Stand: 19.03.2019 22:30 Uhr  - Visite

Chat-Protokoll: Atemnot

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Prof. Bjoern Andrew Remppis hat im Visite Chat Fragen zum Thema Luftnot beantwortet.

Bei Atemnot machen sich die meisten Betroffenen Sorgen um ihre Lunge. Doch hinter dem Symptom können auch andere, teilweise ernste Erkrankungen stecken. Ärzte denken als Ursache beispielsweise an das Herz, das den Körper zusammen mit der Lunge mit Sauerstoff versorgt. Wer an Atemnot leidet, sollte die Ursachen unbedingt bei einem Arzt abklären.

Der Kardiologe Prof. Bjoern Andrew Remppis hat im Visite Chat Fragen zum Thema Atemnot beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Beate: Welchen Einfluss haben Schilddrüsenhorme auf das Herz? Ich nehme seit zwölf Jahren L-Thyroxin wegen einer Schilddrüsenkrebserkrankung und leide häufig unter Herzrasen und Atemnot bei Anstrengung. Kann das mit der "gewollten Überfunktion" zusammenhängen?

Prof. Dr. Bjoern Andrew Remppis: Ja, das kann mit einer Überdosierung des Schilddrüsenhormons zusammenhängen. Hier lohnt sich der Besuch beim Endokrinologen und beim Kardiologen. Eine Überdosierung kann zum Beispiel zu Vorhofflimmern führen.

Wolfgang S.: Vor vielen Jahren wurde bei mir COPD diagnostiziert, ohne bisher nennenswerte Beschwerden zu haben. Neuerdings habe ich Atemnot! Ist das auf COPD oder Asthma Bronchiale zurückzuführen - und was ist der Unterschied zwischen diesen beiden Krankheiten?

Remppis: Das kann zwei Gründe haben: Entweder hat sich die COPD verschlechtert oder aber Sie haben Atemnot aufgrund einer möglicherweise jetzt bestehenden koronaren Herzerkrankung, die eine systematische Begleiterkrankung der COPD ist. Empfehlung: kardiologische Abklärung.

Susi: Ich bin 68 Jahre und habe seit circa einem Jahr Luftnot. Lungenfunktionstest: etwa 48 Prozent Volumen. Vom Pulmologen: Foster Spray. Trotzdem schon bei wenig Belastung starke Luftnot. Seit 21 Jahren rauchfrei. Vor einem Jahr nach einer Cholezystektomie MRSA! Könnte das die Ursache sein? Habe keinen Husten, keinen Auswurf. Fühle mich bei jeglicher Belastung sehr matt. MRSA wurde erst nach drei Monaten, da keine Besserung, festgestellt. Antibiose erfolgt. Was kann ich noch tun, um Verbesserung zu erzielen?

Remppis: Erstens besteht offensichtlich eine schwere Lungenerkrankung und zweitens eine chronische Entzündungssituation. Hier sollte man nach dem Eisenstoffwechsel schauen (Messung von Ferritin, Transferrinsättigung), um einen Eisenmangel auszuschließen. Zweitens muss man bei einer schweren Lungenerkrankung immer auch eine Abklärung des Herzens anstreben. Daher bitte zum Kardiologen.

Ulli: Kann Luftnot von einer Unterfunktion der Schilddrüse kommen?

Remppis: Ja, die Unterfunktion der Schilddrüse führt zu einer Versteifung des Herzens und kann daher zur Luftnot führen. Eine genaue Einstellung der Schilddrüsenwerte mit Beurteilung durch den Kardiologen ist wichtig.

Martina: Bei meiner Mutter wurde ein "Broken-Heart-Syndrom" diagnostiziert. Muss sie deshalb mit ihrer Luftnot leben? Oft reichen schon 100 Meter auf gerader Straße aus, damit sie aus der Puste gerät.

Remppis: Das Broken-Heart-Syndrom hat eigentlich eine relativ gute Prognose und sollte nach spätestens drei Monaten weitestgehend ausgeheilt sein. Falls dies nicht der Fall ist, sollte man eine zweite kardiologische Meinung einholen, um die Diagnose zu überprüfen. Auf keinen Fall akzeptieren.

Christiane: Ich habe eine autonome Dysfunktion mit Herzbeteiligung und eine extreme Atemschwäche - vor allem, wenn ich versuche, mit den Armen vor dem Körper zu arbeiten: etwas aufheben, leichte Küchenarbeiten. Die Herzleistung ist herabgesetzt, aber nicht ausreichend für die Luftnot. Kann eine Wirbelsäulen-Instabilität dazu führen?

