Stand: 13.12.2019 15:00 Uhr  - Mehr wissen - besser leben

Challenges: Auf der Suche nach Nervenkitzel

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Bungee-Jumper - wie hier am Hamburger Fernsehturm - gehen beim Sprung an ihre Grenzen.

Im Netz und den sozialen Medien wimmelt es nur so von absurden Videos: Menschen stellen sich aberwitzigen Selbstversuchen oder Mutproben und wollen dabei von anderen gesehen werden. Meist handelt es sich um harmlose Späße, aber manche Challenges - zu deutsch "Herausforderungen" - und auch einige Risikosportarten können wirklich gefährlich werden. Doch was ist der Reiz daran und was passiert dabei im Körper?

Vor allem Jugendliche suchen das Risiko

Psychologen zufolge beweisen sich vor allem junge Menschen gerne in Mutproben. Sie wollen Grenzen überwinden und zeigen, was sie können. Dabei suchen sie Spaß und Anerkennung und haben wenig Angst vor dem Risiko. Wissenschaftler fanden heraus, dass die unter Teenagern verbreitete Risikofreude mit Reifungsprozessen im Gehirn zusammenhängt. Bei ihnen findet ein massiver neuronaler Umbau statt. Synapsen verschalten sich neu, ungenutzte Nervenzellkontakte sterben ab - mit Folgen für das Risikoverhalten.

Gehirn ist noch in der Entwicklung

Der präfrontale Kortex, also der Teil des Gehirns, der für planvolles Handeln zuständig ist, reift als Letztes. So ist es für Jugendliche schwer, die Konsequenzen ihres Verhaltens abzusehen. Dagegen gehört das Belohnungssystem im Gehirn zu den Bereichen, die früher entwickelt sind. So entsteht ein Ungleichgewicht zwischen diesen beiden Systemen. Jugendliche brauchen besonders viel Stimulation, um intensive Hochgefühle erleben zu können: Es ist mehr Reiz notwendig als bei Erwachsenen, um einen ähnlichen Kick zu erleben. Viele Jugendliche sind zudem auf der Suche nach Belohnung und fühlen sich vom vermeintlichen Ruhm in den sozialen Medien angezogen. Denn spektakuläre Aktionen bekommen besonders viele Klicks, werden kommentiert und gelikt.

Warum begeben sich Menschen in Lebensgefahr?

Einige Menschen begeben sich bei Risikosportarten wie Bungee Jumping oder Base Jumping sogar in Lebensgefahr. Das ruft heftige Reaktionen im Körper hervor: Das Gehirn meldet Gefahr und schüttet die Stresshormone Cortisol und Adrenalin aus. Der Körper ist in Alarmbereitschaft. Wer sich überwindet und springt, kann eine Panikattacke erleiden - oder er erlebt einen Rausch der Erregung. Psychologen stellen bei vielen Risikosportlern eine Sehnsucht nach starken Gefühlen fest. Sie sind sogenannte Sensation Seeker. Dabei handelt es sich um ein Persönlichkeitsmerkmal, das teilweise sogar genetisch bedingt ist.

Flow: Grenzerfahrung beim Ausdauersport

Bei extremen Ausdauersportarten begeben sich die Sportler zwar nicht in Lebensgefahr, bringen ihren Körper aber dennoch an seine Grenzen. Das Gehirn regelt dabei die vordere Stirnregion, den präfrontalen Kortex, herunter. Logisch-analytisches Denken wird gebremst, weil das Gehirn alle Energie für die Koordination der Bewegung braucht. Die Läufer rennen dadurch wie in Trance und kommen in den "Flow". Zudem schüttet der Körper einen Cocktail selbst produzierter Drogen aus. Dazu gehören Endorphine, die ähnlich wie Morphin schmerzlindernd wirken, und sogenannte Endocannabinoide, die den Wirkstoffen von Marihuana ähneln und euphorisierend wirken. Das "Runners High" macht damit nicht nur glücklich, sondern wirklich high.

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Dieses Thema im Programm:

Arte | Xenius | 16.12.2019 | 16:50 Uhr

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