hat im Visite Chat Fragen zum Thema beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen:

Luna: Empfehlen Sie bei einem Lokalrezidiv (nach 20 Jahren) erneut eine Strahlentherapie? Ich bin 76 Jahre alt, bei einem sehr guten Allgemeinzustand, vor Kurzem operiert (Tumorgröße 1,4 cm/geringer Malignitätsgrad) und soll zusätzlich Aromatasehemmer nehmen.

Dr. Isabell Witzel: Eine erneute Bestrahlung muss immer sehr zurückhaltend empfohlen werden, da die Haut meistens eine Bestrahlung nicht vergisst und daher die Nebenwirkungen deutlich verstärkt sein können bei einer erneuten Bestrahlung. Möglicherweise können Sie auf eine zweite Strahlentherapie verzichten, auch wenn der Tumor erneut brusterhaltend operiert wird.

Hanni55: Laut Katherine-Studie wird nach einer Operation ohne PCR bei HER2/neu positiv TDM1 empfohlen. Wird dies auch bei hormonpositiv und HER2/neu positiv (also triple-positiv) so empfohlen?

Witzel: Ja, dies wird auch in dieser Situation empfohlen.

Silke: Wie oft kommt es vor, dass eine Brust mit einem eigentlich kleinen Tumor (bis 2 cm) dreimal brusterhaltend operiert wird, bis endlich R0 erreicht worden ist? Und kommt es überhaupt vor, dass sogar noch ein viertes Mal so operiert werden würde, um R0 zu erreichen?

Witzel: Das kann vorkommen. Letztendlich entscheiden die Brustgröße und der Wunsch der Patientin, wie oft man nachoperieren kann, bis eine R0-Situation hergestellt ist.

Ute: Ich habe einen hormonabhängigen Brustkrebs inklusive vier befallener Lymphknoten. Nach OP, Chemotherapie und Bestrahlung nehme ich jetzt seit fünf Jahren Letrozol ein. Empfehlen Sie eine weitere Einnahme von Letrozol oder einen Wechsel auf Tamoxifen?

Witzel: Ich empfehle einen Wechsel auf Tamoxifen.

Sabrina: Ich bin 32 Jahre alt und bei mir wurde vor zwei Jahren ein Fibroadenom in der Brust festgestellt, das bisher unverändert blieb. Meine Gynäkologin empfiehlt mir, den Knoten entfernen zu lassen, da dieser immer ein Risiko bergen kann. Würden Sie weiterhin kontrollieren lassen oder raten sie zu einer Entfernung?

Witzel: Ein Fibroadenom ist ein gutartiger Tumor, der nicht zwangsläufig entfernt werden muss. Fibroadenome entarten auch nicht. Wenn der Befund seit zwei Jahren stabil ist und das Fibroadenom nicht wächst, würde ich weiter kontrollieren.

Maria: Muss DCIS im Stadium 2 immer entfernt werden und anschließend bestrahlt?

Witzel: Ja, ein DCIS sollte entfernt werden, da man nicht weiß, wie schnell das DCIS sich in einen bösartigen Tumor verwandelt. Die Bestrahlung kann diskutiert werden, wird aber nach Leitlinie empfohlen.

S.Meier: Bei triple-negativ im Frühstadium ohne Lymphknotenbefall sind die Heilungschancen meines Wissens nach exzellent. Sehen Sie das auch so?

Witzel: In der Situation ist im Regelfall eine Chemotherapie notwendig. Damit sind die Heilungschancen auch bei diesem Subtyp sehr gut.

Andrea: Was halten Sie von einer individuell zusammengestellten Chemotherapie anstelle der Chemo gemäß Leitlinie? Muss jeder Onkologe sich auf eine individuelle Chemotherapie einlassen?

Witzel: Von einer individuell zusammengestellten Chemotherapie halte ich nichts. Es gibt viele gut untersuchte Kombinationen, die angewendet werden können. Mit einer individuell zusammengestellten Chemotherapie riskiert man eine schlechtere Behandlung, die in keiner Studiensituation so untersucht worden ist.

Vany: Gibt es Gründe wie zum Beispiel triple-negativ, Sentinel-Befall, die gegen eine hypofraktionierte Bestrahlung sprechen?

Witzel: Immer wenn eine Bestrahlung außerhalb der Brust zusätzlich zur Brustbestrahlung notwendig ist, zum Beispiel beim Lymphknotenbefall, wird keine hypofraktionierte Bestrahlung durchgeführt.

Manzi: Seit vielen Jahren habe ich ein Jucken an der rechten Brustwarze. Etwa zwei Jahre lang kamen auch harzfarbene Tropfen heraus, die im Labor untersucht wurden. Regelmäßig wurden Ultraschalluntersuchungen vorgenommen, die immer ohne Befund waren. Muss ich mir Sorgen machen, dass sich irgendwann Krebs entwickelt? Reichen die Ultraschalluntersuchungen überhaupt aus?