Remppis: Es scheint sich um einen sehr komplexen Fall zu handeln. Auch hier gilt: eine zweite Meinung einholen. Bei einer autonomen Dysfunktion können autoimmune Prozesse am Herzen eine Rolle spielen. Hier empfiehlt sich, nochmals eine genaue Herz- und Lungenuntersuchung zu machen. Selbstverständlich kann ein Wirbelsäulenproblem hier zusätzlich zu Problemen führen. Empfehlung: Physiotherapeut.

Martin M.: Meine Mutter (84) hat eine leichte Lungenfibrose, damit verbunden einen Lungenhochdruck. Sie bekommt Remodulin. Es fehlen aber Begleittherapien. Würden Atemtraining, Inhalation oder ähnliches für zusätzliche Besserung sorgen? Was würden Sie vorschlagen?

Remppis: Lungenfibrose ist eine sehr schwierig zu behandelnde Erkrankung. Daher sind gerade die Begleittherapien wichtig, um die Luftnot in Grenzen zu halten. Konsequente Physiotherapie und Kontrolle des Eisenstoffwechsels.

Hannes: Inwieweit kann Atemnot in Verbindung mit Leistungssport stehen, insbesondere in Ruhephasen? Kann eine erhöhte Muskelmasse zu Atemnot führen?

Remppis: Dass eine vermehrte Muskelmasse zu einer Atemnot führt, habe ich noch nicht gehört. Wenn diese allerdings verspannt ist, könnte man sich das herleiten. Wenn es um Leistungssport geht, können leistungssteigernde Hormone sehr schnell zu Herz- und Leberschwäche und damit zu Atemnot führen.

Julian: Inwiefern muss ich mir mit meinen 17 Jahren Sorgen machen, durch Rauchen schneller an Atemnot zu leiden?

Remppis: Große Sorgen. Liebe Grüße.

Herr Müller: Ich bin 70 Jahre alt, bekomme schon nach einer Etage Luftnot. 2019 wurde eine Herz-CT-Untersuchung gemacht, alles okay. Mein Hausarzt hat den Verdacht auf Cor pulmonale. Kann das sein?

Remppis: Ich nehme an, dass beim Herz-CT nur nach Kalk in den Herzkranzgefäßen gesucht wurde und man mutmaßlich keine Herzfunktion untersucht hat. Bei einem Cor pulmonale läge ein Lungenhochdruck vor. Dieser könnte zunächst mit einer orientierenden Ultraschalluntersuchung des Herzens untersucht werden. Falls auffällig, dann Untersuchung mit Herzkatheter (rechts und links) anstreben.

Christl: Ich habe seit circa vier Jahren angeblich subglottische Stenose, verursacht durch den Beatmungsschlauch bei einer Operation. Ich habe sehr starke Atemnot - der Kehlkopf-Knorpelring schwillt an - bei Aufregung, Hetze und Freude dann kann ich sehr, sehr schwer atmen. Was soll ich tun?

Remppis: Sie sollten noch mal in ein Thoraxzentrum (spezialisiertes Lungen-Krankenhaus) gehen, um die Spezialisten dies behandeln zu lassen.

Phthalo: Alter 50, Blutwerte okay. Belastungs-EKG und Belastungs-MRT (vor drei Monaten) okay, Pneumologe und zwei Allergietests ohne Befund. Ich bin sportlich-muskulös, in der Schule immer der Beste im Sport. Aber: Ich habe nie Kondition besessen. Fußball nicht möglich. Musste als Kind über fünf Jahre Handball spielen - und auch da immer Konditionsprobleme. Zwei-Kilometer-Lauf gerade so - mehr ist bis heute nie drin gewesen, trotz monatelangem Jogging-Training. Ich kann einfach keine Kondition aufbauen. Nach spätestens zwei Kilometern ist es, als ob mir eine Betonplatte auf der Brust liegt. Was kann ich noch tun?

Remppis: Falls das Belastungs-MRT wirklich eine Unterversorgung des Herzens ausgeschlossen hat (mit dem MRT auf CD zweite Meinung einholen): Mitochondriale Funktion testen lassen (unter anderem Eisen, Selen), osteopathische Grunduntersuchung durchführen lassen. Insgesamt passt mir der MRT-Befund nicht zu Ihren Symptomen. Eventuell invasive kardiologische Diagnostik und Frage nach "Small-Vessel-Desease".

