VIDEO: Unterschätzte Gefahr: So wirkt Cannabis auf Gehirn und Körper (7 Min)

So kann Cannabis als Medizin bei Schmerzen helfen

Stand: 02.12.2021 15:40 Uhr

Cannabis ist nicht nur ein bislang verbotenes Rauschmittel, sondern auch ein sehr wirksames Medikament. Die Wirkstoffe THC und CBD können chronischen Schmerzpatienten helfen, wenn andere Arzneimittel versagen.

Der Extrakt der Hanfpflanze, Cannabis, ist in Deutschland bislang verboten. Dabei ist Cannabis, als getrocknete Blüten (Marihuana) oder Harz (Haschisch), nicht nur ein Rauschmittel, sondern auch ein sehr wirksames Medikament, das vor allem in der Schmerztherapie eine besondere Rolle spielt. Lange waren Cannabis-Medikamente in Deutschland nur bei Spastiken und Multipler Sklerose zugelassen. Seit 2017 ist es durch das Gesetz "Cannabis als Medizin" möglich, auch bei anderen schwerwiegenden Erkrankungen Cannabis-Medikamente verordnet zu bekommen. Die neue Ampel-Koalition plant nun, die kontrollierte Abgabe von Cannabis als Genussmittel zu legalisieren.

Bei welchen Schmerzen helfen Cannabis-Medikamente auf Rezept?

Cannabis ist nicht das Mittel der ersten Wahl, denn es hilft nicht jedem: Ärzte verordnen Cannabis-Produkte - wie zum Beispiel Dronabinol-Tropfen - chronisch kranken Patienten, die gängige Schmerzmittel nicht mehr vertragen oder deren Schmerzmittel nicht mehr wirken. Am ehesten wirkt Cannabis gegen Schmerzen, die im Nervensystem entstehen. Vor allem spastische und neuropathische Schmerzen, die oft nach einer Strahlentherapie bei Krebspatienten auftreten, lassen sich damit recht effektiv lindern. Auch bei Phantomschmerzen nach Amputationen kann Cannabis hilfreich sein. Ärzte dürfen gegebenenfalls die reinen Blüten verschreiben oder Cannabis-Präparate in Form von Kapseln, Tropfen, Öl oder als Mundspray.

Cannabis: Welche Wirkung haben THC und CBD?

Cannabis enthält mehr als 100 Wirkstoffe. Die beiden wichtigsten sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD):

  • THC hebt die Stimmung, verändert die Wahrnehmung (benebelt) und lindert Schmerzen.
  • CBD wirkt gegen Entzündungen, lindert Krämpfe, nimmt Angst und lindert Schmerzen.

Cannabis hat Vorteile, die andere Wirkstoffe nicht haben: Der Körper produziert selbst ganz ähnliche Stoffe, die sogenannten Endo-Cannabinoide, die ihre Wirkung über verschiedene Rezeptoren entfalten, die auch für eingenommene Cannabis-Wirkstoffe empfänglich sind. Der Rezeptor CB1 kommt im zentralen Nervensystem und vielen anderen Organen vor, lindert Angst, Stress, Unruhe und Schmerzen. Der Rezeptor CB2 sitzt in den Immunzellen von Lunge und Darm und wirkt antientzündlich.

Nebenwirkungen: Ungeeignet bei Herzerkrankungen oder Depressionen

Es gibt noch wenig Erfahrungswerte und Studien zu Wirksamkeit, Langzeit- und Nebenwirkungen, weil Cannabis aufgrund der früheren Gesetzeslage lange nicht eingesetzt und untersucht werden durfte. Zu hoch dosiert, kann zum Beispiel Cannabis-Spray das Kurzzeitgedächtnis einschränken. Cannabis-Medikamente sind nicht geeignet für Patienten mit depressiven Störungen oder anderen psychiatrischen Erkrankungen sowie für Patienten mit Herzerkrankungen, wie zum Beispiel Herzrhythmusstörungen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 21.10.2021 | 19:30 Uhr

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