Witzel: Eine Sekretion aus der Brustwarze ist nur dann verdächtig, wenn sie blutig ist. Auf jeden Fall sollte eine Brustdiagnostik erfolgen, die aus Ultraschalluntersuchungen, meist in Kombination mit Mammografien, besteht.

Loretta: Ich habe vor fünf Wochen meine Chemotherapie (viermal EC, zwölfmal Taxol) abgeschlossen und habe heute meine zweite von insgesamt 28 vorgesehenen Bestrahlungen bekommen. Ist es zu empfehlen, jetzt noch zu fragen, ob auf die verkürzte Bestrahlung umgestellt werden könnte? Im Beitrag hieß es, Luft anhalten während der Bestrahlung. Das wird bei mir nicht verlangt.

Witzel: Während der laufenden Bestrahlung macht es keinen Sinn, die Dosis zu verändern. Auch die Methode mit dem Luft anhalten wird an vielen Standorten noch nicht durchgeführt. Die Bestrahlung, so wie Sie sie erhalten, ist eine gute Therapie.

Bine: Ich nehme seit zwei Jahren ein Hormongel (Gynokadin) wegen der Wechseljahrsbeschwerden. Besteht die Gefahr, schneller an Brustkrebs zu erkranken und wie lange sollte ich es längstens einnehmen?

Witzel: Die reine Östrogentherapie erhöht das Brustkrebsrisiko eher nicht. Erst die Kombination mit einem Progesteron scheint das Brustkrebsrisiko zu erhöhen. Wichtig ist, dass Sie die Therapie nur so lange durchführen, wie notwendig und dass Sie es immer mal wieder ohne probieren, um zu sehen, ob die Beschwerden noch bestehen.

Gesine: Ich habe die Sache mit der Bestrahlung nicht verstanden. Wird jetzt in der Hälfte der Zeit die gesamte Dosis verabreicht, die ansonsten in der doppelten Zeit verabreicht wurde? Und falls ja, verlängert sich bei der halben Bestrahlungszeit die Dauer der Bestrahlung, also die Zeit, in der man unter dem Bestrahlungsgerät liegt, oder wird "nur" die Dosis erhöht?

Witzel: Bei der hypofraktionierten Bestrahlung wird die einzelne Strahlendosis etwas erhöht. Dadurch verringert sich auch die Gesamtdosis etwas. Es wird aber etwas mehr als die Hälfte der alten Dosis verabreicht.

Illi: Ist es ratsam, eine Bisphosphonattherapie mit Zometa durchführen zu lassen, zweimal im Jahr?

Witzel: Dies kann für Frauen nach den Wechseljahren eine gute Ergänzung der Therapie sein.

Sohn: Meine Mutter hat metastasierten Brustkrebs. Es wurde bisher ein Hirntumor entfernt und anschließend der Kopf bestrahlt. Nun erhält Sie Ibrance (CDK4/6), es ist aber nicht davon die Rede, den Brustkrebs operativ zu behandeln. Auch eine Bestrahlung der Brust wird zurzeit nicht in Erwägung gezogen. Stimmt es, dass eine Operation für einen metastasierten Brustkrebs keinen Mehrwert bietet?

Witzel: Es ist tatsächlich so, dass im fortgeschrittenen Tumorstadium eine Operation der Brust keinen Vorteil für die Patientinnen bringt. Im Einzelfall kann dies natürlich diskutiert werden.

Robert: Bei mir (männlich, 43 Jahre alt) besteht eine Vergrößerung der linken Brustwarze mit gelegentlichen Brustschmerzen. Laut Hausarzt nur eine Talgverstopfung. Der weiterbehandelnde Chirurg hat aber eine Überweisung zum Ausschluss von Mammakrebs ausgestellt. Ich muss zur Mammografie. Worin besteht der Unterschied von Brustkrebs bei Mann und Frau?

Witzel: Sie sollten die Brust auf jeden Fall untersuchen lassen. Meist findet man eine gutartige Erklärung für Ihre Beschwerden. Brustkrebs beim Mann ist deutlich seltener, wird aber sehr ähnlich diagnostiziert und behandelt.

Cornelia: Ich hatte nach einem Lokalrezidiv 2015 bislang drei Knochenmetastasen, die alle bestrahlt wurden. Meine Ärztin empfiehlt mir Xgeva, gibt es dazu eine Alternative? Die Nebenwirkungen von Xgeva machen mir Sorge. Ich bin 52 Jahre alt.

Witzel: Sie sollten irgendeine Form des medikamentösen "Knochenschutzes" durchführen, um zu verhindern, dass der Knochen irgendwann bricht. Es gibt auch Alternativen zu Xgeva, lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Onkologen*in beraten.

Paula: Kann man feststellen, ob die Antihormontherapie noch wirkt?

Witzel: Bislang gibt es keine Möglichkeit, dies nachzuweisen.