Monika: Ich leide seit vielen Jahren unter Atemnot. Ein leichter Herzklappendefekt wurde festgestellt. Die Beine sind ständig geschwollen. Bin seit Jahren sehr verschleimt. Bin sportlich aktiv - Zirkeltraining, Nordic Walking, Yoga. Was kann ich noch tun? Mein Arzt sagt, die Lunge sei frei.

Remppis: Sie sollten mit der Diagnostik von vorne anfangen. Herz, Niere und Lunge müssen noch mal grundlegend überprüft werden.

Angelika01: Bei mir wurde vor sechs Jahren eine Exogen allergische Alveolitis mit Lungenfibrose festgestellt. Die Ursache wurde abgestellt. Neuerdings bekomme ich häufig Luftnot mit Heiserkeit und Herzrasen, wenn ich beruflich lange sprechen oder telefonieren muss. Was kann das sein?

Remppis: Das Herzrasen kann schlicht und ergreifend unter Stress im Sinne einer Vorhoftachykardie auftreten. Hier Abklärung mit Langzeit-EKG. Ferner HNO-Untersuchung und Stimmtraining. Offensichtlich besteht starker beruflicher Stress, der abgeschirmt werden sollte.

Walter: Ich (72 Jahre alt) habe seit langer Zeit (1968) mit Atembeschwerden (es ist wie ein Korsett über der Brust, gegen das ich anatme) zu tun. Mit Interesse habe ich in der Sendung gehört, dass eine mögliche Ursache eine mangelhafte Sauerstoff-Verwertung im Gewebe sein kann. Meine Frage: Kann die Luftnot über diesen Weg in einem Zusammenhang mit einem auffällig niedrigen Wert des venösen Sauerstoff-Partialdrucks, der bei mir gefunden wurde, stehen?

Remppis: Offensichtlich kommt es in Ihrem Körper zu einer hohen Ausschöpfung des Sauerstoffs, was ein indirekter Hinweis auf eine Herz- und Lungenerkrankung sein kann. Ich empfehle eine invasive Diagnostik mittels Rechts- und Links-Herzkatheter.

Corina.77: Meine Mutter wird dieses Jahr 70 und leidet unter schwerer Atemnot. Ihre Nase läuft blau-lila an und sie bekommt rote Flecken im Gesicht. Was könnte das sein?

Remppis: Aus diesen Daten ist die Ursache nicht zu erkennen. Sie muss sich einer gründlichen Herz-Lungen-Untersuchung unterziehen - wenn möglich in einem Krankenhaus.

MickNick: Ich bin 54 Jahre alt, hatte Ende 2016 einen Herzstillstand, trage seit Januar 2017 ein ICD, erhielt zwei Stents und meine Mitralklappe wurde vor einem Jahr rekonstruiert. Seit August 2017 habe ich Atemnot beim Bergan-Laufen - schaffe 20 Stufen am Stück und habe dann "blockierte" Oberschenkel und schnellen Puls und Atem. Gefäßchirurgie, Kardiologie und Neurologie sind ohne Befund. Haben Sie für mich einen Ratschlag, bevor ich mich zur psychosomatischen Behandlung begebe?

Remppis: Sie brauchen trotz Ihrer ganzen Operationen nochmals eine eingehende Untersuchung an einem Herzzentrum, um die vielfältigen Möglichkeiten der offensichtlichen Unterversorgung der Muskulatur herauszufinden. Bei Ihnen liegt möglicherweise ein Lungenhochdruck vor (eventuell nur unter Belastung), Eisenmangel oder ähnliches. Auf keinen Fall würde ich jetzt schon auf eine psychosomatische Behandlung übergehen.

Walli: Mein Sohn, inzwischen 30 Jahre alt, leidet seit einer bösartigen Diagnose mit anschließender Chemotherapie vor 5 Jahren häufig unter Atemnot. Ist es möglich, dass die Atemnot darauf zurückzuführen ist? Welche Untersuchungen halten Sie in diesem Fall für notwendig?

Remppis: Ja. Viele Chemotherapien können eine Herzschwäche auslösen. Daher kardiologische Abklärung und gegebenenfalls Herzinsuffizienztherapie. Dies ist ein Klassiker.

Rita: Ich bin 48 Jahre alt. Seit etwa einem Jahr leide ich unter Atemnot, Muskelschmerzen in den Beinen und Schlaflosigkeit. Habe einen Eisenmangel. Habe mich heute kardiologisch untersuchen lassen: Herz ist soweit gesund. Der nächste Gang ist ins Schlaflabor. Was kann ich noch tun?

Remppis: Hochdosierte Eisengabe intravenös. Ansonsten sind Sie auf dem richtigen Weg.

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Visite | 19.03.2019 | 20:15 Uhr

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