Frau Will: Ich bin 50 Jahre alt. Ist es wirklich notwendig, jedes Jahr zur Mammografie zu gehen? Reichen Abtasten und Ultraschall nicht aus? Es gibt keine Vorbelastung in der Familie.

Witzel: Im Mammografie-Screening werden Frauen ab 50 alle zwei Jahre untersucht. Dieses Intervall scheint bei Frauen ohne Risikofaktoren für die Früherkennung ausreichend. Dadurch dass das Drüsengewebe mit dem Alter in der Brust weniger wird, ist durch die Mammografie eine Veränderung in der Brust besser sichtbar.

Lilly: Meine Mutter und meine Schwester hatten beide hormonabhängigen Brustkrebs. Sollte ich einen Gentest durchführen lassen? Zurzeit nehme ich naturidentische Hormone äußerlich, sollte ich diese absetzen? Ich bin 59 Jahre alt und meine Schwester 66 Jahre.

Witzel: Brustkrebs ist eine häufige Erkrankung, deshalb muss es nicht unbedingt bedeuten, dass Sie auch ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben, wenn Ihre Mutter und Ihre Schwester erkrankt waren. Am besten lassen Sie sich einmal von Ihrem Gynäkologen beraten, ob eine humangenetische Beratung für Sie in Frage kommt.

Omanine: Ich bin 64 Jahre alt und 2013 an einem hormonabhängigen Brustkrebs erkrankt - sehr klein (5 mm, kein Lymphknotenbefall, G3) und hatte schon vorher eine sehr schmerzhafte Fibromyalgie. Habe fünf Jahre Letrozol genommen, was die Schmerzen sehr verstärkt hat. Ich konnte die Tabletten jetzt einfach nicht mehr nehmen, Lebensqualität wurde immer schlechter. Ende Februar nahm ich die letzte Tablette, doch mir geht es nur sehr langsam besser. Dauert es so lange, bis die Wirkung von Letrozol nachlässt? Muss ich jetzt, nachdem ich kein Letrozol mehr nehme, mit einem Rezidiv rechnen?

Witzel: In Ihrer Situation ist eine fünfjährige Antihormontherapie sicherlich ausreichend gewesen. Es kann sicherlich einige Wochen dauern, bis die Nebenwirkungen nachlassen.

Maus: Vor einem Jahr habe ich wegen Brustkrebs und verschiedenen Mikroverkalkungen meine linke Brust amputiert bekommen. Meine Lymphknoten waren rein. Außer einer Antiöstrogen-Behandlung mit Tamoxifen 20 mg vertrage ich nur 10 mg Tamoxifen. Ich habe keine Chemo und keine Bestrahlungen bekommen. Ist es noch sinnvoll, einen DNA-Test, Tamoxifen, Enzym CYP2D6, zu machen? Falls ja, würde ich diesen Test selber zahlen. Ich bin 75 Jahre alt.

Witzel: Der Test wird von Fachgesellschaften nicht empfohlen, da er zwar erklärt, wie schnell Tamoxifen in Ihrem Körper abgebaut wird, aber nicht, ob es wirkt.

?: Ich bekam vor fünf Monaten die Diagnose Brustkrebs: pT1c; pNO; LO;VO, IA, G2, RO. Aufgrund meines Alters und Bronchiektasen entschloss ich mich, trotz Genomtest von 11 gegen Chemo, so auch gegen die Bestrahlung, weil sie auch nicht mit Tiefinspiration durchgeführt werden sollte, obwohl ich meinte, es sei besser (Bronchiektasen und Tumor links) und auch keine Hypofraktionierung. Ich brach daraufhin nach zwei Bestrahlungen die Therapie ab. Würde es Sinn machen, sie nun ein Jahr später unter besseren Bedingungen nachzuholen?

Witzel: Es gibt keine Hinweise darauf, dass eine Strahlentherapie nach so langer Zeit noch wirkt. Jetzt macht eine Bestrahlung also eher keinen Sinn mehr.

Marion: Ich nehme seit neun Monaten Letrozol und habe Nebenwirkungen im Bereich Muskeln und Gelenke, insbesondere Knie und Waden, weshalb ich nur unter Schmerzen in die Hocke komme. Was genau wird hier zerstört und was kann ich tun außer Magnesium und Bewegung?

Witzel: Die Beschwerden werden durch den Hormonentzug erklärt. Hormone dürfen Sie in Ihrer Situation jedoch nicht einnehmen, sodass man symptomatisch behandeln muss - wie Sie es bereits tun. Man kann unter Umständen die Therapie auch auf ein anderes Medikament umstellen. Vielleicht vertragen Sie dieses besser. Besprechen Sie dies am besten mit Ihrem behandelnden Arzt/Ärztin.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 30.04.2019 | 20:15 Uhr

Individuelle Therapien gegen Brustkrebs

Brustkrebs lässt sich in einigen Fällen mit weniger Chemotherapien und Bestrahlungen behandeln. Das Wachstum fortgeschrittener Tumore kann eine Antihormontherapie hemmen. mehr

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